Bern

Eine Frau lässt ihre 2500 Engel fliegen

BernDorothea Walther will 2500 Engel verkaufen. Die als «Liederweib» auf Bühnen und Festen bekannte Bernerin löst ihre Sammlung auf. Denn der Platz für all die Engel wird knapp.

Engel begleiten Dorothea Walther seit vielen Jahren.

Engel begleiten Dorothea Walther seit vielen Jahren. Bild: Iris Andermatt

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«Ein Engel ist etwas Gutes», sagt Dorothea Walther, an ihrem Küchentisch sitzend und über ihre 2500-köpfige Engelschar sinnierend. «In der Regel», fügt sie hinzu. «Denn es gibt auch solche, die mir nicht gefallen – wegen ihres Gesichtsausdrucks.» Und dann gibt es auch noch die Deko-Engel-Massenware, die man beim Grossverteiler oder im Einrichtungshaus kaufen kann.

Die mag Dorothea Walther auch nicht. Dafür haben es ihr alle anderen Engel angetan: die schrägen und die etwas speziellen. Von diesen hat sie in den letzten gut fünfzig Jahren 2500 Stück gesammelt. Und nun möchte sie diese fliegen lassen. Denn sie hat schlicht keinen Platz mehr.

Mit einem Plakat fing es an

Angefangen hatte es mit einem Engelplakat. Dann bekam sie ­einige Engel geschenkt. Und schliesslich begann sie sie selber zu sammeln: auf Flohmärkten, auf Weihnachtsmärkten, auf Reisen und von Kunsthandwerkern. Oder auch mal in einer teuren Parfümerie. Dort kommt ihr Lieblingsengel her. Die Papiermachéfigur stand vor vielen Jahren im Schaufenster. Dorothea Walther kaufte den Engel für 100 Franken. «Das war viel zu viel. Aber er ist mit mir alt geworden, und ich mag ihn am meisten von allen.» Diesen will sie – zusammen mit ein paar anderen auserlesenen – nicht verkaufen.

Alle anderen sind zu haben. In rund zwei Jahren, so rechnet sie, sind die Engel weg. Eigentlich wollte sie, dass sie alle zusammenbleiben könnten. Doch das deutsche Schutzengelmuseum in der Nähe von Karlsruhe wollte sie nicht. Und die Pläne, selber ein Engelmuseum in Bern zu eröffnen, zerschlugen sich. Also verkauft sie sie nun einzeln.

Die kostbarsten sind die antiken Jugendstilengel. «Die gefallen mir aber gar nicht etwa besser als die andern», erklärt die Engelspezialistin, die in Bern vor allem als «Liederweib» bekannt ist. Mit Musikinstrumenten, Erzählungen und Gesang unterhält sie das Publikum an Festen und Feiern. Im Programm hat sie aber auch einen Stadtrundgang durch Bern. Und bei diesem Rundgang geht es wiederum um Engel, um jene, die es am Münster oder am Kindli­fresserbrunnen gibt.

Männlein oder Weiblein?

Mit ihrer Sammlung hat es Dorothea Walther zur Engelspezialistin gebracht. Es gebe, grob gesagt, zwei Arten von Engeln: «Die mit tiefer Flügelhaltung und die mit hoher. Diese sehen manchmal auch aus wie Osterhasen.» Die Frage, ob Engel männlich oder weiblich seien, beantwortet sie ohne zu zögern: «Sächlich. In der Regel.» Dann holt sie einen Engel aus ihrer Sammlung. Das Ton­figürchen hat ein Schnäbi.

Es komme ihr bereits jetzt seltsam vor, über einen Markt zu schlendern und nicht nach neuen Engeln Ausschau zu halten, gesteht Dorothea Walther. Dass eine Sammlerin wie sie einfach so aufhören könnte zu sammeln, scheint unwahrscheinlich. Und in der Tat: Wer Dorothea Walthers Badzimmer betritt, erkennt sofort, dass sie ihrer Sammelleidenschaft auch künftig keineswegs entsagen wird. Das Bad ist voll mit Bambifiguren.

Die Engel können gekauft werden. Die Daten für 2016 werden publiziert: www.liederweib.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.12.2015, 07:12 Uhr

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