10 Jahre Tropenhaus in Frutigen – mehr als Kaviar

Frutigen

Mit der Eröffnung der Sonderausstellung «Die Rückkehr der Störe» startet das Tropenhaus am Freitag ins Jubiläumsjahr.

Störforscher Harald Rosenthal eröffnete die Sonderausstellung, im Hintergrund Tropenhaus-CEO Marcel Baillods.

Störforscher Harald Rosenthal eröffnete die Sonderausstellung, im Hintergrund Tropenhaus-CEO Marcel Baillods.

(Bild: Sibylle Hunziker)

In Frutigen gibt es Stör und Kaviar – «zehn Jahre nach der Gründung des Tropenhauses fast eine Selbstverständlichkeit», freute sich CEO Marcel Baillods an der Medieninformation am Donnerstag.

Mehr als nur ein Wermutstropfen sei allerdings, dass es die Fischzuchten brauche, weil die Wildbestände bedroht seien. «Seit mehr als 200 Millionen Jahren gibt es Störe, seit Jahrtausenden werden sie von Menschen genutzt – doch in den letzten Jahrzehnten wurde diese wertvolle Ressource fast zerstört», sagte Harald Rosenthal, der durch die Sonderausstellung «Die Rückkehr der Störe» führte.

Seit vielen Jahren erforscht der Meeresbiologe und Präsident der World Sturgeon Conservation Society Störe und setzt sich für ihren Schutz ein.

Erste Erfolge

Von den 27 Störarten, die einst in den Seen, Flüssen und Meeren Europas, Sibiriens, Chinas und Nordamerikas häufig gefangen wurden, sind die meisten vom Aussterben bedroht. Staudämme und andere Verbauungen zerstörten ihre Laichplätze im Süsswasser und die Wanderwege zum Meer. Viele Bestände sind übernutzt.

Trotzdem konnte Rosenthal auch von erfolgreichen Schutzprojekten berichten – etwa in Zusammenarbeit mit First Nations in Kanada, in deren Tradition lokale Störarten von Bedeutung sind. Auch in Europa arbeiten Forscher, Naturschützer und Fischer an Wiederansiedlungsprojekten. Die Ausstellung beschreibt etwa, wie kleine Störe aufgezogen und für das gefährliche Leben in Freiheit «trainiert» werden oder wie die Erforschung des Lebenszyklus der Störe hilft, deren Lebensräume gezielt und oft kostengünstig zu verbessern.

So werden Flüsse zumindest zeitweise wieder für Störe geöffnet und gute Laichplätze revitalisiert – Massnahmen, von denen letztlich auch andere Wasserbewohner profitieren.

Die Rolle der Schweiz

Die Schweiz gehört zwar nur am Rand zu den natürlichen Verbreitungsgebieten des Störs. Doch auch hier braucht es den Kampf gegen Fisch und Kaviar aus illegalen Quellen. Dabei spannt der Naturschutz mit Fischzuchten wie dem Tropenhaus Frutigen zusammen – mit Erfolg.

«Gerade junge Spitzenköche wollen nur noch Kaviar, deren Herkunft sie genau kennen», sagt Marcel Baillods. Zudem engagieren sich die Störforscher gegen das Aussetzen von Stören aus privaten Teichen in die Natur: «Denn dort konkurrenzieren sie einheimische Fische.» Und treffen die Zuchtfische weiter flussabwärts noch auf ein paar wilde Störe einer bedrohten Art, kann es zu Hybridisierungen kommen und so zum Verlust der seltenen Art führen.

Störe wachsen ihr Leben lang und können über hundert Jahre alt werden. Weil sie bis zum Schluss fruchtbar bleiben, können sie sich im Lauf der Zeit mit vielen unterschiedlichen Partnern paaren und so ein vielfältiges Erbgut weitergeben – wohl mit ein Grund für die Anpassungsfähigkeit, mit der diese «lebenden Fossile» die Eis- und Warmzeiten der letzten 200 Millionen Jahre überlebt haben. Ob sie sich allerdings auch an die gegenwärtige Klimaerwärmung anpassen können, die schneller und stärker verläuft als alle bisher – das ist auch für Störforscher eine offene Frage.

Berner Oberländer

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