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Weisswaren und Schmutzwäsche

Zwischen der Conforama SA und einer fristlos freigestellten Angestellten der Lyssacher Filiale kommt es zum Prozess. Die Firma schlug eine aussergerichtliche Einigung aus. Sie hätte dafür 12000 Franken zahlen müssen.

Die Türe zu einem Vergleich stand offen: Vor dem Burgdorfer Zivilgericht sagte gestern Morgen der Fürsprecher der Klägerin, wenn die Conforama SA ihrer früheren Mitarbeiterin 12000 Franken bezahle, sei der Fall vom Tisch. Die Anwältin des Unternehmens schlug das Angebot aus. Weil die Klägerin auf TeleBärn letzte Woche massive Vorwürfe gegen den Geschäftsführer der Lyssacher Conforama-Filiale und damit auch gegen die Firma erhoben habe, lehne sie eine aussergerichtliche Einigung ab. Bei der Klägerin handelt es sich um eine Frau mittleren Alters, die bis im März 2009 als Verkäuferin in dem Möbel- und Warenhaus an der Lyssacher Einkaufsmeile beschäftigt war. Dann wurde das Arbeitsverhältnis von ihrem Chef abrupt aufgelöst. Mehr Reize, mehr Umsatz Die Arbeit in der Weisswarenabteilung sei oft «die Hölle» gewesen, sagte die Frau. Der Vorgesetzte habe Pausengespräche und Mittagessen mit Kolleginnen verboten. Und von ihr verlangt, mehr Kreditverkäufe zu tätigen. Diesem Wunsch wollte sie nicht nachkommen: «Ich hatte Skrupel, den jungen Leuten Waren auf Kredit anzudrehen.» Weiter habe ihr der Chef geraten, «mit meinen Reizen zu spielen», um die Umsätze anzukurbeln. Als ihr eine Kollegin von sexuellen Übergriffen des Geschäftsführers erzählte und nachdem ihr zwei weitere Mitarbeiterinnen Ähnliches geschildert hatten, habe sie gedacht: «Jetzt längts.» Vor die Türe gestellt Mit einem Brief orientierte sie die oberste Conforama-Etage über die angeblichen Vorfälle. Kaum sei das Schreiben in der Zentrale angekommen, habe sie der Filialleiter in sein Büro zitiert und fristlos von allen Aufgaben entbunden. Zwei Männer hätten sie nach draussen geführt und ihr gesagt, sie brauche sich im Conforama nie mehr blicken zu lassen. Die vermeintlichen Übergriffe wurden juristisch nie geahndet. Zwei Mitarbeiterinnen zeigten ihren Chef zwar wegen sexueller Belästigungen an. Doch das eine Verfahren wurde mangels Beweisen eingestellt. Das andere endete mit einem Vergleich. In beiden Fällen zahlte der Beschuldigte den Klägerinnen Geld in unbekannter Höhe. Nichts gegen den Chef Der angeprangerte Geschäftsleiter führt den Betrieb in Lyssach nach wie vor. Eine interne Untersuchung habe nichts zutage gefördert, was seine Entlassung gerechtfertigt hätte, sagte der für die Deutschschweiz zuständige Conforama-Direktor. Die Vorwürfe der Ex-Angestellten wies er zurück. Die Frau sei freigestellt worden, weil ihre Leistung nicht gestimmt und sie menschliche Defizite gehabt habe. Im Februar 2009 sei ihr bei einem Mitarbeitergespräch klargemacht worden, dass sie sich arbeitstechnisch und engagementmässig steigern müsse, wenn sie nicht einen Rausschmiss riskieren wolle. Weil Wochen später keine Fortschritte zu erkennen gewesen seien, habe der Filialleiter entschieden, die Frau zu entlassen. Die sofortige Freistellung sei erfolgt, weil man der Gekündigten die Gelegenheit geben wollte, sich möglichst schnell nach einem neuen Job umzusehen, behauptete die Conforama-Führung in einer Stellungnahme zuhanden des Burgdorfer Zivilgerichts. Jetzt sind Zeugen gefragt Welche Partei die Wahrheit sagt, konnte Richter Peter Urech gestern nicht herausfinden. Für die nächste Verhandlungsrunde wird er Zeuginnen und Zeugen – darunter den Filialleiter – aufbieten in der Hoffnung, Licht ins Dunkel dieses Arbeitsstreites zu bringen. Damit, dass der Prozess noch in diesem Jahr fortgesetzt werde, sei allerdings nicht zu rechnen, sagte Urech. Johannes Hofstetter>

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