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«Auch Immobilien sind keine sichere Währung»

KonjunkturDie sich abkühlende Konjunktur wird nur verzögert auf den Immobilienmarkt durchschlagen. Dennoch wäre es falsch, zu glauben, die Liegenschaftspreise in der Schweiz würden in jedem Fall weiter zulegen. Das zeigt eine Studie der UBS.

Eigentlich braucht man weder eine Statistik noch eine dicke Studie – ein Blick aus dem Fenster genügt, um die vielen Baukräne zu sehen. In fast allen Regionen der Schweiz wird gebaut, was modernste Betonmaschinen hergeben. Pro Jahr zieht das Baugewerbe rund 45000 neue Wohnungen hoch, die gesamten Bauinvestitionen liegen bei rund 57 Milliarden Franken – jedes Jahr. Aus einer gestern in Zürich publizierten neuen Studie der Grossbank UBS geht hervor, welche Bedeutung diese Blüte der Immobilienwirtschaft inzwischen für die Schweiz hat: Die hohe Bautätigkeit trägt entscheidend dazu bei, dass wir 2011 noch ein Wirtschaftswachstum verzeichneten, und sie wird die Konjunktur weiter stützen. Die seit 10 Jahren in den meisten Regionen der Schweiz steigenden Preise für Liegenschaften haben zudem den Effekt, dass sich die Leute «reicher» fühlen. Dies wiederum führt zu optimistischen Erwartungen und ist dem Konsum förderlich. Jede weitere Handänderung zu einem guten Preis stärkt den Glauben an den Boom. Rekordhohe Schulden Die Hauptbotschaft der UBS-Autoren lautet aber: Niemand kann verlässlich vorhersagen, dass sich diese Erfolgsgeschichte beliebig fortsetzt. «Wir haben bereits für 2011 mit einer Beruhigung der Preise gerechnet, doch diese ist im letzten Jahr noch nicht eingetreten», sagt Claudio Saputelli, Immobilienanalyst bei der UBS, nachdenklich. Für das laufende Jahr rechnet er noch einmal mit positiven Trends: Laut UBS werden sich Eigentumswohnungen gesamtschweizerisch um rund 4 Prozent verteuern, Einfamilienhäuser um 3,5 und Mietwohnungen um 1,5 Prozent. Parallel zum Preisanstieg verzeichnet auch das Schweizer Hypothekarwachstum seit Jahren stolze Zuwachsraten – das Total der Hypotheken legt jedes Jahr um rund vier bis fünf Prozent zu. «Keine Garantie» Jede grössere Veränderung der Randbedingungen könnte bei dieser Mixtur weitreichende Folgen haben. Was, wenn die Zinsen überraschend anziehen? Wenn die Wirtschaft doch in eine Rezession abrutscht oder uns ein neuer Ölschock blüht? Claudio Saputelli sagt dazu: «Es ist ein Irrtum, zu glauben, Immobilien als Alternative zu Aktien, Fremdwährungen oder Gold seien in jedem Fall sicher.» Obwohl Institutionen wie die Schweizerische Nationalbank oder die Finanzmarktaufsicht seit 2010 wiederholt auf mögliche Risiken aufmerksam gemacht haben, zeichnet sich keine Spur von Zurückhaltung ab: Die Privathaushalte sind weiter vom Immobilienfieber angesteckt, Investoren zahlen Höchstpreise für Bauprojekte und Liegenschaften, und die Banken verleihen dem Boom mit reichlich günstigem Geld zusätzlich Schub. Besonders augenfällig ist in diesem Zusammenhang die Raiffeisen-Gruppe: Gemäss den neusten erhältlichen Zahlen vom Sommer 2011 beziffern die Genossenschaftsbanken das Total ihrer Hauskredite mit 124 Milliarden Franken – das war gegenüber dem Jahr zuvor ein stolzer Zuwachs um über acht Prozent. Damit wachsen die Raiffeisen-Banken weit stärker als der Markt. Risiken nahmen zu Seit dem letzten Frühling publiziert die UBS vierteljährlich einen «Bubble-Index», der quasi das «Fieber» des Immobilienmarktes misst. Auch dieser Indikator weist auf eher steigende Risiken hin. Für den Gesamtmarkt lautet die Einschätzung zwar nicht auf «riskant», aber doch «Boom». Zu den erklärten Risikoregionen gehören die Ufer an den Seen in den Kantonen Genf, Zürich und Zug, das Oberengadin sowie im Kanton Bern der Raum Saanen-Obersimmental. Laut Claudio Saputelli wäre es falsch, wenn sich alle, die nicht gerade an den «Hotspots» Eigentümer geworden sind, jetzt in Sicherheit wiegen würden. Von geplatzten Immobilienblasen in anderen Ländern weiss man, dass sich eine Korrektur an den 1a-Lagen bald überregional ausbreiten und Folgen für den gesamten Immobilienmarkt haben kann.Jürg Zulliger>

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