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«Kaltenherberge»-Deal geplatzt

Gasthofsanierer René

René Brogli zeigt auf eine gähnende Lücke. «Hier war die Réception. Und dort drüben», Brogli geht über eine eingerüstete Treppe, «dort war das Buffet.» Noch schlimmer sei es draussen, wo die ganze Gartenanlage abmontiert worden sei. «Ja, sogar Bäume sind versetzt und Parkplätze zugeschüttet worden. Alles sieht aus wie auf einer Baustelle», ärgert sich Brogli. «Eine Riesensauerei.» Seit über einem Jahr zu René Broglis Ärger ist verständlich. Seit eineinviertel Jahren steht die Roggwiler «Kaltenherberge» leer. Und ebenso lange versucht er, sein einstiges Bijou zu verkaufen. Dies, nachdem verschiedene Pächter und Konzepte gescheitert waren. Da kam dem Aargauer Immobilienkaufmann der Telefonanruf gerade recht: Im Frühling 2009 meldete sich bei ihm ein gewisser Michael Brunner. Er wolle die «Kaltenherberge» kaufen und zum Geschäftssitz seiner Baufirma umbauen. Man traf sich und verstand sich. «Das ist ein Machertyp wie ich», sagte Brogli damals. «Der verdient eine Chance.» Als Brunner dann noch eine Anzahlung von 100000 Franken leistete (an den vereinbarten Gesamtpreis von 3,6 Millionen), sah Brogli keinen Grund mehr, dem jungen Geschäftsmann zu misstrauen – er übergab ihm den Schlüssel. Denn Brunner habe angeblich schon mal verschiedene Räume für die Planung seines Umbaus ausmessen wollen Was Brogli nicht wusste: Michael Brunner (38) ist kein unbeschriebenes Blatt. Vor fünf Jahren wurde er im Kanton Solothurn wegen Betrugs und ungetreuer Geschäftsführung verurteilt, später aber als vermindert schuldfähig infolge einer Hirnverletzung rehabilitiert. Darüber hinaus war er einst in einen Gerichtsfall mit den Sikhs verwickelt, deren Tempelbau er in Langenthal leitete. Und zurzeit streitet sich Brunner mit der Gewerkschaft Unia wegen angeblich nicht bezahlter Löhne. Teures Nichtwissen Das Nichtwissen rächte sich: Kaum hatte Brunner den «Kaltenherberge»-Schlüssel im Sack, legte er mit seinem Umbau los. Und als Besitzer René Brogli, der im aargauischen Seon wohnt, einmal zufällig in Roggwil vorbeifuhr und die Baustelle sah, da traf ihn «beinahe der Schlag». Brunner beschwichtigte: Die Liegenschaft gehöre sowieso bald ihm, er zahle ja bald. Da kann René Brogli nur lachen. Für ihn ist der «Kalteli»-Deal mit Brunner geplatzt. Obwohl Brogli für den entstandenen Schaden eine Schuldanerkennung besitzt, mag er Brunner nicht vor Gericht ziehen: «Aus einem Stein kann man schliesslich auch kein Wasser pressen.» Brunner selbst wollte gestern zur «Kaltenherberge» nichts mehr sagen. Stefan Aerni>

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