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Wenn das Glück besoffen macht

«Glücksbsoffe». Das Wort, das es so gar nicht gibt, fand im Song «Black Cadillac» Unterschlupf. Es ist eine von Testosteron strotzende Nummer mit treibendem 16-Zylinder-Refrain. Eine, die für das ultimative (oder vermeintliche?) Glück eines jeden Mannes steht: In einer protzig-edlen Karosse lächelnd an den neidvoll Staunenden vorbeibrausen. Und lässig abhebenins Universum. Aber eben: So hoch hinaus gehts nur selten im Leben. Darum sind die «glücksbesoffenen» Momente auf dem gleichnamigen zweiten Solegx-Album nicht allgegenwärtig. Und da sich auch die bittersüsse Alltagsmelancholie genüsslich breit macht, wird in den zwölf Texten nur bedingt abgehoben. Was aber irgendwie passt. Denn die Mundartrocker mit Wurzeln in Wimmis und Reutigen sind auf dem Boden geblieben. Der Erstling «Startklar», der 2005 bei Phonag Records erschienen ist, katapultierte die fünf Oberländer nicht in höhere Musiksphären. Gelandet wurde immerhin ein Achtungserfolg – auch dank der Wohlfühl-Nummer «Dr Tag fat a», die von DRS 3 und Lokalradios gerne und oft gespielt wurde. «Wir hatten einfach keinen Brüllerhit», sagt Solegx-Sänger Dani Zurbrügg. Kein zündendes «Ufo», wie es Plüsch unter anderem zum kometenhaften Aufstieg verhalf. Dem Bänz sei Dank Die samtweichen Bödeler spielen in der Solegx-Bandgeschichte eine Rolle. In knapp 15 Jahren (und 150 Konzerten) stand das Quintett nicht nur mit Gölä oder Sandee auf der Bühne, sondern eben auch mit Plüsch. Die Erfolgsband hat indirekt auch bewirkt, dass sich die neue Solegx-CD «Glücksbsoffe» nennt. Bänz Friedli, seines Zeichens bekannter Musikkritiker, kreierte das Wort vor Jahren, um den Plüsch-Sound zu be- oder verurteilen. Die CD-Kritik ward auch von Solegx gelesen. «Glücksbsoffe, das Wort hat uns einfach nicht mehr losgelassen», sagt Zurbrügg. Bei Solegx ist heute vieles anders als noch anno 2005, als die Zeichen auf «Startklar» standen. So wurde musikalischer Ballast, der auf der Bühne nicht 1:1 nachgespielt werden konnte, über Bord geworfen. Ohne Blas- oder Streichinstrumente dringt der Mundartsound entschlackter, rockiger, direkter ins Ohr. Da gibt es noch Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang. Basta! Komponiert wurde das Aufgenommene in den letzten zwei Jahren. Support bei den Aufnahmen gab es aus der Heimat: Oli Maier und Reto Iseli von der Progrock-Band Cosmos standen Solegx mit Rat, Tat und einem offenen Ohr zur Seite. Der Weg ohne Plattenfirma Die fünf Jungs, seit 1995 immer noch in der Urbesetzung unterwegs, «wirken authentisch und erwachsen». So ist es in der Promo zu lesen. Und: «Als Erwachsener lässt man sich nicht mehr gerne alles vorschreiben. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb Solegx einen Weg ohne Plattenfirma gewählt haben.» Dani Zurbrügg klärt auf: «Wir hatten bei Phonag einen Vertrag für eine CD mit weiteren Optionen. Doch dann wurde die Firma verkauft. Für Bands wie uns gab es keinen Platz mehr – ein Zeichen für den serbelnden Musikmarkt.» Für einen Vertrag müsse man sich heute prostituieren, wozu sie nicht mehr bereit gewesen seien, sagt er. «Wir sind keine 18 mehr!» Trotzdem darf das Kind im Manne leben: Für das Coverfoto von «Glücksbsoffe» hüpfte die Band im FMT-Wohnmarkt Heimberg kurzerhand in den Ballpool. Die Bilder zum ersten Album waren dagegen in der stilvollen Zürcher Uni-Bibliothek entstanden Das neue Werk ist seit Samstag erhältlich. Vorerst bei Zig-Zag-Records Thun, www.cede.ch oder über www.solegx.ch. Die Single «Uf dr Suechi» hat bereits den Weg in die DRS 3-Playlist gefunden. So richtig loslegen werden Solegx am 6. März , wenn die CD in der Alten Taverne zu Adelboden getauft wird. Was macht eigentlich die Band «glücksbsoffe»? «Gueti Musig!», sagt Dani Zurbrügg flugs. Solche gibt es auf dem schmissigen Solegx-Silberling. Trotz des hochprozentigen Titels kann die CD ohne Nebenwirkungen im Auto gehört werden. Ganz besonders «glücksbsoffe» wohl in einem schwarzen Cadillac. Jürg Spielmann •www.solegx.ch>

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