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Zum Glück kam «Lothar» schon am Morgen dahergebraust

Die Bilder mit dem Haus hinter den umgestürzten Tannen erregten Aufsehen. Dabei kam die «Moosegg» glimpflich davon: Die Schäden hätten sich in engen Grenzen gehalten, sagen die Wirtsleute zehn Jahre nach dem Orkan «Lothar».

Vom Orkan, der zu Hause auf der Moosegg derart wütete, bekam Daniel Lehmann vorerst rein gar nichts mit. Wer wollte es ihm verargen: Es war der 26.Dezember und noch immer weihnächtliche Festzeit. In Zermatt, wo er als junger Koch fernab des elterlichen Hotel-Restaurants neue Erfahrungen sammelte, gab es alle Hände voll zu tun. Dazu kam, dass im Walliser Kurort an diesem zweiten Weihnachtstag des Jahres 1999 nur ein mässig starker Wind ging. So vergingen ein oder zwei Tage, bis ihm der Chef eine Zeitung unter die Nase hielt und fragte: «Du bist doch aus dem Emmental. Kennst du dieses Gebäude?» Daniel Lehmann schaute genau hin, sah ein Haus und umgestürzte Tannen, die Fassade und Dach getroffen hatten – und erschrak. «Ja, hier bin ich daheim.» Der Hund war komisch Seine Mutter Katherine Fasnacht erlebte unterdessen weit aufregendere Momente. Schon bevor «Lothar», wie der Sturm später getauft wurde, mit voller Wucht dahergebraust kam, fiel ihr auf, dass etwas nicht stimmen konnte. Die «Moosegg»-Wirtin führte ihren Hund spazieren und merkte, «dass er nervös und komisch war». Er müsse das nahende Unheil gespürt haben, erinnert sie sich heute, zehn Jahre später, an diesen denkwürdigen Morgen. Wie in Puerto Rico Kaum war sie zurück, ging es auch schon los. Zuerst pfiff der Wind heftig, dann fing ein Poltern an, wie wenn im Wald gleich jenseits der Strasse die Holzer am Werk gewesen wären. Zwanzig, dreissig Minuten ging das so, «ich habe den Lärm noch heute im Ohr», erzählt Katherine Fasnacht. Sofort ging sie durchs Haus und schloss, wo immer möglich, die Fensterläden. Sie tat dies automatisch, «denn in meiner karibischen Heimat Puerto Rico handelt man bei einem Hurrikan genau gleich». In der Gaststube sassen zu der Zeit nur ein paar Einheimische. Auch diese Runde sieht die Wirtin noch vor sich, «als ob es gestern gewesen wäre». Die Männer tranken ihren Apéro, und als das Gröbste vorbei war und sich der Erste auf den Heimweg machte, beschlich sie plötzlich ein mulmiges Gefühl. Ob ein Marsch durch einen derart zerzausten Wald nicht viel zu gefährlich war? Ob vielleicht sogar noch jemand unterwegs gewesen war, als der Sturm losging? Und nun irgendwo unter einem Baum begraben lag? Silvester in Langnau Die Ängste bewahrheiteten sich nicht. Zwar war die Bilanz der Verwüstung beeindruckend. Gegen 120 Bäume hatte der Orkan im kurzen Waldstück beim Hotel-Restaurant gefällt. Verletzte oder gar Tote wurden im vielen Holz aber keine gefunden. Und kaputtgegangen war, wie sich später herausstellte, ebenfalls nicht viel. Ein Loch im Dach, das ein anwesender Gast erst noch umgehend provisorisch flickte, war der grösste Schaden am Haus. Dazu kamen draussen auf dem Parkplatz ein paar kaputte Autos. Und natürlich die finanziellen Einbussen, weil es Tage dauerte, bis die Strasse geräumt und wieder befahrbar war. Der Silvesteranlass musste in kleinerem Rahmen in Langnau stattfinden – ein Glück, dass anschliessend ohnehin Betriebsferien geplant waren und die Verluste auch daher im Rahmen blieben. «Wir hatten wirklich Glück», sagt die Wirtin und denkt dabei nochmals an ihre Gäste. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn «Lothar» später zugeschlagen hätte. Wenn bereits Leute fürs festliche Mittagessen unterwegs auf die Moosegg gewesen wären, denn: «Wir hatten Reservationen.» Sonne in der Gaststube Was von all den Erlebnissen geblieben sei? Katherine Fasnacht und Daniel Lehmann, der heutige Chef, schauen sich an. Sicher, sagt sie, starken Winden – «und die gibt es hier oben immer mal wieder» – begegne sie heute mit mehr Respekt. Zudem halte sie sich in solchen Momenten lieber in den vom Wald abgewandten Teilen des Hauses auf. Er zeigt derweil nach draussen, wo eine lichte Stelle inmitten der Bäume auch zehn Jahre später noch von der unbändigen Gewalt des Orkans zeugt. «Dank ‹Lothar› kann heute die Abendsonne direkt in die Gaststube scheinen.» Stephan KünziIn loser Folge lassen wir Zeugen des Orkans «Lothar» zu Wort kommen. >

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