9500 Konzertgänger feierten Trauffer und Amy Macdonald

Am offiziell drittletzten Snowpenair teilten sich der Interlakner Rapper Julian, der brasilianisch-schweizerische Sänger Marc Sway, der nationale Überflieger Trauffer und die schottische Songwriterin Amy Macdonald die Bühne.

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Als Ansager auf der Snowpenair-Bühne macht Sascha Ruefer, seines Zeichens hinter Beni Thurnheer wohl der zweitbekannteste TV-Sprücheklopfer der Nation, einen souveränen Job.

Einen bissigen Seitenhieb jedoch konnte er sich nicht verkneifen. «Falls ihr auf die Toilette müsst, dann geht doch einfach allesamt in die Hotels da oben», sagte er an die 9500 Be­sucher gewandt, und deutete in Richtung Scheidegg-Hotels.

Nicht wenige fragen sich, weshalb dem Besitzer dieser Hotels das Snowpenair ein derartiger Dorn im Auge ist, anstatt aus dem Event dankbar Profit zu schlagen. Doch er stellte Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler vor die Wahl: Entweder die V-Bahn oder das Snowpenair. Dieser entschied sich für Ersteres – und Letzteres wird dafür geopfert. Am Samstag fand das Eintagsmusikfestival auf 2000 Metern über Meer zum drittletzten Mal statt.

Es war ein Snowpenair, das gemäss Urs Kessler «als eines der Besten» in die Geschichte eingehen wird. Wahrlich gibt es auf den ersten Blick nichts, das nicht gepasst hätte. Die drei wichtigsten Bedingungen für ein erfolgreiches Snowpenair waren allesamt erfüllt: perfektes Wetter, Stimmungsmacher auf der Bühne und restlos verkaufte Tickets. Der Rest ist Sache der Organisation.

Und diese Organisation funktioniert auf der Kleinen Scheidegg «bezeichnend für die Jungfraubahnen: Wie ein Uhrwerk, wie ein Fahrplan», sagte Rapper Julian. Der Interlakner eröffnete das Konzert, bereits zum zweiten Mal nach 2013, und war mit seinem Auftritt überglücklich. Hier, sagt er, habe man als regionaler Künstler das Gefühl, man gehöre in die gleiche Familie wie die ­nationalen und internationalen Acts.

Julian erntete für seinen Auftritt positive Feedbacks und ist topmotiviert für neue Musik: «Ich habe ein paar Sachen in der Pipeline.» Neu singt seine Schwester Alexandra auf der Bühne die Backing-Vocals.

Julian und seine vierköpfige Band verbrachte den Rest des Konzerttags entweder vor oder in der Remise der Jungfraubahn.

Diese dient seit eh und je als Backstagebereich: Künstler und ihre Begleitpersonen, einige Bahn­angestellte und Spezialgäste können hier Kontakte knüpfen und sich verpflegen. Kartoffelgratin, Fleisch, Gemüse und Dessert reichte am Samstag locker für die 220 Personen, die laut dem Cateringunternehmen Galfri aus Beromünster angemeldet waren.

Die Firma hat Routine mit grossen Events; sie verköstigt Hundertschaften von Gästen etwa auch am Spengler-Cup, am Eidgenössischen Schwingfest oder am Ski-Weltcup in Wengen und Adelboden.

Wenn ein Künstler etwas Privatsphäre wünscht, kann er sich in seinen eigenen Zugswagen zurückziehen, der als «Dressing Room» dient. Die modernen Züge sind normalerweise zwischen Scheidegg und Jungfraujoch unterwegs. Fürs Snowpenair werden sie natürlich extra heraus­geputzt.

Früher stellten die Jungfraubahnen dem Haupt-Act jeweils den hundertjährigen Eiger-Ambassador-Zug zur Verfügung. Seit dieser im Wallis unterwegs ist, werden am Snowpenair zwischen Amy Macdonald, Julian, Marc Sway und Trauffer keine erheblichen Unterschiede mehr gemacht.

Und seit Bryan Adams das bestellte und extra eingebaute ­rote Sofa in seinem Zugswagen nicht einmal beachtete, gibts auf der Kleinen Scheidegg auch keinen Platz mehr für exquisite Extrawünsche. «Ich sage den Künstlern: Es ist so, wie es ist – und fertig», meint Urs Kessler.

«Ich finde, dieses Lokidepot hat unglaublich Charme.»Trauffer über den Backstagebereich für die Künstler

Die meisten Künstler am Snowpenair sind unkompliziert. So auch Trauffer, der zum dritten Mal hier spielte. «Ich finde, dieses Lokidepot hat unglaublich Charme», sagt der Hofstetter. «Für uns Musiker ist es wie ein Zuhause.» Trauffer nahm sich übrigens für das Snowpenair das ganze Wochenende frei.

Er ging am Freitagabend mit seiner Band in Interlaken bowlen, später in Grindelwald nachtessen – und danach «ziemlich deftig in den Ausgang». Er wollte das Snowpenair und das ganze Drumherum nochmals richtig auskosten.

Und auf der Bühne machte er, wie man es von ihm gewohnt ist, seine Fans glücklich. Schon Marc Sway zuvor spielte seine ganzen Entertainerqualitäten aus, doch bei Trauffers Show war die Stimmung im Publikum unvergleichlich.

Da hatte die folgende Headlinerin Amy Macdonald doch einen schweren Stand. «Rock ’n’ Roll» stand auf ihrem T-Shirt geschrieben; zu hören gab es Folk-Pop, einige aus dem Radio bekannten Hits sowie Material des relativ neuen Albums «Under Stars». Ein gepflegter, sympathischer Auftritt der Schottin, die es übrigens an diesem Tag als Einzige vorzog, sich vom Pistenbully zur Bühne fahren zu lassen.

Marc Sway, Julian und Trauffer stapften lieber zu Fuss durch den Schnee an ihrem Arbeitsort.

«Es wird auch ein 24. Snowpenair geben, an einem anderen Standort, da bin ich überzeugt.»Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen

Urs Kessler, der sonst eine durchgeplante und strukturierte Arbeit vorzieht, gibt sich am Konzerttag keine fixe Aufgabe. Mal hört er den Konzerten zu, dann trifft er sich mit potenziellen Sponsoren zum Apéro. «Dies ist auch wichtig, denn man muss immer an die Zukunft denken.» Auf Kesslers blauem T-Shirt steht übrigens nicht «Snowpenair» geschrieben, sondern «V-Bahn».

Ja, die Sache mit der Zukunft des Snowpenair: Viele Konzertgänger wünschen sich nach diesem Samstag natürlich eine Fortsetzung. Die offizielle Kommunikation lautet jedoch, dass 2020 Schluss ist. Oder doch nicht?

Um 15.20 Uhr betrat Urs Kessler die grosse Bühne und sagte im Interview mit Sascha Ruefer: «Es wird auch ein 24. Snowpenair geben, an einem anderen Standort, da bin ich überzeugt!» Seine Worte dürften auch in den Scheidegg-Hotels zu hören gewesen sein.

Berner Oberländer

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