«Erwachsene sind meist mühsamer»

Wenn der Samichlous am Mittwoch von Wald zu Haus zu Schule zieht, dann erlebt er so einiges. So lernt er beispielsweise neue Sprachen oder reist auch mal in ein anderes Land. Dieser Zeitung hat er einige seiner besten Geschichten verraten.

Der Samichlous erzählt aus seinem Alltag. Video: Florine Schönmann

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Für viele Schweizerinnen und Schweizer ist der morgige Tag ohne ihn nicht denkbar: der freundliche Mann im roten Mantel, der, in Begleitung von Schmutzli und Esel, die Kinder mit Mandarinli und Erdnüssen beschenkt. Doch nicht nur kleine Kinder freuen sich über seinen Besuch, erzählt der Samichlous: «Vor einigen Tagen war ich zum Beispiel bei einer Familie, deren jüngster Sohn 21 Jahre alt ist.»

W...

...er so an «seinem» Samichlous hängt – immerhin hat dieser viele Helfer, die ihn während der ­Adventszeit unterstützen – der kann auch nach einem Umzug ins Ausland nicht auf ihn verzichten. Er müsse also manchmal auch weitere Wege auf sich nehmen: «Die längste Reise, die wir zurückgelegt haben, ging nach Kopenhagen», erinnert sich der ­Samichlous. Drei Jahre in Folge flogen er und Schmutzli nach Dänemark, um dort jeweils nur wenige Stunde zu verweilen. «Den Esel liessen wir aber zu Hause.»

I...

...n der Regel freuen sich die Kinder über den Besuch des Samichlous. Einige haben aber auch Angst vor der autoritär wirkenden Person und weinen, wenn sie zum ersten Mal von ihm besucht werden. Doch für solche Situationen ist der Chlous gewappnet: In einem dicken Buch steht alles, was man über die Kinder wissen muss. «Um das Eis zu brechen, frage ich etwa nach dem Lieblingsspielzeug oder dem Lieblingsfach in der Schule», erklärt der Samichlous. So schaffe er es, dass die Kinder am Ende des Besuchs erneut weinen – nun aber, weil sie es schade finden, dass ihr neuer Freund wieder gehen muss.

N...

...icht nur durch seine Mitbringsel überzeugt der Samichlous die Kinder. Meist finden diese den imposanten Mann und seine Begleitung auch so spannend. Dass man seinen Geschichten stets lauscht, freut ihn: «Letztens war ich bei einer Kindergartenklasse, die haben die Grittibänzen, die wir verteilt haben, gar nicht gross beachtet sondern schnell unter den Stühlen verräumt.» Und einmal meinte ein kleines Mädchen, als er ihm das Chlousensäckli überreichte: «Ich hätte auch Freude an dir, wenn du mir gar nichts mitgebracht hättest.»

T...

...atsächlich sind es nicht die Kinder, die dem Samichlous das Leben schwer machen. Mühsamer seien meist die Erwachsenen. Ein Besuch im Kindergarten sei ihm besonders im Gedächtnis geblieben: Nicht etwa ein Kind, sondern ein Mann zog an seinem Bart – und riss ihm dabei glatt ein paar Haare aus. Die Gesichtsbehaarung des Samichlous ist nämlich echt, sie wird nur durch ein paar Extensions verlängert. Genau diese hielt der Erwachsene damals in den Händen. «Das fand ich gar nicht lustig», meint der Samichlous ungewohnt ernst, «ich habe den Besuch dann auch abgebrochen – obwohl mir die rund 70 Kinder leid taten.»

E...

...s kann auch das Wetter sein, das die Chlousenarbeit erschwert. Um längere Wege zu bewältigen, wird der moderne Samichlous manchmal von einem freundlichen Bekannten im Auto mitgenommen. Und wenn es dann richtig stark schneit, kann das durchaus Probleme bereiten. Einmal etwa, da wollte sich der Wagen vor lauter Schnee nicht mehr vom Fleck ­bewegen. «Schmutzli musste das Auto dann, zusammen mit drei anderen Männern, den Hügel hin­aufschieben», erzählt der Samichlous schmunzelnd. «Danach hatten wir den ganzen Tag eine halbe Stunde Verspätung.»

R...

...egelrecht zäh ist der Samichlous, wenn es darum geht, der Wintergrippe zu trotzen. Durch eine Krankheit lasse er sich nicht von seiner Arbeit abhalten. Schon öfters mussten ihm Medikamente dabei helfen, einen Besuch zu überstehen. Wahrscheinlich würde ihn nicht mal ein Aufenthalt im Krankenhaus vom Arbeiten abhalten, sinniert er: «Dann müssten die Kinder halt einfach zu mir ins Krankenhaus kommen – und ich würde dann mit Bart und Anzug im Bett liegen.» Eine Idee, die er spasseshalber auch schon mit einer Krankenschwester besprochen hat. Diese war hellauf begeistert und würde den Samichlous sofort unterstützen.

F...

...ast für jeden Spass ist der Samichlous zu haben. Und wenn nötig, lernt er dafür auch eine neue Sprache: Einmal besuchte er die Geschäftsleitung eines Konzerns, deren Leitung ursprünglich aus Schweden stammt. «Ich dachte, es wäre eine schöne Geste, sie in ihrer Landessprache zu begrüssen», meint der Samichlous. Also habe er sich mit seinem Nachbarn hingesetzt und einen Tag lang Schwedisch gelernt. «Das kam unglaublich gut an», freut sich der Chlous. Normalerweise bevorzuge er aber Berndeutsch.

E...

...igentlich ist der Samichlous die Hauptattraktion – manchmal stehlen ihm aber seine Begleiter die Show. Einmal etwa, als sie einen kleinen Jungen namens Benjamin besuchten. «Als Schmutzli den Raum betrat, meinte dieser sofort: ‹Das ist mein Freund!› Und sprang Schmutzli direkt auf den Schoss.» Den Samichlous selbst fand der Junge hingegen uninteressant. Und so verbrachte für einmal Schmutzli den Abend neben Benjamin auf dem Sofa, während der Samichlous auf dem Taburett Platz nehmen musste.

S...

...chmutzli muss meistens ganz schön anpacken. Während der Samichlous nämlich die Verantwortung trägt, trägt Schmutzli den schweren Sack zu den Kindern. Je grösser die Bescherung ist, welche die Eltern für ihre Sprösslinge vorbereitet haben, desto mehr hat Schmutzli zu tun. Manchmal würden sie es aber auch übertreiben, weiss der Samichlous: «Einmal wurde ein Kind so reichlich beschenkt, dass der Schmutzli seinen Sack gleich mehrmals füllen und das Treppenhaus hochtragen musste.»

T...

...raurigerweise habe er aber auch das extreme Gegenteil schon erlebt, erzählt der Samichlous: «Einmal sind wir zu einer Familie gegangen, die überhaupt nichts vor­bereitet hatte.» Auf die diskrete Frage hin, ob es denn keine Geschenke gäbe, meinten die Eltern: «Unser Kind hat heuer nichts verdient.» Da sei er schon ganz schön erstaunt gewesen. Zum Glück sei er aber auch auf solche Fälle vorbereitet: «Das Kind bekam dann einfach eine extra grosse Portion Nüssli und Schokolade von uns.»

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...inen tiefen Einblick in das Leben der Leute erhält der Samichlous jeweils, wenn er diese zu Hause besucht. Einmal, so erzählt er, habe ihm ein Kind sein Zimmer gezeigt: «Dort lag nur eine einfache Matratze am Boden.» Der Besuch habe ihn und Schmutzli im Nachhinein so sehr beschäftigt, dass sie schliesslich selbst die Initiative ergriffen. Sie organisierten Bett und Schreibtisch für das Kind, stellten die Möbel vor der Haustür ab und legten einen Zettel dazu: «Vom Samichlous.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.12.2017, 10:13 Uhr

Erlebt viel: Der Samichlous. (Bild: Raphael Moser)

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