Die SP-Kandidaten gleichen sich wie ein Ei dem anderen

In der Stadt Bern ist keine Partei so einheitlich wie die SP. Die Kandidierenden für den Stadtrat unterscheiden sich kaum. Auch im Vergleich mit anderen Städten ist die Stadtberner SP einzigartig homogen.

  • loading indicator
Ralph Heiniger

Sie gleichen sich fast wie ein Ei dem anderen. Die Kandidierenden auf der SP-Liste für den Stadtrat unterscheiden sich inhaltlich nur in Nuancen. Das zeigt die wissenschaftliche Untersuchung von Smartvote. Auf der Smartmap, wo die Meinungsvielfalt innerhalb der Parteien dargestellt wird, liegen die SP-Vertreter besonders eng beisammen. Auf der Smartmap gilt: Je grösser die Ellipse, desto grösser die Meinungsvielfalt in einer Partei (siehe Box).

Dass sich die Kandidierenden einer Partei in politischen Fragen tendenziell einig sind, liegt auf der Hand. Doch die Geschlossenheit der Stadtberner SP wirkt aussergewöhnlich, auch im Vergleich mit anderen Städten (siehe Grafik).

Fragebogen variiert

Allerdings: «Da die Fragebogen von Smartvote von Wahl zu Wahl variieren, können wir das nicht direkt über die gesamte Schweiz vergleichen», sagt Daniel Schwarz, Politikwissenschaftler bei Smartvote. «Man kann aber sicher festhalten, dass praktisch alle SP-Kandidaten in der Stadt Bern ein sehr ähnliches politisches Profil aufweisen.» Für linke Parteien sei dies grundsätzlich nicht so besonders, «da das Kollektiv eine grössere Bedeutung hat als bei den Bürgerlichen», so Schwarz.

Alle unsere  Kandidierenden sind selbstständig denkende  Menschen.Stefan Jordi, SP Stadt Bern

Uneins sind sich SPler nur in wenigen Punkten. So finden etwa 37 Prozent, dass sich die Stadt Bern nicht auf Bundesebene für Mobility-Pricing starkmachen sollte. 34 Prozent würden es bevorzugen, wenn die Stadt Bern ihre Regierung künftig im Majorzsystem wählen würde. Und auch beim Thema Sterbehilfe sind sich die Genossen nicht einig: 29 Prozent sind gegen straffreie Sterbehilfe durch einen Arzt.

Die Einheit einer Partei hat Vorteile, sagt Daniel Schwarz: «Es wird klar, wofür die Partei steht, ‹Querschüsse› sind nicht zu befürchten.» Als möglichen Nachteil sieht Schwarz ein Klumpenrisiko. «Eine inhaltlich breiter aufgestellte Partei deckt ein breiteres Spektrum ab und kann zumindest theoretisch breitere Wählerschichten ansprechen.»

Meinungsdiktat? «Nein!»

Man kann diese Einheit aus verschiedenen Blickwinkeln beurteilen. Anhänger werden behaupten: Wer in der Stadt Bern SP wählt, weiss genau, was er bekommt. Gegner werden behaupten: Bei so viel Meinungseinheit gibt es keinen Platz für selbstständige Überlegungen der Kandidierenden.

Dass die Parteileitung ihren Kandidierenden die Haltung diktieren würde, verweist SP-Co-Präsident Stefan Jordi ins Reich der Fabeln: «Alle unsere Kandidierenden sind selbstständig denkende Menschen.» Man habe in der Partei sehr viele Fragen diskutiert. Zu vielen Themen – wie zum Beispiel Sozialpolitik, Sicherheit oder Mobilität – habe man Positionspapiere erarbeitet. Der Mehrheitsmeinung sei ein langer Prozess vorausgegangen, betont Jordi. «Wir ringen intensiv um unsere Positionen und stehen dann zu unserer Haltung.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt