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«‹Bern neu gründen› tut sein Bestes»

Rosmarie Kiener, Co-Präsidentin von «Bern neu gründen», über die Berner Widerstände, auf die sie stösst, wenn sie die Debatte über engere Zusammenarbeit in der Agglomeration anstossen will.

Frau Kiener, im Westen von Lausanne ist ein Agglomerationsbewusstsein entstanden, das den urbanen Grossraum stärkt. «Bern neu gründen» strebt seit zwei Jahren Ähnliches in Bern an. Wie weit sind wir? Rosmarie Kiener: Am Anfang. Die Agglomerationsgemeinden um Bern tun sich schwerer damit als andere städtische Grossräume in der Schweiz, ihr Gärtchendenken aufzugeben – und realisieren zu wenig, dass sie damit den Wert des ganzen Gartens gefährden. Was heisst das konkret? Bern bemüht sich, sich als Hauptstadtregion auf Augenhöhe mit den Grossräumen Zürich, Basel und Genf-Lausanne zu positionieren. Dafür müsste Bern sein urbanes Zentrum stärken. Stattdessen ist das Kerngebiet, das die Bevölkerung im Alltag längst als einheitlichen Lebensraum wahrnimmt, durch unzählige Gemeindegrenzen fragmentiert. Das führt zu Blockaden. Auch wirtschaftlich? Ja. Das Festhalten an der kommunalen Kleinteilung im stadtnahen Agglomerationsring ist mit ein Grund, warum wir uns hier wirtschaftlich nicht mehr wirklich weiterentwickeln. Bauprojekte an Grenzlagen, wo zwei oder mehr Gemeinden involviert sind, führen oft zu Konflikten und Verzögerungen, die Investoren abschrecken können. Wir schneiden uns ins eigene Fleisch – auch darum, weil wir die landschaftsfressende und teure Zersiedlung antreiben, wenn jede Gemeinde nur ihre eigene Entwicklung im Auge hat. Aber es ist die Bevölkerung, die für die Zersiedlung stimmt, indem sie Einzonungen in zentrumsnahen, gut erschlossenen Lagen ablehnt. Das stimmt. Je weiter draussen eine Gemeinde liegt, desto eher befürwortet sie Einzonungen, weil sie damit Steuerzahler anzieht, dank denen sie die Infrastruktur, Schulen beispielsweise, erhalten kann. Je näher am Zentrum, desto grösser der Widerstand gegen Einzonungen, weil man sich zum Beispiel als Einfamilienhausbesitzer nicht vor die Nase bauen lassen will. Warum verstehen die Leute nicht, dass man an guten, zentralen Lagen verdichten muss, damit nicht noch mehr Grünflächen verbaut werden? Sie verstehen es schon. Aber die meisten finden, sollen sie doch in der Nachbargemeinde oder anderswo verdichten, nicht bei uns. Der Leidensdruck in unserer Agglomeration ist tief, was auch mit dem hervorragenden ÖV-Angebot und der guten Erschliessung für den Privatverkehr zu tun hat. Man kann sehr weit nach draussen ziehen und trotzdem problemlos nach Bern oder sogar nach Zürich zur Arbeit pendeln. Gelingt es «Bern neu gründen», einen Bewusstseinswandel herbeizuführen? Wir tun unser Bestes, mischen uns in Debatten ein, veranstalten Diskussionen, unterhalten einen Thinktank. Wir sind ein parteipolitisch unabhängiger Verein mit limitierten finanziellen Mitteln und sind uns bewusst, dass wir an einem langfristigen Prozess arbeiten. Interview: Jürg SteinerRosmarie Kiener (50) ist Co-Geschäftsführerin des WWF Region Bern, Gemeinderätin (SPplus) in Wohlen und Co-Präsidentin des Vereins «Bern neu gründen». >

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