Küssen ist verboten – wegen der Bakterien

Ein Autor im Verein, versierte Laienschauspieler und Nachwuchsleute: Das ist die Erfolgsmixtur der Aaretaler Volksbühne. «Die Essenz des Lebens» erntete bei der Uraufführung frenetischen Applaus.

David (Dariano La Marra) landet dank einer Zeitmaschine in der bunten Welt von Rebecca (Joana Tringaniello).<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

David (Dariano La Marra) landet dank einer Zeitmaschine in der bunten Welt von Rebecca (Joana Tringaniello).

(Bild: Andreas Blatter)

eht es so, oder soll ich etwas zur Seite rücken? Diese Frage wird im Gemeindesaal vom Schlossgut Münsingen jedes Jahr aufs Neue gestellt. Die Platzverhältnisse um die aufgestellten Tische sind eng, die Sicht auf die Bühne nicht immer frei. Weiter hinten auf der Tribüne müssen etliche Zuschauer ebenfalls die Hälse strecken.

Und doch: Sie sind beliebt, die Inszenierungen der Theaterleute aus dem Aaretal. Diesmal warten sie mit einem Stück von Remo La Marra auf. Das Mitglied der Aaretaler Volksbühne Münsingen hat eine Zukunftsgeschichte rund um Emotion, Bakterien und Liebe geschrieben. Zudem führt La Marra bei «Die Essenz des Lebens» Regie.

Dass dies nicht das Münsingen von heute ist, wird gleich zu Beginn der Aufführung klar. Kaltes Licht prägt die Szenerie, im Hintergrund sind Zellen mit grünen Leuchtknöpfen an die Wand projiziert. In dieser sterilen, unterkühlten Welt kommt plötzlich Hektik auf. Der Emotionsdetektor meldet einen Störfall, jemand hat gelächelt.

Das liegt in der futuristischen Gesellschaft nicht drin. Emotionen sind verpönt, wirken als Bedrohung. Schliesslich hat man aus der Vergangenheit gelernt. Emotionen sind oft verbunden mit Körperkontakten. Das birgt die Gefahr der Übertragung von Bakterien und Viren. Und auch sonst: Emotionen bedeuten Wut, Hass, Krieg.

Gefahren auf leisen Sohlen

La Marra lässt in die Geschichte eine zünftige Portion Gesellschaftskritik einfliessen. Beruflich als Heilpraktiker tätig, findet er den breit angelegten Einsatz von Antibiotika problematisch. Für ihn ist der grösste Feind der Menschheit unsichtbarer als Krieg, Terror und Wirtschaftskrisen.

Gerade heute mache man sich oft wenig Gedanken über sein Tun, sagt er. Stress im Alltag und im Privatleben, Leistungsdruck und eine latente Unzufriedenheit würden die Menschen aus dem natürlichen Gleichgewicht bringen. Gepaart mit multiresistenten Bakterien und der Verbreitung von gefährlichen Viren könne dies das Leben in der Zukunft stark beeinflussen.

Überzeugender Nachwuchs

Zurück zum Stück: Der Störfall heisst David, gespielt von Dariano La Marra, dem Sohn des Autors. David hinterfragt die Welt, in der er lebt. Er fühlt etwas tief in sich und macht sich auf die Suche nach der Essenz des Lebens. Mit einer Zeitmaschine landet er in der bunten Welt der Vergangenheit. Hier trifft er auf Rebecca, gespielt von Joana Tringaniello. Liebe kommt auf.

Die beiden jungen Schauspieler überzeugen sowohl in ihren Rollen als auch im gesanglichen Teil. Frisch im Ensemble dabei sind zwei Breakdancer. Ihre Showeinlagen verleihen der musikalischen Zeitreise eine eigene, gekonnt dynamische Note. Das Publikum dankt mit einem kräftigen Zwischenapplaus. Merklich statischer wirken hingegen die Gesangsszenen der als Gang deklarierten Gruppe aus den 50er-Jahren.

Hier können die sonst durchaus erprobten Laienschauspieler noch dazulernen. Als Ganzes kam das Stück bei der Uraufführung sehr gut an. Das Publikum zollte den Schauspielern mit einer Standing Ovation Respekt.

Weitere Aufführungen Das Stück wird bis zum 28.11.2015 noch 10-mal gespielt.

Berner Zeitung

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