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Begegnung

Als Protestant in einer katholischen Gegend aufgewachsen, weiss Hanspeter Uster um die Herausforderungen, welche Minderheiten zu meistern haben.

Der 53-jährige Hanspeter Uster ist ein sehr zuvorkommender Mensch: Er entschuldigt sich als Erstes für den kargen Raum in seinem Haus in Baar, in dem das Gespräch stattfindet. Damit offenbart sich eine andere Charaktereigenschaft des ehemaligen grünen Zuger Regierungsrates, der Perfektionismus. So speist er den Interviewer nicht mit einer knappen halben Stunde ab, sondern hat über zwei Stunden Zeit eingeplant. Er ringt nach den richtigen Worten, um die einschneidenden Erlebnisse des 27.September 2001 zu beschreiben – man bekommt das Gefühl, dass sich das Attentat vor seinem inneren Auge nochmals abspielt. Ganz anders ist seine Wortwahl, wenn die Sprache auf die Politik kommt. Dann kommen seine Einschätzungen schnell und gestochen scharf. Und kontrastieren oft mit der vorherrschenden Meinung. Die grosse Leidenschaft in seiner Argumentation hat viel mit seiner Familiengeschichte zu tun. «Als Protestant in einer katholischen Hochburg habe ich schon früh gelernt, die Argumente zu schärfen und mit Verve vorzutragen», analysiert Uster. Sein Grossvater wuchs im Oberaargau als Verdingbub auf. Erst anlässlich seiner Hochzeit in Seeberg erfuhr er, dass er eigentlich Bürger von Baar ist. Daraufhin zog es ihn dorthin, obwohl ihm die Baarer Behörden bei seiner Ankunft mitteilten, er könne schon bleiben, aber dann müsse er katholisch werden. Das habe er, so sein Enkel, natürlich nicht gemacht und sei demonstrativ jeden Sonntag in die reformierte Kirche gegangen. Sein Grossvater habe auch sein breitestes Berndeutsch regelrecht zelebriert. «Deshalb gelten wir im Kanton Zug noch immer als Berner Uster», erzählt der zweifache Familienvater, in lupenreinem Baarer-Dialekt. «Baarer unterscheiden sich von den Zugern unter anderem auch durch einen leichten Zürcher-Dialekt-Einschlag», meint Uster augenzwinkernd. «Chnuspi», wie sie ihn im Kanton Zug nennen, musste als Regierungsrat der Grünen Partei viel Kritik einstecken, eckte er mit seiner pointiert linken Einstellung im reichen Kanton doch des Öftern an, etwa mit seinem Engagement gegen die Tiefsteuerpolitik, wurde aber immer sehr gut gewählt. Von 1991 bis 2006 war er Sicherheitsdirektor. In diesem Amt wurde er während des Attentats im Jahre 2001 angeschossen. Heute leitet Uster an der Hochschule Luzern ein Zentrum für Staatsanwaltsausbildung, ist Präsident der gesamtschweizerischen Trägerschaft für die Kaderausbildung der Polizei und wird gerne vom Bund und von anderen Kantonen als Spezialist im Justiz- und Sicherheitsbereich herangezogen. In dieser Tätigkeit hat er sich einen Namen als seriöser und unvoreingenommener Experte gemacht, zuletzt im Fall Kneubühl, als er die Rolle der Berner Polizei untersuchte.gr>

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