Bern

Gaskessel: Politik verlangt Marschhalt

BernFür die Entwicklung des Gaswerkareals erhielt die Losinger Marazzi AG ein Reservierungsrecht für die Übernahme der Parzelle im Baurecht eingeräumt. Nun verlangen immer mehr Politiker eine Denkpause.

Politiker fordern einen Marschhalt beim Projekt Gaswerkareal.

Politiker fordern einen Marschhalt beim Projekt Gaswerkareal. Bild: Christian Pfander

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Es war nicht davon auszugehen, dass die Losinger Marazzi AG das bernische Gaswerkareal für Gottes Lohn entwickeln würde. Bisher waren aber keine Details zur Vereinbarung zwischen Losinger Marazzi und Energie Wasser Bern (EWB) bekannt.

Nun bringt der Gemeinderat ein bisschen Licht ins Dunkel. Losinger Marazzi erarbeite die Projektentwicklung «grundsätzlich auf eigenes finanzielles Risiko», schreibt er in der Antwort auf einen Vorstoss von Sandra Ryser (GLP). «Im Gegenzug räumte EWB der Losinger Marazzi AG ein exklusives Reservierungsrecht zur Übernahme der fraglichen Parzelle im Baurecht ein», heisst es weiter. Einziger Vorbehalt sei ein Vorkaufsrecht der Stadt für das Areal, das heute der städtischen Anstalt EWB gehört.

Laut Gemeinderat wird Losinger Marazzi an den Wettbewerben über einzelne Baufelder nicht teilnehmen, diese aber organisieren und durchführen. Ansonsten sei die Firma an der Baurealisierung interessiert.

Antwort kommt verspätet

Statt mit der Antwort zufrieden zu sein, stellt Ryser weitere Fragen. So will sie in einem neuen Vorstoss wissen, wieso die Antwort fast drei Monate länger dauerte, als es das Reglement vorsehe. «Die Vermutung liegt nahe, dass der Gemeinderat zuerst die Testplanung verabschieden wollte», sagt Ryser. Eine solche hat der Gemeinderat Mitte September genehmigt.

Welches sind die Eckwerte des Vorkaufsrechts der Stadt? Was versteht der Gemeinderat unter einer Testplanung? Wird die Vereinbarung zwischen EWB und Losinger Marazzi dem Parlament offengelegt? Gelten die Siedlungsbeschränkungen aus der Aareraumplanung von 2008 noch? Mit all diesen Fragen ruft Ryser nach Transparenz.

Transparenz und Partizipation

Dazu verlangt der GLP-Vorstoss Partizipation. Anders liessen sich in Bern keine grösseren Bauprojekte realisieren, glaubt Ryser. «Während der Gemeinderat beim Viererfeld dazugelernt hat und Bevölkerung und Stadtrat einbezieht, fehlt beim Gaswerkareal jegliche Transparenz.»

Am Dienstag hatte bereits die GB/JA-Fraktion einen «transparenten Prozess ohne Zeitdruck» gefordert. Auch SP-Stadtrat David Stampfli plädiert für einen Marschhalt. «Um Rahmenbedingungen wie Gaskessel, Schwimmhalle, Freifläche, Verkehrserschliessung oder Art und Umfang des Wohnbaus zu klären, müsste der Stadtrat rasch einbezogen werden», so Stampfli.

Im Quartier werden solche Forderungen gern gehört. Gegenüber der Onlineplattform Journal B äusserten sich Vertreter des Quartiervereins Marzili und des Schönau-Sandrain-Leists kritisch zu den Schlüssen, die Losinger Marazzi aus den gemeinsamen Workshops gezogen habe. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.10.2013, 11:03 Uhr

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Stadredaktor Christoph Hämmann (Bild: zvg)

Kommentar: So wird das nichts

Als letztes Jahr bekannt wurde, dass Losinger Marazzi im Auftrag von EWB das Gaswerkareal entwickelt, stellten sich kritische Fragen: Wofür hat Bern ein Stadtplanungsamt? Hört ein Planer, der gleichzeitig auf Bauaufträge aus ist, die Anliegen von Anwohnern, Kulturbetrieben, Erholungsuchenden oder der Promotoren gemeinnützigen Wohnbaus?

Nein. Zumindest ist es den Verantwortlichen nicht gelungen, diesen Eindruck zu vermitteln. Vielmehr schürt die fehlende Transparenz ein allgemeines Misstrauen. Es sind zu viele Fragen offen, die EWB, Stadtregierung und Losinger Marazzi nicht allein beantworten dürfen. Deshalb ist es richtig, wenn sich das Parlament jetzt einmischt. Werden jetzt nicht Grundlagen geklärt, verkommt eine Testplanung zum Blindflug. Das Jahr, das er dauert, könnte besser genutzt werden.

Mail: christoph.haemmann@bernerzeitung.ch

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