Auf den Spuren des Marmors

Merligen

Die Stadtkirche hat ihn, im Schloss Jegenstorf findet man ihn, und sogar im Bundeshaus Bern kommt er vor: der Merliger Marmor. Er hat dem kleinen Dorf früher viel Nutzen gebracht und soll nun auch mehr Touristen nach Merligen bringen.

Eine der Infotafeln: Sie erklärt den Besuchern den Merliger Marmor und dessen Geschichte.

Eine der Infotafeln: Sie erklärt den Besuchern den Merliger Marmor und dessen Geschichte.

(Bild: Patric Spahni)

Ein Felssturz von der Spitzenfluh brachte das wertvolle Gestein in Merligen ein erstes Mal ans Tageslicht. In welchem Jahr sich dieser Sturz ereignete, ist nicht aktenkundig.

Die Merliger haben nach dem Felssturz begonnen, die Steine am Seeufer in kleinere Stücke zu zerlegen und abzutransportieren. Nach und nach haben sich die Arbeiter immer weiter den Berg hinaufgearbeitet, um immer mehr Felsbrocken zu zerkleinern und nach Thun oder Bern zu bringen.

Feinarbeit in der Steinmetze

Bekannt ist, dass vor allem in den Jahren zwischen 1700 und 1860 intensiv Kalkstein (vgl. Infobox) abgebaut werden konnte. Dieser wurde mit Steinbrecherwerkzeug in die passende Grösse zerlegt und mit Schubkarren, Schlitten oder unterlegten Rollen zum Seeufer befördert. Die Steinblöcke wurden am Thunersee auf Schiffe verlegt und so nach Thun oder Bern transportiert.

Feinere Arbeiten erfolgten in Werkstätten der Berner Steinmetze, und schliesslich konnten aus dem Merliger Marmor Brunnentröge, Sockel- und Pflastersteine, Cheminée-Einfassungen und Grabmäler hergestellt werden.

Eingestellt wurde der Abbau des Marmors mit dem Aufkommen der ersten Eisenbahnen um 1860: Die Gesteine konnten zu viel billigeren Preisen aus dem Ausland in die Schweiz gebracht werden. Merligen war nicht mehr konkurrenzfähig.

Marmor auch im Bundeshaus

Seine bedeutendste Verwendung fand der Marmor im Parlamentsgebäude in Bern. Dort wurde er für die Treppe im Eingangsbereich gebraucht. Da der Abbau des Marmors aber noch vor dem Aufbau des Bundeshauses eingestellt wurde, musste bereits verwendeter Marmor für die Handläufe und Postamente der Haupttreppe dienen.

Zurückgegriffen wurde dabei auf die Sockelsteine des ehemaligen Inselspitals, das früher an der gleichen Stelle platziert war, wo heute das Bundeshaus steht.

Neben dem Parlamentsgebäude findet der Marmor aus Merligen auch in Thun einen Ehrenplatz: Das Taufbecken der Stadtkirche Thun wurde 1817 aus dem Gestein hergestellt.

Projekt Rundweg Fuchseren

Damit die Geschichte des für Merligen historisch wichtigen Marmors an das Volk weitergegeben werden kann, hat ein sechsköpfiges Team in den vergangenen drei Jahren einen Rundweg geschaffen.

Mit dem Projekt «Merliger Marmor» möchte das Dorf Merligen mehr Attraktivität gewinnen und das Wissen um die Wertigkeit des Marmors in der Öffentlichkeit erhalten.

«Der Rundweg Fuchseren soll nicht nur eine Attraktion für Touristen sein, auch das Dorf Merligen und die Gemeinde Sigriswil sollen den Merliger Marmor nicht vergessen», sagt Alfons Bichsel, einer der Co-Leiter des Projektes.

Die auf dem Rundweg platzierten Informationstafeln sollen Gästen der Region Thunersee, Vereinen, Schulen und historisch interessierten Menschen die Geschichte des Merliger Marmors aufzeigen, erklären, wie der Kalkstein früher abgebaut und transportiert wurde.

Der Rundweg Fuchseren führt an der 75-jährigen Kirche in Merligen vorbei zum Bodenacher. Dort kann seit kurzem auch ein Bunker besichtigt werden, der vom Infanterie- und Festungsverein Berner Oberland übernommen wurde. Vorbei an einer Panoramatafel führt der Rundweg dann in die Fuchseren und schliesslich zur Gärbe.

Öffentliche Veranstaltung

Alfons Bichsel hat gemeinsam mit Sandro Ortu, ebenfalls Co-Leiter, und vier weiteren Mitgliedern von Merligen-Volkswirtschaft-Tourismus, wozu der Wassersport, der Tourismus, die Badgenossenschaft und der Dorfvorstand gehören, das Projekt «Merliger Marmor» auf die Beine gestellt.

Nun geht es an den Merliger Tourismus über, welcher die Weiterführung übernimmt und für kommendes Jahr auch Führungen plant. Der Rundweg Fuchseren wurde kürzlich eingeweiht.

Berner Oberländer

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