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Absturz der schludrig montierten Decke war nur eine Frage der Zeit

WestsideDie abgestürzte Decke des Erlebnisbades Bernaqua im Berner Einkaufs- und Freizeitzentrum Westside war fehlerhaft montiert. Zu diesem Schluss kommen die Empa-

Zuerst hören die Gäste im Berner Erlebnisbad Bernaqua an diesem Nachmittag des 12.April ein Reissen und Knirschen über sich, dann löst sich um 18.45 Uhr plötzlich ein Teil der Decke und fällt 15 Meter in die Tiefe. Eine Person wird schwer, zwei werden leicht verletzt. Seit diesem Unfall ist das Bad im Einkaufs- und Freizeitzentrum Westside geschlossen. Nun wissen die Experten der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa), was sich in diesen dramatischen Minuten ereignet hatte. Sie fassten ihre Erkenntnisse in einem 136-seitigen Bericht zusammen, den die regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland nun den betroffenen Parteien zugesandt hat. Die Experten stellten Beunruhigendes fest: Die Decke war mangelhaft montiert. Erstens wurden nicht die eigentlich bestellten Aufhänger verwendet. Das angewandte Vorgängermodell ist aber 30 Prozent weniger belastungsfähig. Zweitens verringerte die schräge Last deren Tragkapazität zusätzlich. Drittens waren einige Aufhänger und Kreuzverbinder gar nicht eingehängt. Weil ein Teil der Decke oberhalb des Aufgangs zu den Rutschbahnen frei schwebend konzipiert war, führte dies alles beim nächstgelegenen Aufhänger zu einer fünffach überhöhten Belastung. Der Auslöser istlaut Experten diese «übermässig grosse freie Auskragung». Als der überlastete Aufhänger riss, kam es zu einer Kettenreaktion und zum Absturz des 110 Quadratmeter grossen, über drei Tonnen schweren Stücks aus Glas, Stahl und Gipskarton, wie der gestern an die Medien versandten Zusammenfassung des Berichts zu entnehmen ist. Dank der speziellen Konstruktion fingen Gipskartonplatte vorerst einen Teil der Belastung auf; als sie auch infolge der Feuchtigkeit dann nachgaben, nahm das Unheil seinen Lauf. Explizit wird im Communiqué erwähnt, dass die Deckenkonstruktion grundsätzlich für Hallenbäder geeignet sei. Ob neben der schludrigen Montage auch die Planung fehlerhaft war, wird nun abgeklärt. Der zuständige Staatsanwalt Hanspeter Kiener erläutert: «Es ging zuerst darum, zu schauen, was passiert ist. In einem zweiten Schritt vergleichen wir nun die Planungsdokumente mit den Befunden der Experten und versuchen die Schuldfrage zu klären.» Bis jetzt gebe es keine Hinweise auf Zeitdruck, ergänzt er. Noch offen ist, ob der Bericht der Empa-Experten ein entscheidendes Beweismittel sein wird, wie in der Mitteilung festgehalten ist. Vorerst können die Bauherrin Neue Brünnen AG und die Totalunternehmerin (TU Westside) ergänzende Fragen stellen. Neben dem strafrechtlichen Prozess läuft parallel dazu eine zivilrechtliche Auseinandersetzung, in der separate Abklärungen gemacht werden (vgl. Artikel unten). Der Einbau einer neuen Decke bleibt deshalb vorderhand blockiert und das Bad geschlossen. Christoph Aebischer>

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