Zum Hauptinhalt springen

Grenzgänger und Jakobspilger

Grenzen spielen sowohl auf dem Hof Bättwil bei Burgdorf als auch im Dorf Bättwil bei Basel eine wichtige Rolle: Ersterer bildet die Grenze zwischen Tiefland und Emmental, Letzteres liegt an der Grenze zu Frankreich.

Wer vom Schloss Burgdorf oder vom Gymnasium aus in Richtung Emmental blickt, sieht auf der linken Talseite einen prominent auf der ersten Hügelkuppe liegenden Bauernhof. Das Anwesen heisst Bättwil und besteht aus mehreren Gebäuden. Politisch noch zur Stadt Burgdorf gehörend, aber bereits in den Emmentaler Hügeln angesiedelt, markiert der Hof sowohl eine kulturelle als auch eine topografische Grenze – den Übergang von der Stadt aufs Land und vom flachen Mittelland in die voralpine Hügelregion. Bonjour la France Ein gepflegtes Dorf mit schönen Gärten, zahlreichen Obstbäumen und einer idyllisch-ländlichen Umgebung sonnt sich still im milden Herbstlicht. Dieser Ort heisst ebenfalls Bättwil, liegt jedoch auf Solothurner Boden und hat, trotz seines ländlichen Gepräges, mit Landwirtschaft nicht mehr viel zu tun. Wie beim Namensvetter bei Burgdorf spielt aber auch hier die Grenzsituation eine prägende Rolle: Bättwil SO grenzt nördlich an Frankreich und gehört überdies zum Solothurner Bezirk Dorneck, der wirtschaftlich nicht nach Solothurn ausgerichtet ist, sondern zur Agglomeration Basel gehört. Schnell gewachsen Die nördlichste Gemeinde im Kanton Solothurn war einst praktisch ein reines Bauerndorf. Mit Beginn der Hochkonjunktur in den 1970er-Jahren setzte jedoch auch im hinteren Leimental ein Bauboom ein, sodass sich Bättwil zu einer Wohn- und Gewerbegemeinde entwickelte. Zwischen 1990 und 2005 verdoppelte sich die Einwohnerzahl; heute leben im Dorf knapp 1200 Personen. Dass man hier an der Grenze lebt, lässt sich jeden Tag von neuem erleben. «Wir haben viele französische Grenzgänger, die bei uns arbeiten», sagt die Bättwiler Gemeindeschreiberin Nicole Künzi. «Wie die Verhältnisse im Nachbardorf Leymen jenseits der Grenze sind, weiss ich nicht, aber Tatsache ist, dass es bei uns wegen der vielen Gewerbebetriebe gute Erwerbsmöglichkeiten gibt.» Immerhin sind in Bättwil 50 Unternehmen angesiedelt, während hier laut Gemeindeführer gerade noch drei Landwirtschaftsbetriebe existieren. Die verbindende Burg Auf der behördlichen und politischen Ebene ist die Grenze allerdings dichter. Wenn zum Beispiel die Renaturierung eines Bachs oder eine Strassensanierung ansteht, sucht man den bilateralen Kontakt nicht. «Jeder schaut, dass es auf seiner Seite klappt, an der Grenze ist Schluss», erklärt Nicole Künzi. Auf historischem Terrain dagegen ist eine schweizerisch-französische Zusammenarbeit zustande gekommen: Die Burg am Landskronberg, die bereits knapp zu Frankreich gehört, wird von der Vereinigung Pro Landskron unterhalten. Diese Gruppe von Idealisten setzt sich aus Mitgliedern beider Nationalitäten zusammen. Ein schönes Panorama Auch im anderen Bättwil, auf dem Burgdorfer Bauernhof der Familie Mathys also, ist man sich der Grenzstellung bewusst, die man einnimmt. «Wir bilden eine Art Scharnier zwischen Stadt und Land», sagt Elisabeth Mathys und deutet auf das Altstadtpanorama, das sich vom Bättwiler Hügel aus von seiner schönsten Seite zeigt. «Wir fühlen uns politisch der Stadt zugehörig, wohnen aber in einigem Abstand von den Quartieren für uns auf dem Land, was mir eigentlich ganz recht ist.» Wenn nachbarschaftliche Hilfe gefragt ist, wendet man sich an Landwirte in Heimiswil – denn 200 Meter vom Hof entfernt verläuft eine weitere Grenze, jene zwischen den Gemeinden Burgdorf und Heimiswil. An Kontakten mangelt es der Familie Mathys trotz der Abgeschiedenheit im Grünen jedoch nicht. Der 22-Hektar-Betrieb fusst nämlich nicht allein auf Milchwirtschaft und Ackerbau; ein weiteres Standbein ist der Bauernhoftourismus mit Feriengästen, Schlafen im Stroh und Eselreiten. Auch Jakobspilger machen auf ihrer Reise nicht selten Station in Bättwil – Grenzgänger auf dem spirituellen Pfad zwischen diesseits und jenseits.Hans HerrmannUnter dem Titel «Zwillingsorte» stellen wir Schweizer Gemeinden oder Ortsteile vor, die gleich heissen wie ihre Pendants im Emmental. Folgende Beiträge sind bereits erschienen: «Zwischen Kirchen und Kühen» (13.7.), «Hügel und Hügelchen als Berge» (17.7.), «Mutten – mal steil und mal eben» (20.7.), «Die Spuren des Sankt Nikolaus» (24.7.), «Zum Entspannen unter Tannen» (27.7.), «In Wiler hängt alles an der Bahn» (31.7.), «Ein Stadtteil mit Überraschungen» (3.8.), «Das Schiff, der See, die Promenade» (7.8.), «Hier die Rocker, dort die Mönche» (10.8.), «Mami, er hat sich bewegt» (14.8.), «Grüner Tunnel, schwarzer Tunnel» (28.9.), «Italien ist näher, als es scheint» (2.10.), «Nachbarn – und doch so fremd» (5.10.), «Von Kappelen nach Kappelen» (9.10).>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch