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Eine Zeitreise zurück in die 1950er-Jahre

Allerfeinster Rock ’n’ Roll, Cadillacs mit blank polierter Heckflosse, ein «Carboot-Sale», viel Pomade im Haar und fliegende

Der Besuch des neunten Hangar Rockin’ Festivals in St.Stephan glich einer Zeitreise in die 1950-er Jahre. Auf dem Flugplatz zwischen Zweisimmen und Lenk standen meterlange Strassenkreuzer wie der mintgrüne Cadillac mit blank polierter Heckflosse neben alten pastellfarbenen Vespa-Rollern aufgereiht. Am angeblich grössten Car-, Bike- und Rock’n’Roll-Festival Europas konnten gegen tausend Oldtimer, allesamt Baujahr 1935 bis 1968, vor malerischer Bergkulisse bestaunt werden. Aber nicht nur die alten Karossen erinnerten an die Nachkriegszeit. Getreu ihren Vorbildern aus amerikanischen Filmen fuhren in Jeans und Lederjacke gekleidete Halbstarke mit James-Dean-Frisuren auf ihren laut ratternden Mofas durch die Reihen. Die Töfflibuben der 1950er-Jahre waren aber im Gegensatz zu damals auf dem Festivalgelände alles andere als verpönt. Wie die Frauen in ihren weiten Röcken und mit knallrot geschminkten Lippen sorgten sie für die passende Szenerie zum «Be-Bop-A-Lula», das aus den Lautsprechern dröhnte. Kein Weg zu weit Die eingefleischten Anhänger der Retroszene nahmen weite Wege in Kauf, um am Hangar Rockin’ den Geist der 1950er-Jahre aufleben zu lassen. Aus Deutschland, Frankreich, Italien und allen Ecken der Schweiz kamen sie ins Simmental gereist. Pascal Ammann ist jedenfalls «total kaputt» von seiner vierstündigen Autofahrt. «Ich wollte mir das Festival aber keinesfalls entgehen lassen, zumal ich dieses Wochenende für einmal nicht selbst auf der Bühne stehe», sagt der 20-Jährige Rockabilly-Musiker. Der Umzug des Festivals vor drei Jahren aus dem aargauischen Birrfeld ins Berner Oberland, kam dem Aargauer nicht entgegen. Für die stolzen Besitzer der edlen Oldtimer-Schlitten war jedoch schon die Hinfahrt ein Erlebnis. Interessierte Blicke waren ihnen jedenfalls sicher. Ausserdem konnten sie sich so schon mal für das am Samstag ausgetragene 1/8-Meilen-Rennen warm fahren. (Fast) alles aus den 50ern Tagsüber fand neben dem Autorennen auch ein sogenannter «Carboot-Sale» statt. Direkt aus ihren Kofferräumen verkauften die Besucher allerlei Dinge wie Schallplatten, Autoteile, Möbel und Kleider im Fifties-Style. Dort und an den Ständen von professionellen Händlern konnten sich die Anhänger der Szene die Accessoires für ihren aussergewöhnlichen Lebensstil erstehen. Verkäuferin und Schneiderin Dina Granget aus Suhr lebt diesen voll und ganz. Granget: «Die Musik, meine Kleider, mein Auto und natürlich auch meine Wohnungseinrichtung – es ist alles aus den 50er-Jahren.» – Jedenfalls fast, denn ihr Handy, das geklingelt hatte, hat es zu dieser Zeit noch nicht gegeben. Am Abend sorgten dann DJs und Livebands im Festzelt für Stimmung. Die englische Band Rusti Steel & the Star Tones bot für die tanzfreudigen Festivalbesucher ein gutes Aufwärmprogramm. So richtig zur Sache ging es dann aber, als die maskierte Kultband Los Straitjackets aus Tennessee (USA) auf die Bühne trat und ihren Instrumental Surf spielte. Je später die Stunde, desto mehr Leute fanden sich auf dem Festivalgelände ein. Unter die Marilyn Monroes und Elvis Presleys der Szene mischten sich immer mehr auch neuzeitlich gekleidete Einheimische. Im Gegensatz zum Eintrittsbändel am Handgelenk waren Haartolle und Petticoat also keinesfalls Pflicht für den Besuch des Festivals. Ariane Lüthi >

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