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Prozess gegen den Ex-Molkerei-Chef

Gstaad/ThunJetzt beginnt in Thun die Gerichtsverhandlung über die falsche Alp- respektive Bergkäselieferung der Molkerei Gstaad an die Migros. Nebst der Falschlieferung wird dem

Im Frühling 2007 wurde publik, dass die Molkerei Gstaad der Migros Aare im 2006 falsch deklarierten Käse geliefert haben soll (wir berichteten). Acht Tonnen des billigeren, in der Molkerei Gstaad hergestellten Bergkäses soll als teurerer, auf der Alp, in Sömmerungsgebieten, hergestellter AOC-Alpkäse verkauft worden sein. Der mögliche Schwindel wurde durch den Kantonschemiker aufgedeckt, der durch seine Anzeige eine strafrechtliche Untersuchung auslöste. Der damalige Geschäftsführer der Milchgenossenschaft Gstaad, Hanspeter Reust, hatte die volle Verantwortung für die Falschlieferung übernommen, jedoch beteuert, dass es sich weder um einen «handfesten Beschiss» noch um einen «absichtlichen Betrug» handle. Es sei vielmehr ein Versehen gewesen, da die Alp- und Bergkäselaibe denselben Durchmesser, dieselbe Höhe und dasselbe Gewicht haben könnten. Die Schuld wurde von der Molkerei Gstaad zum Käsereifungslager in Gstaad-Grund und zurück zur Milchgenossenschaft Gstaad geschoben. Einmal sollen die Etiketten bewusst nicht angebracht worden sein, ein anderes Mal sei bei der Herausgabe des Käses etwas falsch gelaufen. Hanspeter Reust blieb derweil Geschäftsführer, bis die Migros Aare drohte, die Zusammenarbeit mit der Milchgenossenschaft Gstaad vollständig zu beenden. 2007 trat der Geschäftsführer zurück. Für die Voruntersuchung des Falles, die von Juni 2008 bis September 2009 lief, wurden für die Beweisbeschaffung vier Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei wurden mehrere Ordner beschlagnahmt. In den Voruntersuchungen stiessen die Ermittlungsbehörden zusätzlich auf unklare Zahlungsvorgänge, die erst durch die «Käseaffäre» ans Tageslicht gekommen sind. Es ist untersucht worden, ob und inwieweit sich der damalige Geschäftsführer unrechtmässig Geldbeträge angeeignet haben könnte. Fünf der sechs Anklagepunkte drehen sich nun auch um die unklaren Zahlungsvorgänge und lediglich einer um die falsche Käselieferung. Bei den unklaren Zahlungsvorgängen wird ebenfalls die Ehefrau von Hanspeter Reust angeschuldigt. Die Ergebnisse der Voruntersuchungen führten zur Weiterleitung an das Gericht. Es wird angenommen, dass Hanspeter Reust vorsätzlich gehandelt hat, was dieser zu jeder Zeit bestritt und noch bestreitet. Von nächstem Dienstag bis kommenden Freitag muss sich der Gstaader Fachmann nun vor dem Gericht in Thun verantworten. Der Verhandlungsgegenstand lautet auf mehrfach begangenen Betrug, qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung und eventuell Veruntreuung. Luzia Kunz>

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