Auf den Spuren des Vogellisi

Adelboden

Am Samstag wird der neue Vogellisi-Erlebnisweg eröffnet. Die Initiantin Annemarie Stähli hat der Oberländer Sagenfigur erzählerische Gestalt verliehen. An elf Posten ist das Vogellisi nun hautnah erlebbar.

Initiantin Annemarie Stähli-Richard und Projektleiter Björn Luginbühl erfreuen sich am Kräuterhäuschen. Bis zur Eröffnung des Erlebnisweges wird dessen Umgebung die Baustellenaura verloren haben. Foto: Markus Hubacher

Initiantin Annemarie Stähli-Richard und Projektleiter Björn Luginbühl erfreuen sich am Kräuterhäuschen. Bis zur Eröffnung des Erlebnisweges wird dessen Umgebung die Baustellenaura verloren haben. Foto: Markus Hubacher

Dass das Vogellisi «vom Adelbode här» kommt, weiss hierzulande jedes Kind. Auch welchem Lied die Figur ihren Kultstatus verdankt, ist weitherum bekannt. Doch wenn es darum geht, irgendetwas Weiteres zum berühmtesten Lisi des Landes zu sagen, geraten selbst alteingesessene Adelbodner ins Stocken. Genau hier setzte die Regisseurin und Kinderbuchautorin Annemarie Stähli-Richard an.

Einige Jahre ist es her, seit sie der ehemalige Chef der Licht- und Wasserwerk Adelboden AG, Emanuel Aellig, anging. Er hatte gerade Stählis «Anastasia», eine Theaterproduktion der Oberländer Märlibühni, gesehen. «Er sagte: ‹Mach doch mal einen Erlebnisweg statt ein Theater!›», erinnert sich die ausgebildete Kindergärtnerin. «Und plötzlich war das Thema Vogellisi da.»


Diese 500 Kilogramm schwere Skulptur wurde an einem Posten in die Bäume gehängt. Foto: PD

Vogellisi erhält Geschichte

Zuvor hatte die gebürtige Adelbodnerin schon länger den Gedanken gehegt, in irgendeiner Form die Geschichte ihres Heimatdorfes aufzugreifen. Ein Erlebnisweg schien ihr nicht die schlechteste aller Gelegenheiten dazu. Eins war aber klar: «Wenn es einen Erlebnisweg geben soll, muss es auch eine Geschichte dazu geben», sagt Stähli. Also machte sie sich an ein Kinderbuch zum Vogellisi. Sie schrieb der bis dahin nebulösen Figur eine Geschichte auf den Leib; die Geschichte eines Mädchens, das in armen Verhältnissen aufwächst und über eine besondere Gabe verfügt: Sie kann mit Vögeln sprechen.

Das Buch gab Annemarie Stähli 2017 mit ihrer Kulturreich GmbH heraus. Eines führte zum anderen: «Mit dem Entscheid, ein Buch herauszugeben, fassten wir bei der Märlibühni auch den Beschluss, die Geschichte als Theater zu inszenieren», sagt Stähli. Die Theaterproduktion lockte in den vergangenen zwei Sommern rund 20000 Besucherinnen und Besucher nach Steffisburg.

Zugleich wurde das Projekt Erlebnisweg immer konkreter: Die Bergbahnen Adelboden AG (BAAG) war rasch an Bord, ebenso die Tourismusorganisation TALK und die Gemeinde. «Es fehlte aber noch viel Geld», erinnert sich Stähli. Genügend Sponsoren zu finden, erwies sich als harzig: «Ich hatte noch nie zuvor so viele Absagen für ein Projekt erhalten», blickt Stähli zurück, die zuvor immerhin schon für zahlreiche Theaterprojekte Sponsoren akquiriert hatte. Erst Ende letzten Jahres folgte die Gewissheit, dass die Finanzierung stand.

Langer Weg zum Weg

Derweil hatte das Projektteam die Planung weiter vorangetrieben. «Hätten wir alles abwarten wollen, wäre das Projekt frühestens 2020 zustande gekommen», sagt Stähli. Den zeitlichen und auch finanziellen Aufwand für die nötigen Gutachten und Bewilligungen hatte das Projektteam anfangs nämlich unterschätzt. «Für die elf Posten mussten wir zum Beispiel eigens eine Änderung der Überbauungsordnung erarbeiten und genehmigen lassen», sagt Björn Luginbühl, technischer Leiter der BAAG, der Anfang Jahr die Projektleitung übernahm.

Jetzt, kurz vor der Eröffnung des Weges (siehe Box), sind die Mühen der Planung fast vergessen. «Es ist super herausgekommen», freut sich Annemarie Stähli, die das Kräuterhäuschen beim Fototermin zum ersten Mal in echt sieht. Das verspielte Haus ist die aufwendigste Station des Weges. Gebaut hat es die Holzbau Burn AG aus Adelboden.

Zwar hat mit Kukuk eine auf Spielräume spezialisierte Basler Firma die Posten im Detail geplant, «viele Arbeiten wurden aber lokal vergeben», betont Luginbühl. Das ist nicht nur im Sinne der Initiantin, auch Vogellisi selber würde sich darüber freuen. Die Verbundenheit mit der Region brauchte Annemarie Stähli der Kultfigur nämlich nicht erst anzudichten.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt