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Virtuos, stimmig, schräg: Österreichisch eben

Interfolk-Abendgala als Höhepunkt im Kursaal Interlaken.

Es regnet. Die Nullgradgrenze ist wenig über dem Hardermanndli, der Kursaalparkplatz ist bis auf den letzten Platz belegt. Da muss was los sein. Die Interlakner Interfolkmacher haben eine feine Nase gehabt; und ob, der Samstagabend wird ein Erfolg. Bis Reihe 27 – sie ist die hinterste in der Konzerthalle – lauschen alle mäuschenstill den feinen Klängen der «Musique Grandig». Fast wirken die vier Musiker mit «jenischem Flair» auf der grossen Bühne etwas verloren. Doch ihr feines, virtuoses Spiel füllt den weiten Saal bis in die letzte Ecke. Sepp Mühlhauser, Hardy und Peter Mischler und Bruno Remy – er ist neu zum Team gestossen – sind es gewohnt, vor grossem Publikum zu spielen. Selbstsicher und doch mit einer Spur Melancholie entlocken sie dem Schwyzerörgeli ungewohnte Harmonien. «Es tönt halt alls e chli jenische», sagt Bruno Remy schmunzelnd. Noch trägt er kein besticktes Hemd wie seine Musikkollegen, doch es ist bestellt. Dunkel liegt der Saal, rotes Licht schimmert verrucht vom Casino her durch die Glaswand. Langsam wird es unruhig im Publikum, verhaltenes Klatschen weicht der Grabesruhe. Und da, unerwartet, tanzt ein «Bi-Ba-Butzemann» im Kreis herum. Zusammen mit einer weissen Katze als Begleiter machen sie den Anfang. Man ahnt, da wird wohl kaum ein Blasmusikkonzert mit üblicher Bestuhlung, Notenständern, Dirigentenstock zu erwarten sein. Doch der stille, mystische Zauber ist bald verflogen. Mit Posaunen und Trompeten – als ob der Jüngste Tag oder die letzte Nacht angebrochen wäre –, schrecklich grausam, schräg und unsagbar schön treten die sieben gestandenen Musiker ins gleissende Licht. Sieben Österreicher, Wiener, jeder ein Unikum mit einem Gesicht, einer Visage, die wir glauben aus einem Donau-‹«Tatort»-Verschnitt her zu kennen. Wahnsinnsbläser – Entschuldigung, so stehts im Prospekt –, Musiker mit einer Energie, einer Perfektion, Musikalität, die einmalig in ihrer Art ist: Mnozil Brass. Jetzt erst habe ich begriffen: Die weisse Katze hat doch etwas mit James Bond, mit «Blofeld», dem Bösewicht, zu tun. Die Melodie hat mich darauf gebracht. Sie leiht der neuen Konzertshow auch ihren Namen «Blofeld». Doch dies ist erst der Anfang, was die vielen Blasmusikfreunde zu hören bekommen und über sich ergehen lassen dürfen. Viele von ihnen spielen selber in einer Brass Band, einer Harmonie. Sie werden sicher die eine oder andere Idee mitnehmen und beim nächsten Konzert im Kirchgemeindehaus oder in der Turnhalle auf die Bühne bringen. Doch der Weg zu einer solchen Show, wie es die Österreicher auf genial verspielte Art herzeigen, ist lang. Neunzehn Jahre sind es bei der Mnozil Brass. Seither reisen sie um die weite Welt. Im Gepäck ihre Instrumente und die weisse Plüschkatze. Eine Verstärkeranlage haben sie nicht dabei, ihr Ansatz und die enorme Kraft reichen für jede Konzerthalle aus. Es braucht etwas Zeit, sich vom österreichischen Feuerwerk zu erholen. Wer es schneller schafft, findet Platz in der heimeligen Umgebung des «Spychers». Passend dazu die echte Bündner Volksmusik der Kapelle Oberalp. Urchig und sanft klingt der Abend aus bei einem Tänzchen oder einem Bierchen Und mit «Oberalp» beginnt der Sonntagmorgen auf dem Harder. Die Kapelle und ihre Fans sind kaum ausgeschlafen, die Nebelschwaden haben sich verzogen, kalt aber klar kündet sich ein prächtiger Herbsttag an. Der Altweibersommer ist endgültig vorbei, jetzt sind die jungen «Wyber», Willi Valottis Wyber-Kapelle, am Zug. «Das Panoramarestaurant auf dem Harder ist bis zum letzten Stuhl besetzt, Familien, Harder-Freunde aus dem Bödeli und Liebhaber echter Volksmusik – angereist aus der ganzen Schweiz – geniessen den musikalischen Zmorge», meldet Beat Wirth vom Hausberg hoch über Interlaken. Als Präsident freut er sich über den schönen, würdigen Abschluss des Festivals. Es scheint, dass Petrus doch noch ein Auge zugedrückt und ein Fenster voll Aussicht gespendet hat. Peter Wenger>

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