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«Als käme Gotthelf zur Tür herein»

RöthenbachDas Würzbrunnen-Kirchlein zu betreten, ist

Der Pfarrer aus der «Käserei in der Vehfreude» predigt und predigt. Derweil wird Felix’ Kopf schwer und schwerer. Er legt ihn auf das Geländer der Empore, schläft ein und murmelt im Traum für alle Predigtbesucher hörbar: «Änneli, gib mer es Müntschi.» Ausgerechnet in jener ehrwürdigen Kirche, in der einst Uli der Knecht sein Vreneli heiratete, in der die beiden ihr erstes Kind tauften und in der später auch Anne Bäbi Jowäger ein und aus ging. Die Szenen aus den Gotthelf-Verfilmungen haben das Würzbrunnen-Kirchlein einem Millionenpublikum bekannt gemacht. «Gotthelf ist wie ein roter Faden. Es ist, als käme er immer wieder durch die Türe herein», sagt Madlen Langenegger. Sie koordiniert die Reservationen für diese Kirche – und das sind einige. Früher wurde hier an Spitzensamstagen im Stundentakt geheiratet. Doch weil sich die Brautpaare dadurch schier in die Quere kamen und die Spaliergäste kaum genügend Platz zum Parkieren hatten, sind heute noch höchstens drei Trauungen pro Samstag möglich. «Schliesslich soll eine Hochzeit etwas Schönes sein, nicht etwas Stressiges.» Aus der ganzen Schweiz kommen die Paare in die kleine Kirche oberhalb Röthenbach, um sich trauen zu lassen. Oft seien sie durch die Gotthelf-Verfilmungen darauf aufmerksam geworden, sagt Madlen Langenegger. Und nach der ersten Besichtigung seien sie definitiv begeistert von diesem Ort, «von dieser herrlichen Aussicht und dieser wunderbaren Kirche». Menschen geopfert Ja, diese Kirche ist etwas Besonderes. Sogar die Friedhofsmauer ist mit Schindeln gedeckt. Und wer in das Innere des Gotteshauses tritt, kommt aus dem Staunen fast nicht heraus. Die Wände sind reich mit Bibelsprüchen verziert – noch genau wie in den Filmen. Man sitzt auf die vorderste Bank und versucht, die alte Schrift zu entziffern. Besonders eindrücklich ist die geschichtliche Inschrift, die Christen Schafroth 1779 an der Nordwand des Chores anbrachte: «Schon im Heidenthum wahr da zu Handen ein Götzen Tempel lang allhier gestanden.» Im Kunstführer heisst es, dass hinter dem Kirchlein der «Helhubel» sei. Bei Unglück in Haus und Stall, bei schlechtem Wetter und Misswachs seien der Göttin Hela dort in uralten Zeiten Menschen geopfert worden. Die Heiligen sind zurück An diesem heidnischen Opferplatz wurde vor 1000 Jahren das Würzbrunnen-Kirchlein gebaut. Der Sage nach hätten die Bewohner des Tals später beschlossen, die Kirche abzubrechen und sie unten in Röthenbach neu aufzubauen. «Was aber die Handwerksleute tagsüber unter grossen Anstrengungen ins Tal geschafft hatten, das trugen während der Nacht unsichtbare Hände wieder an den alten Ort. Und so geschah es, dass das Kirchlein zu Würzbrunnen erhalten geblieben ist», so die Sage. Sicher ist, dass das Gotteshaus 1494 einer Feuersbrunst zum Opfer fiel und im gleichen Jahr wieder aufgebaut wurde. Die Innenwände waren damals mit Heiligenbildern verziert, die nach der Reformation übermalt wurden. Überreste davon wurden bei der Restaurierung 1963 wieder freigelegt und sind seither auf der Nordseite des Chores zu sehen. Man legt den Kunstführer zur Seite, schaut sich im schön kühlen Kirchlein nochmals um – und tritt dann wieder hinaus. Zurück ins Jahr 2011. Markus ZahnoMitte Juli startet das Gotthelf-Musical auf der Seebühne in Thun. Aus diesem Anlass stellen wir in den kommenden drei Wochen Drehorte aus Gotthelf-Filmen vor und zeigen, wie es dort heute aussieht. >

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