109 Stadttauben gegen Taubenpest geimpft

Bern

Um wieder eine «kleine, aber gesunde» Population zu erreichen, wurden die Berner Stadttauben gegen die Taubenpest geimpft.

Die Tauben erhielten die Injektion in den Nacken.

Die Tauben erhielten die Injektion in den Nacken.

(Bild: zvg)

Sheila Matti

«Tauben sind Wildtiere», betont Carina Tobler immer wieder, wenn sie über die Geschehnisse der letzten Woche spricht. «Wenn sie von Menschen angefasst werden, geraten sie unter enormen Stress. Deshalb haben wir versucht, alles so gut wie möglich vorzubereiten.»

Tobler ist Tierpflegerin im Tierpark Dählhölzli und als ­«Taubenmutter» seit 2011 hauptverantwortlich für die Berner Stadttauben. Einmal pro Jahr unterzieht sie die Vögel einer medizinischen Untersuchung: Die Tauben werden in den Taubenschlägen eingesammelt und in Transportboxen zum Tierpark gebracht. Dort wird der Bestand kontrolliert und die Vögel von Parasiten befreit – seit letzter Woche kommen nun zusätzlich noch Impfungen durch den Tierarzt dazu.

Damit die Tiere während der Prozedur möglichst wenig Stress erleben, arbeiten die Tierpfleger im Akkord. «Weil jeder eine andere Arbeit übernimmt, benötigen wir pro Tier keine zwei Minuten», fasst Tobler zusammen und gesteht, dass sie selbst ein wenig überrascht war, als auf diese Weise ganze 109 Tiere innerhalb von nur 2 Stunden behandelt wurden.

Ein Zeichen setzen

Bern ist europaweit die erste Stadt, in der die Vögel gegen die Taubenpest geimpft werden. Letzten Winter fielen viele Tiere der Krankheit zum Opfer: Die Zahl der Tauben verringerte sich in nur vier Monaten um mehr als die Hälfte; von 1500 Tieren überlebten nur rund 700 Stück.

Um wieder eine «kleine, aber gesunde» Taubenpopulation zu erreichen, ist Toblers Team ausserdem mehrmals pro Woche im Einsatz. Fünf Taubenschläge gilt es zu versorgen: Neben dem im Tierpark gibt es einen weiteren grossen in der Schosshalde und drei kleinere im Münster, in der Zytglogge und in der Heiliggeistkirche. Ausserdem werden die Tiere mindestens einmal pro Jahr gezählt.

«Wir wollen mit unserer Arbeit ein Zeichen setzten», erläutert Carina Tobler die Motivation hinter dem Aufwand. «Am Beispiel der Taube möchten wir zeigen, dass wir Menschen gut mit Wildtieren zusammenleben könne. Wir müssen uns nur richtig verhalten.» Die wichtigste Regel für die Stadtbewohner laute entsprechend: Tauben bitte nicht füttern.

Berner Zeitung

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