Baustellen nur bis Sommer 2019

Thun

Es gibt im Jahr 2018 auf den Innenstadtbaustellen keine längeren Arbeitszeiten und keine Ausdehnung der Arbeiten bis in den November. Trotzdem wollen Stadt und Kanton die Gesamtbauzeit verkürzen.

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Seit Anfang April herrscht Aufruhr in der Innenstadt: Die beiden Grossbaustellen von Stadt Thun, Energie Thun AG und Kanton am Berntor und am Lauitor sorgen für Verkehrsbehinderungen – und teilweise massive Umsatzeinbussen bei Geschäften.

Unternehmer und Verbände forderten mit Unterstützung der Politik in einem Postulat und mit einer von über fünftausend Personen unterschriebenen Petition Massnahmen und die Verkürzung der Gesamtbauzeit in der zweiten Bauetappe 2019 – etwa mit einem Zweischichtbetrieb und der Verlängerung der Arbeiten nach dem Ausschiesset bis in den Spätherbst. Seit gestern ist klar: Stadt und Kanton bieten Hand – wenn auch nicht in der geforderten Art und Weise.

Dank Bonus-Malus-System

Die Bedenken von Gewerbe und Politik seien berechtigt, erklärte Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) vor den Medien. Und: «Unser gemeinsames Ziel ist es, die Bauzeit zu verkürzen.» Erreicht werden soll dies, indem die zweite Bauetappe ab Frühling 2019 kürzer ausfällt: «Bis spätestens Ende der Sommerferien 2019 wollen wir fertig sein.»

Bisher war geplant, die Arbeiten vor dem Ausschiesset im September 2019 zu beenden. Der Abschluss Ende der Sommerferien sei das «Minimalziel», betonte Markus Wyss, Kreisoberingenieur des Kantons. Möglich machen soll dies ein Bonus-Malus-System, das mit den Unternehmern vereinbart wird. Wyss: «Pro Tag, den sie früher fertig sind, werden sie mit einem bestimmten Geld­betrag entschädigt.» Werden sie später fertig, verlieren sie Geld.

Zur Höhe der Beträge konnte Wyss noch keine Angaben machen: «Wir sind daran, die Ausschreibungsunterlagen vorzubereiten.» Ausserdem sind in der Bauetappe 2019 Arbeitszeiten von 6 bis 22 Uhr statt nur von 8 bis 17 Uhr möglich. «Damit gehen wir gewisse Risiken ein», führte Markus Wyss aus. So wird der Feierabendverkehr zusätzlich beeinträchtigt. Allerdings werden diese Arbeitszeiten laut Wyss nicht täglich ausgeschöpft. Ein Ziel sei es zudem, dass die Burgstrasse möglichst rasch wieder beidseitig befahrbar ist.

«Viele Risiken»

Für Wyss und Lanz ist klar: Die Verkürzung der Gesamtarbeitszeit entspricht der Forderung von Postulat und Petition. Aber warum ist es nicht möglich, schon jetzt die Arbeitszeiten zu ver­längern und auch nach dem Ausschiesset weiterzuarbeiten?

Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) lieferte die Erklärungen: «Mit einem Zweischichtbetrieb hätten wir Mehrkosten ohne einen Produktivitätsgewinn.» Sämtliche betroffenen Baufirmen hätten davon abgeraten – unter anderem weil die Abläufe bei den Werk­leitungsarbeiten zu komplex seien.

Die Ausdehnung von Arbeitszeiten und Bauphase wäre laut Hädener denkbar, biete aber viele Risiken. Etwa die zusätzlichen Behinderungen im Feierabendverkehr. Oder eine weitere Be­einträchtigung der Innenstadtgeschäfte: «Wenn die Bauarbeiten beendet sind, kehren die ­Leute nicht sofort wieder in die Innenstadt zurück», gab Hädener zu bedenken. Entsprechend gross wären die Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft. Zudem müssten die Arbeiten bei einem frühen Wintereinbruch unplanmässig eingestellt werden – «dann hätten wir jeglichen Vorsprung verloren und hätten Kosten ohne einen Gegenwert».

Kosten wären hoch gewesen

Die Umstellungen hätten die Stadt laut Konrad Hädener rund 200 000 Franken gekostet, den Kanton gegen eine Million. Doch warum sind 2019 längere Arbeits­zeiten möglich, 2018 aber nicht? Stapi Raphael Lanz antwortete: «2018 haben wir eine Kumulation der Risiken. 2019 ist das Risikoprofil anders – das beeinträchtigte Weihnachtsgeschäft oder mögliche Kälteeinbrüche fallen weg.»

Markus Wyss ergänzte: «Auch aufgrund der Erfahrungen mit der Verkehrssituation sind wir der Meinung, dass wir das Risiko 2019 in Kauf nehmen können.» Mit der nun gefunden Lösung sollen keine Mehrkosten entstehen – und die Risiken können laut Lanz minimiert werden. «Zudem geben wir nach dem Ausschiesset die Parkplätze in der Marktgasse ­wieder zur Benützung frei.» Zusammen mit der Eröffnung des Schlossberg-Parkings und der ab Herbst bis Frühling 2019 beid­seitig befahrbaren Burgstrasse erhofft sich der Gemeinderat eine Belebung der Unterstadt.

Dafür ist er im Weiteren bereit, die Hälfte der theoretisch für die Umstellungen seitens der Stadt nötigen Mehrkosten für die Attraktivierung auszugeben – also 100 000 Franken. «Wir glauben, dass wir mit diesem Geld etwas Nachhaltigeres schaffen können», sagte Lanz. Welche Massnahmen genau umgesetzt werden, soll nun zusammen mit den Gewerblern definiert werden.

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