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Trauer und Wut bei den Angehörigen

Rosenskulpturen, ein Engel oder ein weihnächtliches Gesteck – was nicht niet- und nagelfest auf Gräbern steht, ist in Gefahr. Denn die Grabdiebstähle gehören heute zum Alltag. Zurück bleiben Trauer und Wut bei den Bestohlenen.

Sprach- und hilflos sei sie jeweils, wenn sie von einem Grabdiebstahl höre. Marlis Schnyder, Leiterin der Stadtgärtnerei und des Stadtfriedhofs Thun, sieht sich öfters mit dem leidigen Thema konfrontiert. «Vor allem in der Adventszeit nehmen die Diebstähle zu. Da verschwinden auf Gräbern Laternen oder Figuren», weiss sie und fügt an: «Ich kann den Schmerz der Angehörigen verstehen, die ihre Gräber mit viel Liebe pflegen.» Pietätloses Verhalten «Das ist ein Problem der heutigen Gesellschaft. Egal, ob Jung oder Alt – der Respekt vor der Ruhestätte und die Unterscheidung, was ist mein und was ist dein, wird nicht mehr gemacht», hat Schnyder festgestellt. «Wer eine Grabvase entwendet, müsste dafür im Geschäft zwischen zwei bis zehn Franken ausgeben. Am Geld kanns also nicht liegen», vermutet die Gärtnerin. «Man bedient sich an fremden Gräbern, weil man den gesuchten Gegenstand gerade nicht zur Hand hat.» Trauer und Wut Grabdiebstähle sind schweizweit ein Thema. In dieser Zeitung erscheinen SMS oder Leserbriefe, die Diebstähle auf dem Friedhof beklagen, regelmässig. Aus den Texten spricht Trauer, Wut und Ratlosigkeit. So wie jenes SMS, das Ende November erschien: «Die Person, wo sitt däm Jahr alles vom Grab Irmgard Kraus in Oberburg chlauet, spar dir dr Wäg zum Friedhof. Mir tüe nümme druf.» Oder der «Absteller» von Liselotte Antonia Steffen und ihrem Vater Peter Aebischer, der unter dem Titel «Pietätloser Diebstahl» erschienen ist. «Ich hätte laut losheulen können, als ich den Diebstahl der fünf Rosen aus Eisen auf dem Grab meiner Mutter entdeckte», sagt die Steffisburgerin. «Du stehst da und denkst, das Ganze sei doch nicht möglich.» Reaktionen auf ihren Leserbrief hätten sie unzählige erhalten; doch die Rosen im Wert von gut 250 Franken bleiben verschwunden. Trotz des Aufrufs im Leserbrief vom 18. November: «Ob wir darauf hoffen dürfen, dass doch noch ein winziges Fünkchen Charakter dem Dieb/der Diebin erlaubt, die entwendeten Rosen zurückzubringen? Wir wären darüber sehr glücklich!» Hohe Dunkelziffer Liselotte Antonia Steffen hat festgestellt, dass während der Wintermonate die Diebstähle auf Friedhöfen begünstigt werden. «Auf dem Steffisburger Eichfeld-Friedhof kennen sich die Besucher. Da im Sommer viele Leute an die Grabstätten ihrer Lieben kommen, ist es schwieriger, Dinge zu entwenden.» Dennoch gehörten in Steffisburg Löcher von ausgegrabenen Pflanzen zum Alltag. «Gestecke oder Pflanzen werden bei uns seltener geklaut als Gegenstände», weiss Marlis Schnyder in Bezug auf die städtischen Friedhöfe. Über Zahlen, wie oft solche Diebstähle vorkommen und in welchem finanziellen Rahmen sich diese bewegen, verfügt die Stadt nicht. «Da müssten wir einmal Buch führen über alle gemeldeten Vorfälle. Aber selbst dann wäre die Dunkelziffer hoch, denn wir erfahren längst nicht von jedem Diebstahl», sagt Schnyder. Patrouillen helfen bedingt Ein probates Mittel gegen die leidigen Grabdiebstähle gebe es kaum. «Friedhöfe sind nur wenig beleuchtet und auch abends zugänglich», schildert die Leiterin des Thuner Stadtfriedhofs die Problematik. Immerhin sei die Polizei bereit, regelmässiger Patrouillen durchzuführen. «Aber natürlich entwendet niemand etwas, wenn zwei Polizisten in Sichtweite sind.» Und die Friedhofsbesucher anzureden, um in Erfahrung zu bringen, was sie an diesem oder jenem Grab zu suchen hätten, sei auch nicht angebracht. «Wenn Friedhofsbesucher ihre Taschen unbeaufsichtigt am Grab oder beim Fahrrad stehen lassen, kommen Diebstähle leider immer mal vor», weiss Schnyder. Dann schalte sie die Polizei ein. Für Liselotte Antonia Steffen ist klar: «Trotz dieses pietätlosen Diebstahls werden wir das Grab meiner Mutter weiterhin schmücken. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Diebe von ihrem schlechten Gewissen geplagt werden und ihr Verhalten gründlich überdenken.» HeinerikaEggermann Dummermuth >

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