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Schule des Faschismus

Schlachthaus-Theater Rabenschwarze Botschaften aus «Germösststurmkampf»: Die israelische Theatertruppe «Flüffenbach und Zufenhaim» ist mit der verrückten Satireshow «Neukunstlernen» zu Gast im Schlachthaus-Theater.

Ordnung! Disziplin! Patriotismus! Nirgends werden diese Tugenden so vorbildlich kultiviert wie in «Germösststurmkampf», einer kleinen Kolonie in den Bergen Europas. Und weil es mit diesen Werten – trotz Wahlkampf – hierzulande noch etwas hapert, sind sie nun in die Schweiz gekommen, um uns auf den rechten Weg zu führen: die Herren Flüffenbach und Zufenheim (mit Stiefeln und gestutztem Oberlippenbärtchen), dazu eine fünfköpfige Delegation des Aussenministeriums: Wagina (toupiertes Haar, High Heels und karierter Kurzrock), Gross (mit Klopapierrolle am Bund), Entschuldigen (Hosenträger und Riesenbrille), dazu Dreidreich (Pilotenmütze) und Musiker Wagner (oben Frack, unten Leggings). Bevor die Stechschritt-Delegation mit ihrem «Umerziehungskurs» beginnt, wird das Publikum im Schlachthaus-Keller von einem zackigen Mädel mit Geschichte und Gegenwart von «Germösststurmkampf» vertraut gemacht. Die Jungreferentin mit adrett gezöpfeltem Haar spricht Berndeutsch. Dies ganz im Gegensatz zu Vlüffenbach, Zufenheim und Konsorten: deren sechsteiliger Workshop in Nationalgeist, Disziplin und autoritärer Führung wird in einer bizarren Kunstsprache abgehalten, einer Mischung aus Englisch, Jiddisch und Hebräisch (mit vielen deutschen Lehnwörtern). «We’re google maximus schpitz», heisst etwa: «wir suchen die allerbesten». «Kaker» bedeutet schlecht, «kibuzen» das Zusammensein und «Kümsizusammen» das Zusammensingen. Letzteres wird an diesem Abend intensiv gepflegt, genauso wie Ringelreihen. Zudem sind Schiesslektionen («Achtüngsmacht»), Übungen in Vertrauen und Gehorsam («Herzelschprechzel») angesagt. Nicht nur die Botschaften sind fortschrittlich, auch die Vermittlungsformen: Immer wieder wird die Unterichtsshow durch den unfreiwilligen Einbezug von Zuschauern interaktiv belebt. Lange folgt man der Berner Adaption dieser bitterbösen, akkurat durchchoreografierten Erfolgsproduktion aus Tel Aviv (ein «Bund Berner Mädel» inbegriffen) mit einer Mischung aus Amüsement und Unbehagen. Erst gegen Ende, als sich die Beteiligten bei Wurst und Sauerkraut in die Haare geraten (Lektion 6: «Essenfressen»), verliert die Inszenierung an Schwung und Raffinesse, verdämmert in der Absurdität. mei;Weitere Vorstellungen: heute Sa (20.30 Uhr), So (18 Uhr) und Di (20.30 Uhr), Schlachthaus-Theater. www.schlachthaus.ch>

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