BDP übt sich in Zuversicht

Die BDP verliert im Berner Stadtparlament vier ihrer sieben Sitze. Damit setzt die Partei ihren Sinkflug im Kanton Bern fort. Kantonalpräsident Enea Martinelli gibt sich optimistisch.

Enea Martinelli.

Enea Martinelli.

(Bild: Andreas Blatter)

Die Zeiten sind vorbei, in denen die BDP vorne mitspielte, wenn sie zu Wahlen antrat. Ob auf nationaler, kantonaler oder kommunaler Ebene – die Partei steckt im Kanton Bern eine Niederlage nach der anderen ein.

So auch am vergangenen Wochenende: Im Berner Stadtparlament verliert die BDP vier von sieben Sitzen und damit die Fraktionsstärke. Auch in Burgdorf, Münchenbuchsee und Zollikofen musste die Partei am Sonntag Federn lassen und jeweils zwei Parlamentssitze räumen. Einen Sitz verlor die BDP ausserdem im Worber Grossen Gemeinderat.

Erfolg dank «alter» Zugpferde

Darauf angesprochen verweist Kantonalpräsident Enea Martinelli lieber erst auf die Erfolge: «Wir haben sowohl in Burgdorf als auch in Rubigen je einen zusätzlichen Gemeinderatssitz erreicht.» Damit habe die BDP in der Rubiger Exekutive sogar die absolute Mehrheit.

Oft ist die BDP aber nur noch dort erfolgreich, wo einst eine komplette SVP-Sektion zur neuen Partei übergelaufen ist. Auch das Personal, mit dem die BDP Sitze im National- und Ständerat oder im Berner Regierungsrat ­gewinnt, sind die «alten» Zugpferde, die in der SVP gross geworden sind.

Inzwischen täuscht aber nichts mehr darüber hinweg, dass der Partei die Basis und der Nachwuchs fehlen. Wie bei den Stadtratswahlen in Bern, so hatte die BDP immer wieder Probleme, ­ihre Listen zu füllen. In Langenthal konnte die Partei im September wegen Kandidatenmangels gar nicht antreten. «Und wenn wir wie in Zollikofen oder in Bern nur mit halb vollen Listen antreten, dann sind die Verluste vorprogrammiert», so der BDP-Präsident.

In dieser Situation neue Mitglieder anzuwerben, sei schwierig. «Unsere Zahlen sind jedoch stabil», sagt Martinelli. Aktuell zählt die Kantonalpartei 2458 ­aktive Mitglieder und 56 Sektionen. Letzten Herbst waren es mit 2500 Mitgliedern und 57 Sektionen noch leicht mehr.

Das grössere Problem als der Nachwuchsmangel dürfte aber das fehlende Profil sein. In ihrer Gründerzeit 2008 zehrte die BDP davon, eine «anständige» Version der SVP zu sein. Damit lassen sich inzwischen keine Massen mehr mobilisieren. Konstruktive Lösungen aus der Mitte bieten neben der BDP auch CVP, EVP und GLP an.

«Wir müssen pointierter auftreten», sagt Martinelli selbstkritisch. «Das ist schwierig, zumal wir uns auf die Fahne geschrieben haben, weder populistisch noch polemisch zu sein.»

«Sehe nicht so schwarz»

Was ist zu tun? Er habe leider kein Patentrezept, bedauert Martinelli. Dass die BDP aus der politischen Landschaft verschwindet, glaubt er nicht. «Journalisten schreiben gerne den Tod der BDP herbei, aber ich sehe da nicht so schwarz.»

Immerhin habe die Berner BDP einen Ständerat und drei Nationalräte. «Die Berner FDP hat noch zwei National­räte.» Ob die BDP ihren Sinkflug stoppen kann, wird sich 2018 bei den kantonalen Wahlen zeigen.

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