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Steuern die Steuern die Wohnortwahl?

einkommenEine CS-Studie zeigt, dass den Haushalten

Gemeinden, die für Spitzenverdiener finanziell attraktiv sein wollen, müssen auf die Höhe der Steuerbelastung achten – im Kanton Bern ganz besonders. Diesen Schluss legen die einzigartig detaillierten Daten nahe, die der Studie zugrunde liegen, in welcher Ökonomen der Credit Suisse (CS) vorrechnen, wie viel Geld den Haushalten in den Schweizer Gemeinden vom Einkommen übrig bleibt – nach Abzug aller Zwangsabgaben (wie Steuern) und Fixkosten (fürs Wohnen etwa). Auf den ersten Blick bestätigt die Studie, dass die Steuerbelastung gar nicht so wichtig ist: Sie scheint auch bei rein finanzieller Betrachtung der Standortgunst nur ein Faktor unter vielen zu sein und dabei nicht einmal der wichtigste. Nur eine Nebensache? So haben Haushalte gerade in Steuerparadiesen wie Zug oder auch Muri besonders wenig Geld zum Konsumieren oder Sparen, da ihre Wohnkosten sehr hoch sind. Ist also die Steueranlage nur eine Nebensache – wird die Frage der Steuerbelastung von Politik, Ratings und Medien unnötigerweise hochgespielt? Teures Pflaster Muri Nicht unbedingt, wie eine kleine inner-bernische Auswertung der CS-Studie zeigt, die die Autoren auf Anfrage vorgenommen haben. Grob gesagt gilt: Je höher das Einkommen, desto wichtiger ist die Steuerbelastung. Da Einkommen progressiv besteuert werden, ist die «Steuerersparnis» in einer Gemeinde mit tiefem Steuerfuss irgendwann so gross, dass auch die höchsten Wohnkosten kompensiert werden. Das gilt sogar im krassen Fall von Muri. Allerdings muss das Einkommen schon sehr hoch sein, damit sich dieses teure Pflaster als Wohnort finanziell lohnt. Unser Modellhaushalt (siehe Tabelle) hat erst ab Einkommen von rund 390000 Franken in Muri mehr Geld zur Verfügung als in der Nachbargemeinde Worb, wo die Wohnkosten markant tiefer sind. Ab etwa derselben Grenze überholt Muri auch die periphere Gemeinde Trub, deren Wohnkosten zu den tiefsten im Land gehören. Schon ab Einkommen von 285000 Franken «schlägt» Muri die Stadt Bern, die ebenfalls hohe Wohnkosten aufweist. Dass Familien mit so hohen Einkommen in Muri besser fahren, liegt allein an der Steueranlage von 0,99 (Bern 1,54, Worb 1,6, Trub 1,89). Auch die Tabelle zeigt, dass die Abstände zwischen Muri und den anderen Gemeinden mit der Höhe des Einkommens abnehmen. Es gibt zudem zwei Trostpflaster für alle, die heute in Muri leben, obwohl sie gar nicht so viel verdienen, dass sich dies laut der Studie lohnen würde: Wenn sie ihr Einkommen erhöhen, bleibt dank der tieferen Steuerbelastung in jedem Fall mehr übrig als in den anderen Gemeinden. Zudem geht die CS-Studie bei den Wohnkosten davon aus, dass die Haushalte heute ein neues Objekt kaufen oder mieten; wer also in Muri in einer älteren Liegenschaft wohnt, hat tiefere Wohnkosten und kann eher vom relativ milden Steuerklima profitieren. Steuergünstige Nachbarn Aus all dem kann man schliessen, dass für die Mehrzahl der Haushalte die finanzielle Attraktivität einer Gemeinde eher von den Wohnkosten abhängt als von der Steuerbelastung. Hingegen kommen Gemeinden, die für Spitzenverdiener attraktiv sein wollen, nicht darum herum, die Steueranlage tief zu halten. Das gilt vor allem im Vergleich mit nahe gelegenen Gemeinden in Nachbarkantonen wie Aargau, Freiburg, Solothurn oder Luzern. Die bernischen Kantonssteuern sind hoch und machen mit einem Steuerfuss von 3,06 einen ausserordentlich grossen Teil der gesamten Steuerbelastung aus; da muss eine Berner Gemeinde schon einen sehr tiefen Steuerfuss festlegen, um im interkantonalen Vergleich für höhere Einkommen interessant zu sein. Dazu kommt, dass die Kantons- und Gemeindepolitik keinen finanziellen Standortfaktor so einfach und direkt beeinflussen kann wie die Steuerbelastung. Fabian Schäfer>

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