«Barrieren abbauen, Menschen integrieren»

Wimmis

Beim Projekt «Wimmis Begegnung» treffen sich Einheimische und Asylsuchende. Ein Besuch.

Fröhliches Beisammensein: Die syrische Mutter Amina Mustafa mit Sohn Mohammed, Ersatzgrosi Rosmarie Schild und Gemeinderat Matthias Bigler am Flüchtlingstreff in der Pfrundscheune.

Fröhliches Beisammensein: Die syrische Mutter Amina Mustafa mit Sohn Mohammed, Ersatzgrosi Rosmarie Schild und Gemeinderat Matthias Bigler am Flüchtlingstreff in der Pfrundscheune.

(Bild: Monika Hartig)

Am Samstagmorgen macht sich Esther Bigler mit ihrem Velo auf zur Pfrundschüür in Wimmis. Im Gepäck hat sie Spiele aus privatem Fundus wie Dame, Mühle, Memory oder Spielkarten. Zum zehnten Mal in Folge soll an diesem 26. Januar der Event Wimmis Begegnung stattfinden. Dessen Ziel: Flüchtlinge aus der Region und Neuzuzüger sollen die Situation von Wimmis kennen lernen. Man will Barrieren abbauen, helfen, integrieren, Vertrauen schenken und gewinnen. «Mir ist dies ein Herzensanliegen», so Esther Bigler, zuständig für Jugendarbeit im Kirchgemeinderat Wimmis und Lehrerin der vierten/fünften Klasse.

Kuchen aus aller Welt

In der Pfrundschüür stehen zwei Tische voller Leckereien bereit, Fasnachtschüechli, Zimtwaffeln oder allerlei Kuchen. Nicht nur die Frauen vom Kirchgemeinderat, auch einige Flüchtlingsfrauen haben Spezialitäten ihres Landes beigetragen. So beispielsweise Amina Mustafa, die eine Schwarzwäldertorte auf syrische Art gebacken hat. Für die siebenköpfige Familie Mustafa heisst es Abschied nehmen: Nach drei Jahren in Wimmis zieht sie am 1. Februar nach Thun um. «Das tut etwas weh, denn hier sind wir alle wie eine grosse Familie», so der Familienvater.

Etwas traurig über den Wegzug ist auch Rosmarie Schild (83): «Ich habe die syrische Familie im Zug kennengelernt, danach wurde ich als Grosi adoptiert. Wir hatten es gut zusammen.» Immer mehr Gäste strömen in die Pfrundschüür, die Atmosphäre ist herzlich und locker. Man kennt sich, man mag sich. Erstmals machen zwei Thailänderinnen mit, Rachaba Lörtscher und Khamthong Jakob mit Sohn Jonas. An einigen Tischen wird gespielt: Memory oder das Kartenspiel Uno. «Jassen kennt man auch in Thailand, doch die Regeln sind anders», sagt Rachaba Lörtscher. Andere Gäste unterhalten sich lieber; doch alle geniessen das gesellige Zusammensein.

Hilfe bei Alltagsproblemen

Seit längerer Zeit hat Wimmis das Asylwesen an den Verein Asyl Berner Oberland (früher Asylkoordination der Stadt Thun) ausgelagert, wo auch die Sprachkurse stattfinden. Den Alltag mussten Asylsuchende grösstenteils selbst bewältigen, ohne die hiesigen Regeln zu kennen. Gemeinderat Matthias Bigler: «Unsere Idee war, die Flüchtlinge zu unterstützen, etwa bei Behördengängen, Nachbarschaftskonflikten oder mit Aufgabenhilfe für die Kinder.»

Dafür spannten die Gemeinde, die Schule, die Evangelische Allianz und die Kirchgemeinde zusammen. Ab Februar 2018 wurden Themensamstage wie etwa Brotbacken, Grillieren im Sommer oder die Teilnahme am Wimmis-Märit mit Erfolg organisiert. Gast und Sozialpädagoge Andrea Müller (37) findet: «Das ist eine gute Chance für das Dorf Wimmis, seinen Horizont zu erweitern.» Und Martin Graf, Präsident der Kirchgemeinde, sagt: «Nun sind unsere Flüchtlinge nicht mehr Fremde. Man wechselt gerne ein paar Worte mit ihnen, auf der Strasse oder im Zug.»

In Wimmis leben etwa 30 Ausländerinnen und Ausländer mit Ausweis N und F; vor allem Afghanen, Syrer und Eritreer. Gemeinderat Matthias Bigler: «Zu unserem Treff kommen auch Familien aus Erlenbach oder Oey-Diemtigen. Wir finden es toll, dass sie unser niederschwelliges Angebot nutzen.» Ehefrau Esther Bigler ist Lehrerin für Werken, Musik, Sport und Französisch: «Ich finde es herausfordernd und inspirierend, Kinder aus anderen Kulturkreisen zu unterrichten und ihnen den Zugang zur Sprache zu ermöglichen.» Auch die Afghanin Sahel Khavari, die neu als Haushalthilfe bei Familie Bigler arbeitet, profitiert von der Lehrkraft: «Wir putzen zusammen mein grosses Haus, dabei lernt Sahel auf kreative Art unsere Sprache.»

Gegen Ende des Begegnungstags ist das Kuchenbuffet nahezu leer gegessen; befragte Gäste fühlen sich von den Begegnungen bereichert. An einem allfälligen nächsten Themensamstag soll es um Musik gehen. Jede und jeder soll dazu ein Lied aus der eigenen Kultur beitragen.

Berner Oberländer

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