Alternative Wohnformen für Alt und Jung

Unterseen

Der Verein Generationen 3800 lud zur Information über seine Ideen für eine altersgemischte Wohnbaugenossenschaft.

Gastreferent Andreas Hofer (links) mit Ruth Steiger, Marlies Bühler, Barbara Guggisberg und Peter Grunder, die den Verein «Generationen 3800» gegründet haben.

Gastreferent Andreas Hofer (links) mit Ruth Steiger, Marlies Bühler, Barbara Guggisberg und Peter Grunder, die den Verein «Generationen 3800» gegründet haben.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Eine Wohnbaugenossenschaft für ein Haus mit unterschiedlichsten, um Gemeinschaftsräume gruppierten «Cluster-Wohnungen» schwebt Ruth Steger vom frisch gegründeten Verein Generationen 3800 vor.

«Mit einer Miete um 650 Franken für die kleinsten Einheiten sollten die Wohnungen erschwinglich sein», sagte sie am Infoabend vom Freitag in Unterseen. Und die Genossenschafter sollten ihr Haus je nach Lebensabschnitt und Familiengrösse flexibel nutzen können. Denn der Verein bezweckt die Gründung einer Genossenschaft für ein «Generationen-Haus», in dem sich Jung und Alt gegenseitig ergänzen und idealerweise auch helfen.

Dass sich am Freitag vor allem gestandene Semester im Unterseener Stadthaus einfanden, erstaunte den auf gemischte Wohnprojekte spezialisierten Zürcher Planer und Architekten Andreas Hofer nicht. «Heute sind es nicht mehr junge Wilde, die sich für alternative Wohnformen interessieren, sondern die Generation der 50- bis 65-Jährigen», sagte der Gastreferent.

Keine homogenen Gruppen

Es schade nichts, wenn diese Gruppe stark vertreten sei. Denn ein wichtiges Merkmal von Wohnbaugenossenschaften sei gerade, dass sie nicht nur für sich selber planen.

Wichtig sei aber, bei der Planung nicht eine homogene Gruppe anzupeilen. Früher wurden oft Überbauungen für junge Familien geplant. So entstanden relativ homogene Quartiere mit Problemen, die in mancher Hinsicht den Problemen bei Einfamilienhäusern ähneln: Die Anpassung an die wechselnden Bedürfnisse, die Menschen im Laufe ihres Lebens allein schon an die Wohnfläche haben, ist umständlich und gelingt nicht immer.

Um einseitigen Entwicklungen vorzubeugen, können Regeln – etwa im Vermietungsreglement – helfen. Aber natürlich muss auch das Wohnungsangebot stimmen. An Beispielen wie dem Zürcher Heizenholz mit seinen 26 unterschiedlichen Wohnungen zeigte Hofer Möglichkeiten, wie nicht nur eine bauliche, sondern auch eine soziale «Verdichtung» gelingen kann.

Suche nach einem Generationenhaus

Wichtig sei auch die Anfangszusammensetzung der Bewohner. «Dabei ist egal, wer mitmacht – aber die Leute sollten nicht alle gleich sein.» Und es brauche eine gewisse Gelassenheit, andere selber machen zu lassen. Denn wer sich selber einrichten und heimisch werden könne, engagiere sich eher in der Gemeinschaft.

Auf der Suche nach einem geeigneten Platz für ein Generationenhaus hat der Verein Generationen 3800 als Erstes die Einwohner- und Kirchgemeinde Unterseen gefragt, ob ein Baurecht auf dem Graben denkbar wäre, wie Peter Grunder berichtete. Und es gab auch ermutigende Gespräche mit dem benachbarten Pflegeheim Bethania über die Möglichkeit, ergänzende Dienstleistungen einzukaufen.

«Bei der Gemeinde sind die Türen nicht zu», sagte Gemeinderätin Verena Roder. Sie ermunterte Initianten und weitere Interessierte, ihr Projekt weiterzuverfolgen – auch wenn es dafür einen langen Atem brauche.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt