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Velos und Offroader im Dschungel

Schwarz-Weiss-Denken ist befreiend, wenigstens für den Berner Stadtrat: Er lebte beim Schlagabtausch über das Velofahren im Wald richtig auf. Alle gerieten in Fahrt – bis die Zählanlage eine Panne hatte.

Jetzt gilt die freie Fahrt für Velos auch im Wald, und die Fussgänger bleiben auf der Strecke», lamentiert FDP-Kirchenfeld-Politikerin Dolores Dana am Donnerstagabend. Reicht es nicht, dass Fussgänger in Bern auf dem Bürgersteig nicht mehr sicher sind? Muss denn auch die Oase im Stadtwald unter die Räder kommen? Dana will deshalb das neue kantonale Recht in Bern einschränken: sprich, mindestens im Dählhölzliwald hätten Velofahrer auch weiterhin nichts verloren, schlägt sie dem Stadtrat vor. Da hat sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. SP-Veloturbo Beat Zobrist schimpft: «Wieder einmal eine Veloschelte – diesmal im Wald!» Und redet sich warm: «Jetzt will die FDP mehr Verbote, und erst noch dringlich.» Für Uneingeweihte: Der Freisinn vertritt ein Weltbild der Selbstkontrolle, in das der Staat nur dezent einzugreifen hat. Zobrist selber ist Jogger im Dählhölzliwald. «Das Problem mit den Velofahrern ist mir unbekannt.» Falls die FDP im Stadtrat scheitern sollte, könne sie ja wieder einmal im Grossen Rat eine Sonderregelung für die Stadt erwirken, wie jüngst bei den Betreuungsgutscheinen, frotzelt er. Das nötigt Roland Jakob ans Rednerpult. Ganz ausgleichende Kraft im Ratssaal – eine neu entdeckte Rolle der SVP seit der Wegbeförderung von Erich Hess –, beschwichtigt er: «Mitdenken, mithelfen und nicht dumme Sprüche klopfen; das wäre das Ziel.» Doch Mitmotionär Christoph Zimmerli juckt es unter den Fingernägeln: «Der Vorstoss stammt übrigens nicht von einem Offroaderfahrer, sondern von einem bekennenden Velofahrer.» Sein Coming-out beeindruckt Rot-Grün wenig. Die Liberalen in Verbotslaune ernten schele Blicke von der Ratshälfte, die links von ihnen sitzt. Und nicht nur das: Beim Abstimmen macht auch die Zählanlage nicht mehr mit und quittiert den Dienst. Da zieht Dolores Dana kurzerhand den verbleibenden Punkt drei des Vorstosses zurück. «Aus Effizienzgründen», wie sie sagt. Und findet damit wieder zu einem freisinnigen Weltbild zurück. Christoph Aebischer>

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