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Abegg-Stiftung geht auf Spurensuche mit einer Textilrestauratorin

Die diesjährige Sonderausstellung der Abegg-Stiftung in Riggisberg dreht sich um die Arbeit einer Textilrestauratorin. Zu sehen ist, wie weit der Weg zum ausstellungsfähigen Textil sein kann und welche Überraschungen unterwegs lauern.

Wie wird ein über 1000 Jahre altes Textil restauriert?
Wie wird ein über 1000 Jahre altes Textil restauriert?
Christoph von Viràg

Vor 50 Jahren wurde die Abegg-Stiftung in Riggisberg eröffnet. Die Konservierung und Restaurierung von Textilien spielte stets eine wichtige Rolle. Es ist eine Tätigkeit, die hinter den Kulissen stattfindet. Die Besucher sehen in den Ausstellungen normalerweise immer die bereits restaurierten Stücke.

Anders ist das in der Sonderausstellung 2017. Am Beispiel kürzlich restaurierter Textilien aus Zentralasien - alle über 1000 Jahre alt - werden die vielseitigen Untersuchungen und Arbeiten einer Textilrestauratorin gezeigt.

Stopft diese Berufsfrau Mottenlöcher oder setzt sie Flicken ein? Eher nicht. Vielmehr geht es vor allem darum, das Vorhandene zu erforschen, behutsam zu sichern und günstige Bedingungen für eine langfristige Erhaltung zu schaffen.

Erstaunliche Entdeckungen

Blickfänge der Ausstellung sind zwei guterhaltene, grossformatige Behänge aus Zentralasien. Sie zeigen einander gegenüberstehende Hirsche in einem Medaillon. Die Behänge stammen aus einem archäologischen Kontext und waren dementsprechend verschmutzt.

Während der Suche nach der geeigneten Reinigungsmethode wurde ein bisher unbekanntes Färbeverfahren entdeckt: Ausgerechnet der Blaufarbstoff Indigo, der eine ausserordentlich stabile Verbindung mit Textilfasern einzugehen vermag, war so verarbeitet worden, dass die dunkelblauen Fäden heute fragil und sehr wasserempfindlich sind. Als Reinigungsmethode kam nur noch Mikrostaubsaugen in Frage. Das erwies sich allerdings als sehr effizient.

Schuhe in einem Stück

Zum Arbeitsfeld einer Textilrestauratorin können auch Schuhe gehören. In der Ausstellung sind vier aus Pflanzenfasern und Seide geflochtene Beispiele zu sehen. Bei ihnen stand die Erforschung der Herstellungstechnik im Vordergrund.

So kam die experimentelle Archäologie zum Zug: Die Schuhe wurden möglichst originalgetreu nachgeflochten. Dabei zeigte sich, dass sie in einem Stück gearbeitet sind. Das Herstellungsverfahren ist also so raffiniert, dass es ohne Nähte auskommt und Form und Musterung in einem Arbeitsgang entstanden.

Die Abegg-Stiftung ist ein Kompetenzzentrum für historische Textilien. Seit 1967 erforscht und restauriert sie textile Schätze. Gegründet wurde die Stiftung von einem schweizerisch-amerikanischen Paar, das damit seiner eigenen Sammlung die Zukunft sichern und einen Beitrag zur Erhaltung wertvoller Gewerbe leisten wollte. Die Sonderausstellung 2017 trägt den Titel «Spurensuche - Erhalten und Erforschen von Textilien». Vom 30. April bis 12. November ist sie täglich geöffnet von 14.00 bis 17.30 Uhr.

SDA/tag

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