Wärme aus dem Wohlensee

Hinterkappelen

Energie 360° plant einen Wärmeverbund für den Kappelenring. Als Energiequelle dient der Wohlensee. Die Initianten glauben an das Projekt und nehmen Verzögerungen in Kauf.

Werden die Häuser in Hinterkappelen bald mit Wärme aus dem anliegenden Wohlensee beheizt?<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

Werden die Häuser in Hinterkappelen bald mit Wärme aus dem anliegenden Wohlensee beheizt?

(Bild: Andreas Blatter)

Der Zeitplan war sehr sportlich. Als das Unternehmen Energie 360° das Projekt des Wärmeverbundes für die Siedlung Kappelenring im letzten Februar bekannt gab, ging es davon aus, dass Mitte Jahr der Entscheid über die Realisierung gefällt werde. Diese Frist ist inzwischen verstrichen. Der ursprüngliche Fahrplan war zu sportlich für das innovative Projekt in Hinterkappelen, bei dem die Energie aus dem Wasser des Wohlensees gewonnen wird (siehe Kasten und Grafik).

Tiefer Ölpreis

«Wir glauben weiterhin an das Projekt, weil es eine einmalige Chance ist, die natürliche Energie aus dem Wohlensee ökologisch zu nutzen», erklärt Ingo Siefermann, Leiter Energiedienstleistungen bei Energie 360°. Deshalb nehme das Unternehmen in Kauf, dass das Akquirieren der Kunden länger dauere. Im Kappelenring gebe es viele Stockwerkeigentümer, bei denen der Entscheidungsprozess länger dauere. Siefermann rechnet bis Ende Jahr mit vielen Rückmeldungen. Wenn Zusagen von Kunden für zwei Drittel der möglichen Wärmeleistung vorliegen, startet Energie 360° das Projekt.

Eine häufige Frage drehe sich um den Energiepreis, sagt Siefermann. Momentan sei die natürliche Wärme aus dem See zwar etwas teurer als das Heizen mit Öl. Doch dies sei eine Momentaufnahme. Die Verfügbarkeit und der Preis fossiler Brennstoffe könne stark schwanken und lasse sich schwer vorhersehen. «Wir können einen stabileren Preis garantieren. Das ist ein grosser Vorteile mit Blick auf die 30-jährige Lebensdauer der Anlage.»

Ingo Siefermann ist sich bewusst, dass einige Hausbesitzer die Heizungen rasch ersetzen müssten, andere wiederum könnten noch zuwarten. Man biete für beide Fälle Lösungen an, sei das mit einem Heizungsprovisorium oder mit einem gestaffelten Einstieg. Daran solle der Wärmeverbund nicht scheitern.

Energie 360° hat das Vorprojekt abgeschlossen. Darin ging es um Machbarkeit, Kosten und Vorabklärungen bei den Ämtern. Diese Grundlagen sind die Basis für das Bauprojekt. Im optimalen Fall liege im Sommer 2016 die Baubewilligung vor, sodass im Frühjahr 2017 die erste Wärme geliefert werden könne.

Planung läuft

Gemeindepräsident Bänz Müller (SP plus) ist vom Projekt angetan: «Es muss realisiert werden.» Es sei nicht nur ein Leuchtturmprojekt für die Energiestadt Wohlen, sondern auch ein Schritt in eine ökologische und regionale gesicherte Energiezukunft. Die Gemeinde stellt die planungsrechtlichen Grundlagen sicher.?Die Heizzentrale bedingt auf dem ARA-Areal eine Überbauungsordnung. Die Gemeindeversammlung entscheidet wohl im März 2016 darüber.

Aus Sicht der Gemeinde würde es Sinn machen, die Schulhäuser Kappelenring und Dorf an den Wärmeverbund anzuschliessen, sagt Müller. Entschieden sei noch nichts, aber: «Die Gemeinde möchte mit gutem Beispiel vorangehen, wir haben Vertrauen in den Wärmeverbund.» Er hofft, dass die Liegenschaftsbesitzer und Stockwerkeigentümer sich dem innovativen Projekt anschliessen. Denn wenn jeder zuerst abwarten wolle, komme der Wärmeverbund nicht zustande.

Das Projektteam steht am Dorfmärit Red und Antwort über den Wärmeverbund. Morgen Samstag von 9.30 bis 17 Uhr, Dorfplatz Hinterkappelen.

Berner Zeitung

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