Alpendohlen im Aufwind

Interlaken

«Tächa flyg!» – auf dem Allmihubel soll die Alpendohle künftig über viele Grenzen hinausfliegen: am geplanten Tächa Land Festival Mürren.

Sie wollen die Festival-Tächa zum Fliegen bringen (v.l.): Ueli von Allmen, Doris von Allmen Bachmann, Herbert Steiner, André Schornoz, Bruno Raemy und Hans-Christian Leiggener, Geschäftsführer Unesco-Welterbe Swiss Alps.

Sie wollen die Festival-Tächa zum Fliegen bringen (v.l.): Ueli von Allmen, Doris von Allmen Bachmann, Herbert Steiner, André Schornoz, Bruno Raemy und Hans-Christian Leiggener, Geschäftsführer Unesco-Welterbe Swiss Alps.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Angekündigt war ein Tächa-Konzert im Kunsthaus. Der Musiker Ueli von Allmen hat im vergangenen Jahrhundert – nämlich 1997 – die Alpendohle als Namensgeberin für seine Band gewählt. Im Lauterbrunnental heisst der Rabenvogel ­Tächa. Und er dürfte noch sehr viele andere Namen tragen, denn es gibt ihn auch im Hindukusch und in Tibet.

«Tächa»-Musik klingt seit der Gründung der Band immer wieder auf, Ueli von Allmen hat viele ausserordentliche Musiker gefunden, die den Tächa-Sound mitgeprägt haben. Und sie sind weit ­gereist: als Kulturbotschafter mit der Gemeinde Interlaken nach China und Japan, nach Irland mit dem Musiker Eunan McIntyre, und nach Nepal.

Weltweit unterwegs

Ueli von Allmens Musik erzählt. Zum Beispiel von Dixie Michell aus Oklahoma, Singer-Songwriterin und Instrumentenbauerin, der er begegnete, als sie 72 Jahre alt war. Sie hatte viel Gespür für Gitarren, restaurierte wertvolle Instrumente und baute von Allmens Gitarre. Sie wusste wohl auch, wie Alleinsein und Abschied sind.

Ihr Song «Waltzing Around with My Shadow» gehört, von Ueli von Allmen in Mundart übersetzt, zu den Höhepunkten des Tächa-Repertoires. «Tächa flyg», gewissermassen der Titelsong der Band, und die für die UNO-Jahre des Wassers und der Berge geschriebenen Lieder vom Wasser und vom Wandern sind aktuell wie eh und je.

Tächa-Mitflieger sind heute zwei Freiburger: der Akkordeonist Bruno Raemy und der Bassist André Schornoz. Raemy hat die Gabe, Sonnenlicht, Weltschmerz und Bergbächen die richtige Melodie zu entlocken. Schornoz kam mit dem Elektrobass, den er so weich spielen kann wie eine bauchige Holzbassgeige.

Tächa-Musik klingt weltweit unterwegs wie die Alpendohlen und daheim im Lauterbrunnental als Tächi. In der Volksmusik ist sie so verwurzelt und verankert wie Walzer, Musette und Blues. Vorstellen muss man sich bei den Tächa-Konzerten nicht alles.

Der Fotograf Herbert Steiner passte auf der Leinwand hinter den Musikern Bilder den Klängen an: Berge und Meer, Tänzerinnen und Tänzer am Unspunnenfest, Mikrobiologisches und die Band auf dem Weg zum Allmihubel. Und natürlich die Aufwindseglerin Alpendohle in allen Fluglagen. Eine von ihnen heisst wahrscheinlich Kurt, denn zum witzig-dadaesken Sündenbockblues von Kurt war sie ganz gross im Bild.

Welterbe-Sound

Im Wallis heisst die Alpendohle unter anderem Gaaggo, wie Hans-Christian Leiggener, Geschäftsführer des Unesco-Welterbes Swiss Alps Jungfrau-Aletsch, auf Nachfrage sagte. Der Bergführer und Germanist war persönlich am Konzert und freute sich an der Musik. Der Grund für Leiggeners Anwesenheit war, dass am 6. September etwas ganz Neues begann, wie Ueli von Allmen vor dem Konzert ankündigte.

Er plant ein Festival. Kein kommerzielles, wie er auf Nachfrage sagte. Als Trägerschaft sieht er einen Verein vor, der die Sicherheit zum Weiterplanen gibt. Definiert ist noch wenig. Das Festival soll um die Mitsommerwende stattfinden, auf dem Allmihubel.

Mit Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau, die laut Leiggener neben «seinem» Bietschhorn in ihrer einmaligen Alpenschönheit Grund dafür sind, dass die Region ein Unesco-Welterbe ist. Eine Partnerschaft mit dem Festival ist vorgesehen.

Der offizielle Akt der Vereinsgründung war kurz: Ueli von Allmen hielt das Papier mit den Statuten hoch und stellte die junge Gimmelwalder Bäuerin Doris von Allmen Bachmann als Mitglied des zweiköpfigen Vereinsvorstandes vor. Damit war der Trägerverein Tächa Land Festival Mürren gegründet.

Ab jetzt können alle Mitglied werden, die sich interessieren für das hintere Lauterbrunnental mit seinen «Tächi», für Weltmusik, für ein Zusammenspiel von verschiedenen Musikrichtungen aus verschiedenen Ländern, für künstlerisches Tun wie Land-Art, für das Zusammensein mit Zeit für sich und andere und für das Erleben von Musik, die mit der Natur harmoniert.

Von Allmen, ursprünglich ein Walser wie wohl die meisten Lauterbrunner, möchte seine Landsleute, vor allem auch die Jungen, mit ins Boot holen.

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