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Absolut abenteuerlich: expressiv bis ins Extrem

Es war ein grosser, ja ein unvergesslicher Abend: Das Rezital des Pianisten Arcadi Volodos beim

«Klavier-Virtuose par Excellence» – so kündigte das Programmheft den 38-jährigen Russen an. Nun, es gibt wohl zwei Gruppen von Virtuosen: solche, die sich selber ins Zentrum stellen und dabei Fingerfertigkeit, Brillanz und Effektsicherheit demonstrieren. Und solche, die ihr einzigartiges Können ganz dem Dienst an der Musik widmen, ihrer Botschaft nachspüren und sie mit Wissen und Leidenschaft zum Leben erwecken. Arcadi Volodos gehört zu dieser zweiten Spezies, und zwar zu den ganz Grossen: Natürlich sind bei ihm Technik, Anschlaganuancierung und Pedaleinsatz vorzüglich. Aber das ist nicht alles: Er versenkt sich jeweils mit völliger Hingabe in die Kompositionen und malt dabei Seelenlandschaften, wie man sie noch nie gehört hat. Ganz ohne Saloneleganz So spannte er im ohne Unterbrüche gespielten Skrjabin-Block – vier kurzen Piecen und der Sonate Nr. 7, op. 64 – einen weiten Bogen von mystischer Versenkung bis zu kraftvoller Dramatik. Die beiden Stücke von Isaac Albéniz befreite er sodann von jeglicher Saloneleganz, um entschlossen in die Tiefe zu loten und gleichzeitig seine Affinität zu spanischem Kolorit zu beweisen. Und zum Schluss stürzte er sich so leidenschaftlich ins Abenteuer einer inspirierten Deutung von Liszts Fantasia quasi Sonata «Après une lecture de Dante», dass man überwältigt wurde: Da fehlte es weder am «Inferno»-Donner noch an Klang gewordenen Liebeswonnen, weder an der gleichsam orchestralen Geste noch an feinsten Schattierungen. Entharmloster Schumann Wohl die eigenwilligste, herausforderndste Interpretation stellte der Künstler aber vor der Pause mit Schumanns Humoreske, op. 20, zur Diskussion. Er nahm sich nämlich erhebliche Freiheiten in Tempowahl und Akzentuierung. Expressiv bis ins Extrem, meisselte er die Stimmungsschwankungen heraus und steigerte so das doch oft eher harmlos musizierte Werk zum Bekenntnis einer zerrissenen Persönlichkeit. Doch auch das war noch nicht alles: Arcadi Volodos schenkte dem Publikum in der Kirche Saanen vier Zugaben, die kaum kontrastreicher hätten sein können und berechtigte Standing Ovations auslösten.Erich Binggeli •www.menuhinfestivalgstaad.ch >

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