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71-jährig – und kein bisschen müde

Am Samstag präsentiert Peter Hunziker im Theater «Z» in Burgdorf sein neues Programm «lästerlich, liederlich & unverblümt». Der Bänkelsänger steht bereits seit über 40 Jahren auf der Bühne, doch müde ist er noch kein bisschen.

Der Auftritt in der Burgdorfer Oberstadt ist für Peter Hunziker ein Heimspiel. Nur unweit des Theaters lebt er zusammen mit Johanna, seiner zweiten Frau, in einer grossen, zweistöckigen4-Zimmer-Wohnung.

Eine musikalische Familie

Doch eigentlich ist Hunziker ein Stadtberner. Während fast 50 Jahren lebte er in der Bundesstadt, besuchte dort den Kirchenfeldgymer, später das Seminar. Die Musik prägte sein Leben von Anfang an. «Wir waren eine musikalische Familie, im Hause meiner Grosseltern wurde stundenlang gesungen», erinnert er sich. Und gespielt: zuerst allerdings nur Blockflöte und Geige. «Es war die Zeit, als Elvis Presley aufkam. Dieser war an der Schule verpönt, mit ihm auch die Gitarre.» Dies änderte sich, als sein älterer Bruder 1954 eine Gitarre nach Hause brachte. «Damals eine Sensation», so Hunziker. So nahm alles seinen Lauf. Bei den Pfadfindern, an Unterhaltungsabenden und an zahlreichen Lagerfeuern sorgte Peter Hunziker fortan für die Unterhaltung.

Während seiner Gymnasialzeit entdeckte er zudem seine Liebe für das Kleintheater, das damals gerade aufkam. Er war süchtig nach witzigen und gepfefferten Texten.

Erster Auftritt in Laupen

Mit der Zeit versuchte Hunziker selber, witzige und politische Texte zu schreiben. 1966 erfolgte der erste Auftritt auf der Bühne und vor Publikum. «Das war in Laupen», erinnert sich Hunziker, der vor drei Jahre sein 40-Jahr-Bühnenjubiläum feiern konnte. Erlebt hat er in dieser Zeit einiges. So erinnert sich Peter Hunziker etwa gerne an einen Auftritt für den Lehrerverein Ostschweiz. «Der Fürstenlandsaal in Gossau war mit 300 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt», erzählt Hunziker. Auch eine Tonbandaufnahme in Bern, produziert von Peter Reber im vollen Musikcafé «Shalimar», hat er bis heute nicht vergessen.

Während Reber voll auf die Karte Musik setzen konnte, war dies Hunziker nicht möglich. Seine erste Frau verstarb früh, und als allein erziehender Vater war er auf sein sicheres Einkommen als Lehrer angewiesen.

Skilehrer im Wallis

Mittlerweile sind seine Kinder erwachsen und haben eine eigene Familie gegründet. Die Tochter lebt seit sieben Jahren auf Zypern, der Sohn in der Ostschweiz. Zwar liess er sich 1998, nach fast 40 Jahren in seinem Beruf, frühzeitig pensionieren, doch ganz hat er den Lehrerjob nicht an den Nagel gehängt. «Die Monate Februar und März verbringe ich seit vielen Jahren im Wallis», erzählt Hunziker. Im Skigebiet Portes du Soleil bringt er jungen Touristen das Skifahren bei. Seine Arbeit als Skilehrer werde geschätzt, da er mit den Anfängern auf der Skipiste viel Geduld habe. Auch seien im Wallis jeweils Teile seiner Bühnenwerke entstanden. «Wenn ich abends alleine mit der Gitarre in meinem kleinen Studio bin, habe ich Zeit, an neuen Melodien zu arbeiten», sagt er.

Das Leben geniessen

«Vertonte Literatur, und deshalb anspruchsvoll.» So umschreibt Hunziker sein neustes Werk «lästerlich, liederlich & unverblümt.» In diesem gibt Hunziker neben Eigenwerken satirische Songs und Chansons nach Texten von Fritz Grasshoff, Erich Kästner, Fridolin Tschudi und Eugen Roth zum Besten. Er begleitet sich gleich selbst, entweder auf der Gitarre oder auf alten Drehorgeln. Die Notenrollen für diese stellt er in mühsamer Handarbeit, mit Lineal und Japanmesser, selber her.

Mit dem 1997 verstorbenen Fritz Grasshoff hatte Hunziker ein gutes Verhältnis. 1972 lud ihn der bekannte Schriftsteller nach Deutschland ein. Später schrieb er sogar eigens für Hunziker ein paar Gedichte. «Aus Platzmangel werde ich am Samstag anlässlich einer Verkaufsausstellung einige seiner Werke verkaufen», so Hunziker. (Nähere Infos siehe unten.)

In der Tat gleicht seine Wohnung einem kleinen Museum. Hier erinnert ein Bild, da eine Drehorgel und dort ein Buch an das Erlebte aus über 40 Jahren Bühnenarbeit. Peter Hunziker hat bereits viel erlebt, ganz bescheiden tönen deshalb seine Träume für die Zukunft: «Ich möchte einfach noch mein Leben möglichst lange geniessen», oder mit den Worten des Satirikers ausgedrückt, wie er es einst so schön in seinem CD-Booklet geschrieben hat: «Wer überlebt, hat mehr vom Leben – darauf können sie Gift nehmen.»

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