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Privater kauft das Gotteshaus

UrtenenDer Immobilienmarkt für neuapostolische Kirchen boomt – in Ittigen wird wohl bald eine verkauft, und diejenige in Urtenen hat ein privater Käufer erworben. Wer er ist und was mit der Kirche passiert, bleibt geheim.

«Es ist gut gebaut, ein spannendes Objekt und vor allem nicht alltäglich.» So erklärt die Maklerin Brigitte Senn das rege Interesse an einer besonderen Immobilie aus dem Jahr 1974: der neuapostolischen Kirche an der Seemattstrasse in Urtenen. Im Dezember wurde sie zum Richtpreis von 910000 Franken zum Verkauf ausgeschrieben. Vom Inserat «Attraktiver Kirchenbau mit viel Umschwung und Parkplätzen» der Berner Firma Wirz Tanner Immobilien AG fühlten sich gleich mehrere potenzielle Käufer angesprochen, unter anderem zwei Glaubensgemeinschaften und ein Architekturbüro. Gekauft hat das ehemalige Gotteshaus aber nun eine Privatperson. Käufer will anonym bleiben Wer seit zwei Monaten die Kirche mit dem 1400 Quadratmeter grossen Grundstück sein eigen nennt, darf die erfolgreiche Maklerin Senn nicht verraten. Der Käufer, ein Schweizer aus der Region, will keine Informationen preisgeben. Deshalb ist auch nicht klar, was er mit dem spitzen Gebäude vorhat. Anscheinend wandte er sich an die Zuger Firma Exlusiv-Haus, Hauptsponsorin der Miss-Bern-Wahlen. Diese plant auf der Liegenschaft nun «ein Bauvorhaben» – welcher Art, darüber schweigt man sich aus. Ebenso verhalten äussert sich die Neuapostolische Kirche (NAK). Laut Pressesprecher Andreas Grossglauser wird das Gebäude fortan «privat genutzt». Ob dies einer «ethisch und moralisch vertretbaren Nutzung» entspricht, wie es sich die NAK für die Zukunft ihrer ehemaligen Kirche wünscht, kann Grossglauser nicht beantworten. «Aber schliesslich erlischt die besondere Heiligung des Gebäudes durch die Entwidmung», erklärt er. Nach diesem in christlichen Glaubensrichtungen üblichen Ritual gilt das Gebäude nicht mehr als Gotteshaus und darf für andere Zwecke verwendet werden. Mehrere Kirchen verkauft Die NAK hat in der Region Bern bereits Erfahrungen im Immobiliengeschäft gesammelt: Vor vier Jahren verkaufte sie ihre Kirche in Bremgarten, letztes Jahr jene an der Balderstrasse in Bern. Und in Ittigen liegt seit einer Woche ein Bebauungsplan für die neuapostolische Kirche auf: Statt gebetet soll dort künftig gearbeitet und gewohnt werden. Das Architekturbüro ar3 Architekten AG hat die Pläne für den Umbau entworfen und ist, sollte das Projekt gutgeheissen werden, auch an einem Kauf interessiert. Mit dem Geschäft betraut ist in Ittigen wie schon in Bern und Urtenen die Firma Wirz Tanner. Mitarbeiterin Senn bemerkt: «Ich nehme gerne noch mehr Aufträge zum Kirchenverkaufen an.» Das wäre kaum im Sinne der NAK. Schliesslich sind die Kirchenverkäufe symptomatisch für ihre sinkenden Mitgliederzahlen. Während die NAK-Verwaltung im Dezember gegenüber dieser Zeitung einen generellen Mitgliederschwund noch verneinte, räumt Grossglauser nun ein: «Die Zahl der aktiven Mitglieder nimmt ab.» Das sei aber, fügt er hinzu, nicht anders als bei den Landeskirchen: «Es ist einfach ein gesellschaftliches Phänomen.» Momentan zählt die NAK in der Schweiz an die 200 Gemeinden mit 35000 Mitgliedern. Rund 20 Kirchen befinden sich im Kanton Bern, unter anderem in Zollikofen, Burgdorf oder Lyss. Diese Kirchen sollen im Dorf bleiben – Grossglauser: «Zurzeit stehen in der Region Bern keine weiteren Verkäufe an.»Annatina Foppa>

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