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AKW-Gegner setzten buntes Zeichen

AtomkraftRund 3000 Personen demonstrierten am Pfingstmontag friedlich vor dem AKW Mühleberg für die sofortige Abschaltung des Reaktors. Allein 700 kamen im farbenfrohen Fahrradumzug aus der Stadt Bern.

Es war ein Kontrast sondergleichen, der sich dem Betrachter am Pfingstmontag in Mühleberg eröffnete: Auf der einen Seite das AKW Mühleberg – ein grauer Koloss, der mit seiner Masse für das Zeitalter der Atomenergie steht. Und auf der anderen Seite, nur wenige Hundert Meter entfernt, eine Masse aus bunten Individuen – AKW-Gegner, die gekommen waren, um mit ihren Fahnen und Transparenten das Ende der Atomkraft einzuläuten. «Mal richtig abschalten» lautete das Motto der Veranstaltung. Mehr als vierzig Organisationen und Parteien hatten zur Demonstration aufgerufen, am Ende des Tages hatten rund 3000 Personen ihrem Unmut Luft gemacht. Verglichen mit der Demonstration in Beznau, welche im Mai rund 20000 Personen anlockte, ist das bescheiden. Der Medienverantwortliche Dominik Bachmann zeigte sich dennoch zufrieden: «Das AKW in Mühleberg ist nicht so einfach erreichbar. Dass dennoch so viele den Weg hierher gefunden haben, ist ein grosser Erfolg.» Die bunte Karawane aus Bern Als eine der ersten Protestwilligen hatte eine ältere Anwohnerin aus der Gemeinde Mühleberg den Weg zum grossen Feld in der Nähe des AKW gefunden. Sie werde wohl nicht viele bekannte Gesichter sehen, scherzte sie: «In Mühleberg hört man auch nach Fukushima wenig kritische Stimmen zum AKW.» So sei das eben: «Die einen kennen jemanden, der im AKW arbeitet, die anderen profitieren gerne von den tiefen Steuern.» Tatsächlich machten bei der Zufahrt zum Demonstrationsgelände auch vereinzelt AKW-Befürworter auf sich aufmerksam: «Ja zu Mühleberg» stand auf einem Transparent, hie und da riefen die Anwohner den ankommenden Demonstranten ihre eigenen Parolen zu. Doch die Marschierenden, die zu Fuss vom Bahnhof Gümmenen gekommen waren, liessen sich nicht beeindrucken. Sie vermischten sich bald mit all den anderen Demonstranten, die den Weg nach Mühleberg gefunden hatten. Rund 50 waren mit dem Fahrrad aus Freiburg gekommen, nochmals 50 aus Biel. Die grösste Gruppe jedoch erhielt bei ihrer Ankunft auch den grössten Applaus: Die Velokarawane aus Bern bot mit ihren rund 700 Teilnehmern ein eindrückliches Bild. Sofortige Schliessung Vor einer bunten Kulisse eröffnete Jürg Joss von der Organisation Fokus Anti-Atom die Reihe der Redner. «Das Schrott-AKW muss weg», forderte Joss und empörte sich darüber, dass die BKW in der Vergangenheit immer wieder eine Betriebsbewilligung erhalten habe. «Damit ist nun Schluss», zeigte er sich sicher. Die Politik müsse ihren Worten nun Taten folgen lassen. Auch sein welscher Kollege Philippe de Rougemont von «Sortir du nucléaire» forderte eine sofortige Schliessung und bezeichnete Mühleberg als «vieille casserole» – als alten Topf. «Mühleberg gefährdet unser Land», rief de Rougemont den Demonstranten zu. Der Applaus war ihm gewiss. Endos Angst vor dem AKW Das Schlusswort aber gehörte dem Berner Sänger Endo Anaconda. Er habe etwas Angst vor dem Aufritt gehabt, sagte er zum Publikum, bevor seine Band Stiller Has zum musikalischen Schlusspunkt ansetzte. «Viel mehr fürchte ich mich aber», fuhr er fort und zeigte auf das AKW in seinem Rücken, «viel mehr fürchte ich mich vor diesem grauen Koloss.» Dass man seit 35 Jahren gegen «den gleichen Scheiss» demonstrieren müsse, das sei mühsam. Doch es habe auch etwas Gutes: «Dass es nach 35 Jahren immer noch Leute gibt, die sich für die Sache einsetzen, das ist wunderbar.» Christian Zeier;Bilder der Kundgebung: akwdemo.bernerzeitung.ch >

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