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Angst vor der Kontingentierung

Das revidierte Baureglement wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. An den geplanten Änderungen - inklusive Ewap-Reglement – gab es wenig auszusetzen. Den Baufirmen macht aber die geplante Kontingentierung zu schaffen.

Die Bauwirtschaft ist nach dem Tourismus der zweite grosse Lebensnerv der Gemeinde Grindelwald. Rund 500 Personen mit ihren Familien sind von diesem Gewerbe abhängig. Gleichzeitig hängt der Grindelwalder auch an seiner intakten Umwelt. Ein unvereinbarer Widerspruch? Mit dem überarbeiteten Baureglement will man den Spagat zwischen Naturerhalt und Wirtschaftswachstum schaffen. Rund 100 Personen lauschten den Ausführungen von Gemeindepräsident Emanuel Schläppi am vergangenen Dienstagabend im Kongresssaal. Er präsentierte die bisherigen Resultate der Mitwirkung für die Änderung des Baureglements. Ein grosses Thema war die Revision des Erstwohnunganteilplans (Ewap). Das Wichtigste in Kürze: Neu wird von Bruttowohnfläche gesprochen (Wohnfläche), anstatt wie bisher von Bruttogeschossfläche. Der Erstwohnungsanteil wird von 35 auf 30 Prozent reduziert. Eine Erweiterung bestehender Bauten im Umfang von maximal 30 Prozent der ursprünglichen Bruttowohnfläche pro Gebäude (anstelle Objekt) ist zulässig. Ein Auskauf aus dem Ewap, soll künftig möglich sein. Ein Teil der Mehrwertabschöpfung soll der Gemeinde zufliessen. Die Verjährungsfrist des Ewap von 25 Jahren wird beibehalten. In der Landwirtschaftszone sind Bauten neu ebenfalls dem Ewap unterstellt. Damit soll für ortsansässige Personen Wohnraum zu einem erschwinglichen Preis gesichert werden. Abstimmung im Dezember Die zweite gewichtige Änderung im Baureglement ist die eingereichte Initiative zur Begrenzung des Zweitwohnungsbaus (wir haben berichtet). Diese will die Bautätigkeit auf 2000 Quadratmeter Geschossfläche pro Jahr begrenzen. Bauvorhaben von Einheimischen sollen dabei nicht tangiert werden. Allerdings tauchte an der öffentlichen Orientierung die Frage auf, wie die Thematik gehandhabt würde, wenn der Einheimische ein Mehrfamilienhaus bauen würde. Der anwesende Spezialist Peter Perren der Berner Ortsplanungsfirma Ecoptima erklärte dazu, dass die Zweitwohnungen wohl dem Kontingent unterstellt würden. Und: Die Umsetzung der Kontingentierung wohl nicht einfach werden würde. Emanuel Schläppi präsentierte interessante Zahlen zur Bautätigkeit in Grindelwald: So wurde in den vergangenen zwei Jahren weniger gebaut, als die Initiative vorsieht: 2009 rund 1500 Quadratmeter für Zweitwohnungen und 1000 Quadratmeter für Erstwohnungen. Markus Friedli von der Immobilienfirma Griwaplan äusserte sich wie folgt zu der Initiative: «Kurzfristig gibt es einen Bauboom, weil jeder noch eine Baubewilligung eingibt, um dem Gesetz zu entgehen.» Dies bestätigte Schläppi, es seinen in den letzten Monaten deutlich mehr Baugesuche eingereicht worden. Unklar war auch, wer dereinst – sollte die Initiative angenommen werden – für die 2000 Quadratmeter den Zuschlag erhalten würde. Stefan Brügger von der Firma KA-Holzbau: «Es ist klar, dass dann am 1. Januar eine Flut von Baugesuchen auf der Gemeinde eintrifft, weil jeder Angst hat, im Verlauf des Jahres keine Bewilligung mehr zu erhalten.» Peter Perren räumte ein, dass in der Schweiz nur wenige Regionen Erfahrungen mit der Umsetzung einer solchen Initiative hätten. Deshalb hat der Gemeinderat einen Gegenvorschlag ausgearbeitet: Er schlägt als Alternative eine flexible Lösung je nach Bedarf vor. Diskutiert an der Versammlung wurde noch Steuererleichterungen, wenn jemand sein Bauland nicht überbaut. Ebenso Ersatzabgaben für mögliche Auszonungen bei der nächsten Zonenplanrevision. Die letzte stammt aus dem Jahr 1996. Dazu sagte der Präsident des Handwerker- und Gewerbevereins, Peter Bohren: «Für den Bürger muss die Rechtssicherheit darin bestehen, dass das Baureglement nicht alle zwei Jahre ändert und seine Anliegen in der nächsten Zonenplanrevision berücksichtigt werden.»Fritz LehmannÖffentliche Auflage des Baureglements auf der Gemeindeverwaltung: 22. September bis 21.Oktober. Abstimmung an der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember im Kongresssaal Grindelwald. >

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