Zum Hauptinhalt springen

Allein einsam

ALTERSKONFERENZ«Vereinsamung und schleichende Verwahrlosung im Alter sind ein Abbild der heutigen Gesellschaft»: Dieses Fazit zogen Fachleute an einem von der Kommission für Seniorenfragen organisierten Podiumsgespräch in Steffisburg.

Es gibt sie auch in der Region. Menschen, die im Alter vereinsamen und schleichend in eine Verwahrlosung geraten. Weil dem so ist, hat sich die Fachkommission für Seniorenfragen im Rahmen einer regionalen Alterskonferenz am Donnerstagabend diesem Thema angenommen. Zum Podiumsgespräch ins Gemeindehaus Steffisburg eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden im Zulgtal, Mitglieder der Sozialkommissionen und Pflegefachleute aus der Region. «Ist diese Vereinsamung im Alter ein Abbild der heutigen Gesellschaft?», wollte Susanna Schmid, Gesprächsleiterin und Präsidentin der Spitex Zulg, denn auch gleich wissen. Die Bestätigung folgte prompt. «Die Vereinsamung im Alter ist ein Zeichen der Zeit», hat Barbara Siegenthaler, Leiterin Spitex Zulg, festgestellt. Ins gleiche Horn stiess auch Claudio Ciabuschi, Abteilungsleiter Sozialdienste Steffisburg. «Viele Familienmitglieder schleichen sich aus der Verantwortung. Wir müssen mehr und mehr Beistandschaften errichten, weil niemand da ist, der sich um die Senioren kümmert», sagte er. Etwas differenzierter beurteilte Rolf Koch, Psychiatriearzt am Spital Thun, diese Frage. Koch ortete gewisse Unterschiede zwischen Stadt und Land. «Während auf dem Land die Generationenbeziehungen noch spielen, leben Senioren in der Stadt zunehmend anonym.» Datenschutz als Dilemma Wie Koch weiter ausführte, führen insbesondere fehlende Mobilität und Probleme mit dem Gedächtnis zu Einsamkeit und schliesslich zum Verwahrlosen. «Wenn dann wirklich niemand da ist, gibt es Probleme», zeigte sich der Arzt überzeugt. Einig waren sich die Podiumsteilnehmer im Lösungsansatz. «Es braucht eine starke Vernetzung aller Beteiligten», fand Claudio Ciabuschi. Gemeint war damit eine Vernetzung zwischen Hausarzt sowie Sozial- und Pflegediensten. «Oft geht es darum, möglichst rasch eine Situation zu analysieren, um Hilfe leisten zu können», sagte der Leiter der Sozialdienste. Als Hindernis in dieser Zusammenarbeit bezeichneten die Podiumsteilnehmer indessen den Datenschutz. «Ohne ausdrückliche Erlaubnis der Betroffenen dürften wir keine Informationen an Dritte weitergeben», erläuterte Barbara Siegenthaler. Trotz diesem Dilemma funktioniere die Zusammenarbeit unter den sozialen Institutionen in der Region gut. «Auch wenn wir manchmal fast mit einem Fuss im Gefängnis sitzen», hielt Claudio Ciabuschi fest. Stefan Kammermann >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch