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Bericht des Vormunds kam 18 Monate zu spät

RegionEin Gemeinderat steht unter dem Verdacht, Mündelgelder veruntreut zu haben. Haben die Aufsichtsbehörden zu spät reagiert?

Gegen einen Gemeinderat aus der Region läuft eine Strafuntersuchung. Wie die Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau am Montag informierte, soll der Mann 2008 und 2009 in seiner Funktion als Vormund von zwei Personen Mündelgelder in Höhe von mindestens 36000 Franken veruntreut haben (BZ von gestern). In welcher Gemeinde der Mann Exekutivmitglied ist und in den Zuständigkeitsbereich welcher Gemeinde seine Mündel fallen, war jedoch auch gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Klar ist nur: Der Mann ist in der Region Emmental-Oberaargau noch immer Gemeinderat und war dies auch zum Zeitpunkt der Tat schon. Weitere Auskünfte will Staatsanwalt Christof Scheurer nicht geben. Trotz der öffentlichen Funktion des Mannes seien dessen Persönlichkeitsrechte zu wahren. Fragen wirft der Veruntreuungsfall allerdings nicht nur hinsichtlich des Täters auf. Gemäss Medienmitteilung hat die zuständige Vormundschaftskommission die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, nachdem der Vormund seine Geldbezüge als Darlehen, die er bei seinen Mündeln aufgenommen habe, deklariert hatte. Diesen Rechnungsbericht hat er bei der Vormundschaftsbehörde erst diesen Januar eingereicht. Fällig gewesen wäre er jedoch bereits Ende Mai 2009. Anderthalb Jahre lang hatte es die Vormundschaftskommission offenbar bei Mahnungen belassen. Wiederholte Mahnungen entsprächen der Praxis, erklärt Lilian Häfele vom Kantonalen Jugendamt der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion. Blieben die Berichte dennoch aus, müsse die Behörde jedoch das Gespräch mit dem Vormund suchen. Ob dies im vorliegenden Fall angezeigt gewesen wäre, könne sie ohne Kenntnis der genauen Umstände aber nicht beurteilen. Auch Adrian Vonrüti, Vorsteher des Sozialamts Langenthal, warnt vor voreiligen Schlüssen. Natürlich müsse die Vormundschaftsbehörde mit einem privaten Vormund in Kontakt sein, sagt er. Oft gebe es aber ganz naheliegende Gründe, weshalb ein Vormund seinen Bericht nicht zeitig einreiche. Im vorliegenden Fall sei «eine gewisse Schmerzgrenze» tatsächlich überschritten worden. Aber auch das könne vorkommen. «Womöglich hat gerade deshalb niemand Verdacht geschöpft, weil der Vormund ein Gemeinderat ist.» Ein Fehler, wie sich nun gezeigt hat. «Man muss wirklich immer hinschauen», sagt Vonrüti. Und auch der Oberaargauer Regierungsstatthalter Martin Sommer betont: «Es braucht Kontrollen.» Nur wenn die Aufsicht funktioniere, würde Fehlverhalten auch sanktioniert. Neues Gesetz Im Kanton Bern ist das Vormundschaftswesen derzeit noch den Gemeinden unterstellt. Aufsichtsbehörde der kommunalen Vormundschaftsbehörden sind die Statthalter. Das soll bald ändern. Ein neues Gesetz zum Kindes- und Erwachsenenschutzrecht sieht anstelle der heutigen Vormundschaftsbehörden kantonale Fachbehörden vor. Die gesamte Verfahrensleitung werde dadurch sicher korrekter, glaubt Adrian Vonrüti. Eine totale Professionalisierung mit nur noch amtlichen Vormundschaften hätte aber nicht nur Vorteile, sagt der Sozialamtvorsteher. Und: «Auch Profis haben schon Mündelgelder veruntreut.» khl>

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