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Noch ist bloss Skepsis spürbar

JaunpassIn Boltigen gibt man sich derzeit besonnen. Und doch: Die Aussicht, bis

«Wir wissen erst seit Mittwoch, dass Boltigen auf dem Jaunpass wieder Asylsuchende zu Gast haben soll. Unser Gemeinderat wird die Situation und das weitere Vorgehen an der Dienstagssitzung besprechen – vorher geben wir keine offiziellen Kommentare ab», erklärte gestern Gemeindeschreiber Rudolf Matti. Das Thema sei halt delikat. Zur Erinnerung: Bei der Errichtung eines Minimalzentrums für abgewiesene Asylsuchende vor sieben Jahren waren Teile der Boltiger Bevölkerung gegenüber der damals zuständigen Polizeidirektorin Dora Andres auf die Barrikaden gestiegen, allerdings ohne Erfolg. Engagiert hatten sich damals auch Therese und Peter Thöni, die auf dem Pass das Hotel Des Alpes betreiben. «Wir haben uns mit vielen andern zusammen 2004 sehr gewehrt und dabei viel Energie verpufft. Dass wir nach diesem Mais zum zweiten Mal Asylbewerber zugewiesen erhalten, ist doch eher überraschend», erklärte gestern Therese Thöni. Sie liess sich denn auch eher ungern zur Situation befragen. «Das letzte Mal war das Medienecho auf die hiesigen Vorgänge enorm, sogar Vertreter aus dem Ausland sind angereist.» Menschenunwürdig? Ausser einem beträchtlichen Imageschaden sei vor sieben Jahren im rund 1500 Meter über Meer gelegenen Ort allerdings kaum etwas passiert. Die unterirdische Unterkunft – es ist ein eigentlicher Armeebunker – sei beim ersten Mal für das runde Dutzend Abgewiesener echt wohnlich eingerichtet worden. Peter Thöni meint dazu: «Sollten jetzt aber tatsächlich bis zu 90 junge Männer aus den Kriegswirren Nordafrikas kommen, präsentiert sich die Situation anders.» Und da sei auch die Menschenwürde sehr infrage gestellt: «Schliesslich ist es ein Unterschied, ob unsere Soldaten im Bunker nur übernachten, oder ob so viele Leute ein halbes Jahr darin leben müssen.» Thönis fragen sich auch, was denn diese Masse von Leuten aus einer anderen Kultur den ganzen Tag unternehmen wird, ob diese Afrikaner auf dem Jaun «herumhängen» werden. In Thönis Berg-Shop und Kiosk arbeitet seit kurzem Sandra Eggen. «Ich bin ab dieser Ankündigung schon etwas erschrocken, es ist irgendwie eine beunruhigende Situation», gibt die 21-Jährige zu. Eine andere Situation Alfred Schafroth war 2004 beim Bund angestellt und kontrollierte die Unterkunft mehrmals pro Woche, «ohne auf grosse Probleme zu stossen». In jenem halben Jahr seien Tibeter-Familien und vereinzelt Russen untergebracht gewesen. «Einen dunkelhäutigen Afrikaner habe ich zwar einmal aussteigen sehen, er hat sich dann aber zu Fuss gleich wieder bergabwärts verabschiedet.» Heute ist Schafroth auf dem Jaunpass Campingwart: «Diesmal ist die Situation etwas anders. Eine gewisse Angst ist spürbar, und es gibt doch einige negative Stimmen auf dem Camp.» Peter Bonani, Präsident des Caravan-Clubs reagiert im Moment gelassen: «Wir waren vor sieben Jahren ebenfalls skeptisch eingestellt – und es ist dann nichts Negatives passiert. Hoffen wir einfach, dass die Angst auch jetzt unbegründet ist.» Esther Bütschi (42) betreut heuer erstmals den Laden der Alpkäserei Jaunpass. Sie habe keine Angst vor den Afrikanern, hoffe aber, «dass sie Ornig hei», sagte sie gestern. «Ich war sieben Jahre beim Zirkus und hatte nie Probleme mit Afrikanern. Vielleicht wirkt sich das Ganze für uns ja auch geschäftsfördernd aus. Obschon – Fondue mochten die Afrikaner eigentlich nie» Peter Rothacher>

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