Autobahnanschluss: GR muss Gas geben

Spiez

Faulensee soll einen Autobahnanschluss erhalten. Das beschloss das Gemeindeparlament gegen den Willen des Gemeinderats.Die Aussichten auf Erfolg dürften indes gering sein.

Der Gemeinderat muss nun in Sachen Autobahnanschluss Vollgas geben.

Der Gemeinderat muss nun in Sachen Autobahnanschluss Vollgas geben.

(Bild: Bruno Petroni)

Faulensee mag keine halben Sachen. Der Autobahnanschluss an die A8 im Güetital ist ein Halb- und kein Vollanschluss. Das sei zu ändern, fanden zwei bürgerlichen Spiezer Ortsparteien, die SVP und die FDP. Sven Rindlisbacher und ein Dutzend Mitunterzeichner forderten deshalb per Motion, dass sich der Gemeinderat (GR) «mit all seinen zur Verfügung stehenden Mitteln» im Zug der Autobahnsanierung beim Bundesamt für Strassen (Astra) für einen neuen Autobahnanschluss einsetzen soll.

Der GR empfahl dem Grossen Gemeinderat (GGR), die Motion abzulehnen. Weil er nicht an eine reelle Chance für das Vorhaben glaubt (wir berichteten). «Es ist eine gut gemeinte Idee und würde den Durchgangsverkehr in Spiez ein Stück weit verringern», meinte Planungsvorsteher Rudolf Thomann, selbst ein SVP-Mann aus Faulensee. Aber: Die Antwort des Astra auf die Anfrage sei «ernüchternd» gewesen. Bei der bereits sehr hohen Anschlussdichte sei ein solches Vorhaben praktisch nicht zu realisieren, wurde den Spiezern beschieden. Und auch, dass kein Bedarf bestehe. Auch nicht eben auf der Überholspur wähnt Gemeindepräsidentin Jolanda Brunner die Absicht für einen Anschluss: «Es hiess, andernorts habe es viel mehr Stau.»

«Wunsch Dritter»

Laut dem Astra könnte der Kanton Bern das Anliegen als sogenannten «Wunsch Dritter» einbringen. Das Meccano: Nach erfolgter räumlicher Abstimmung müsste der Kanton eine Zweckmässigkeitsuntersuchung durchführen und gestützt darauf beim Bund die Realisierung des Anschlussvorhabens beantragen. Die Untersuchung würde zeigen, ob eine zweckmässige Lösung möglich ist.

An diesen Strohhalm klammerten sich die Unterstützer der Motion in der GGR-Debatte. Peter Gertsch meinte als Vertreter des abwesenden Motionärs: «Das Vorhaben ist nicht aussichtslos, verlieren können wir nichts.» Und er gab das Orakel, indem er erklärte: «Ich wage zu behaupten, dass wir den Verkehrskollaps in Spiez vor dem 60. Läset-Sunntig haben werden.» Der 50. war am Wochenende.

Die FDP (Rolf Schmutz) fand, dass man nichts unversucht lassen und beim Kanton vorstellig werden sollte. «Wir müssen jetzt ein Zeichen setzen.» Die EVP (Markus Wenger) wollte wissen, wie gross die Chance für einen Anschluss sei. Rudolf Thomann konnte «keine verbindliche Antwort» geben. Als Einzelsprecherin wunderte sich Marianne Hayoz Wagner (SP), dass «Parteien, die sonst immer sparen wollen, einen Autobahn-Vollanschluss fordern, der unheimlich viel Geld kostet». Und Kollege Roland Müller mahnte: «Es sieht aus, dass in nächster Zeit nichts zu machen ist. Das Überweisen der Motion wäre ein Beüben der Verwaltung.»

Die GGR-Mehrheit teilte seine Ansicht nicht; der Vorstoss wurde mit 17 zu 13 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen. Die Mittepartei FS/glp spielte das Zünglein an der Waage – pro Bürgerliche, kontra Gemeinderat. Der muss nun in Sachen Autobahnanschluss Vollgas geben.

jss

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