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Weg zum künstlichen Hüftgelenk

Sportarzt Rolf Hess erläuterte bei einem Referat in Thun die enorme Entwicklung der künstlichen Hüftgelenke in den letzten Jahrhunderten. Begonnen hat alles mit einem Holzbein, heute werden Kunststoffimplantate verwendet.

Der Anlass der Staatsbürgerlichen Gesellschaft (Stabü) Thun-Oberland stiess auf enormes Interesse. Um die 150 Gäste wollten sich im Spital Thun über die Entwicklung in der Hüftendoprothetik informieren. Chefarzt Orthopädie der Spital Thun Simmental AG (STS AG) und Sportarzt (unter anderem Teamarzt FC Thun) Rolf Hess beeindruckte sie mit seinem fundierten Fachwissen und den beachtlichen Fortschritten in der Forschung, welche, wie er erklärte, nicht stillstehe. Wegbereiter Paré Bereits Hippokrates von Kos befasste sich mit der angeborenen Dysplasie. Als Wegbereiter der modernen Chirurgie gilt der um 1510 in Frankreich geborene Ambroise Paré. Als Militärchirurg begann er auf den Schlachtfeldern, mit barbarischen Methoden Gliedmassen zu amputieren. Es gab weder Anästhesie noch Sterilität. Zum Abtöten von «vergiftetem» Gewebe setzte er das Gluteisen ein oder übergoss die Wunde mit siedendem Öl. In Zusammenarbeit mit einem kunstfertigen Schmid wurden künstliche Gliedmassen angefertigt. Im Mittelalter bestand die orthopädische Versorgung meist aus einem Holzbein. Die moderne Chirurgie Bedeutend für die moderne Orthopädie waren Narkose, Asepsis und Röntgenstrahlen. Dabei ist die Entwicklung nie stillgestanden. «In den letzten 70 Jahren wurde der Markt von neueren Hüftgelenken überschwemmt. Es geht ja nicht nur um Forschung, es ist auch ein Wirtschaftszweig. Doch nicht alles, was auf den Markt kam, war gut», sagte Rolf Hess. Da die Menschen heute immer älter würden, müssten immer öfter Gelenke ersetzt werden. Der natürliche Gelenkknorpel wachse nicht nach und habe eine anatomische Lebensdauer von rund 60 Jahren. Daher sei Arthrose kaum zu vermeiden, sagte er. «Wir implantieren in Thun rund 500 Hüftgelenke im Jahr und sind damit an oberster Stelle im Kanton Bern. Das ist ein Vorteil, denn eine Hüftoperation braucht Übung und muss für den Chirurgen ein Routineeingriff sein», führte der Spezialist aus. Heute werden die künstlichen Hüftgelenke entweder einzementiert oder mit einer Pressfit-Pfanne eingesetzt. Die grösste Herausforderung liegt in der Verwendung der Materialien von Gelenkpfanne und Gelenkkopf. «Ideal von der Abnutzung her wäre Keramik, hat aber den Nachteil, dass es brechen kann. Zudem kann das Aufeinanderreiben von Keramikpfanne und -kopf zu Geräuschen führen», erklärte Hess. Neben Titan und Keramik werden heute oft Polyethylen und auch Metall verwendet. Ein künstliches Hüftgelenk halte zwischen 15 und 25 Jahre, das sei ermutigend, sagte er. Kein Ende der Entwicklung Die Entwicklung gehe weiter und werde nie enden. Das navigierte Operieren sei sicher hilfreich und zukunftsweisend, aber noch nicht ausgereift, ebenso das Resurfacing, bei welchem eine Kunststoffkappe über das Gelenk gestülpt wird. In Zukunft wolle man sich vermehrt der genetischen Gelenkerhaltungschirurgie widmen, stellte Hess die Zukunftsaussichten vor. Verena Holzer >

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