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«Antigone»: Modern, aber überfrachtet inszeniert

LangenthalDas Publikum im Langenthaler Stadttheater bekam eine aktualisierte Version von Sophokles’ «Antigone» zu sehen. Zu viele Anspielungen an die Zeit von heute lenkten jedoch vom Stück ab.

Das Gerippe eines ausgebrannten, mit Blut verschmierten Busses bildet den Hintergrund der Szenerie, davor sechs Fernsehmonitore. Sie zeigen Alltagsbilder und die Gesichter von Jugendlichen. Immer wieder werden die Bilder von Störungen unterbrochen, deren Geräusch an Gewehrsalven erinnert. Der Krieg ist zu Ende; doch er setzt sich im familiären Umfeld fort. Gotteskrieger und Häftlinge Kreon hat Theben vor dem Untergang bewahrt. Doch er regiert mit eiserner Hand. Peter Kaghanovitch im Tarnanzug gibt ihn schmierig und erinnert entfernt an Tschetscheniens Diktator Kadyrov. Widerstand gegen ihn ist aussichtslos. Das erfährt Antigone, als sie das Bestattungsverbot bricht, und Sohn Haimon, der sich für sie einsetzt. Antigone wird im orangefarbenen Anzug der Quantánamo-Häftlinge lebend eingemauert und erhängt sich. Haimon folgt ihr in den Tod. Es ist stimmig, das – allerdings vom Krieg unversehrte – Theben in die Jetztzeit zu verlegen. Doch Regisseur Hansgünther Heyme opfert die Dynamik des Stücks, indem er es mit Anspielungen überfrachtet. Die Darstellerin der Antigone (Shadi Hedayati) stammt aus dem arabischen Raum. Ismene, die als Einzige unversehrt zurückbleibt, wird von einer körperlich stark beeinträchtigten Darstellerin (Jana Zöll) gespielt. Haimon (Mathias Wendel) trägt das Gewand eines Gotteskriegers, seine Mutter das Kopftuch. Und Teiresias (Wolfgang Robert) erscheint als Alt-Rocker, was bei den jugendlichen Zuschauern Lacher provoziert. Der Zuschauer wird vom Konflikt zwischen Antigone und Kreon, dem Konflikt zwischen Macht und Widerstand, zwischen Mann und Frau, abgelenkt. Von den jugendlichen Zuschauern sagte der 17-jährige Gymnasiast Jens Casper aus Niederbipp nach der Vorstellung: «Der Text ist nahe am Original. Aber der Versuch der Regie, etwas Neues auszuprobieren, ist nicht gelungen.» Die 55-jährige Nicole Bischof aus Langenthal blieb von der Aufführung unberührt. «Mir fehlt die Dynamik», sagte sie. «Zudem hat mich die Aufpeppung mit Aktualität nicht überzeugt.» Dennoch: Das Publikum im Stadttheater spendete dem Ensemble warmen Applaus. Prisca Rotzler Köhli>

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