Abtreibungsdemo in Bern: Krawalle befürchtet

Bern

Der «Marsch fürs Läbe», ein Demonstrationszug christlicher Abtreibungsgegner, soll diesen September in Bern stattfinden. In den letzten Jahren in Zürich kam es regelmässig zu Störaktionen linker Extremisten.

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Martin Bürki@tinubuerki27

«Menschliches Leben beginnt mit der Zeugung im Mutterleib und endet mit einem nicht selbst organisierten Tod», heisst es auf der Homepage des Vereins «Marsch fürs Läbe». Dieser organisiert seit 2010 jährlich einen Demonstrationszug, an dem christliche und konservative Abtreibungsgegner aus der gesamten Schweiz teilnehmen.

Bislang hat dieser Protestmarsch immer in Zürich stattgefunden und zuletzt jeweils ein Grossaufgebot der Polizei ausgelöst. Denn: Linksautonome Kreise haben Störaktionen durchgeführt. Buhrufe, ausgestreckte Mittelfinger und Hasstiraden vom Strassenrand sind dabei die mildere Art der Gegendemonstration. Mitunter wurde versucht, Polizeisperren zu durchbrechen. Rund 100 linke Aktivisten mussten die Ordnungshüter vergangenen September abführen.

Berner Polizei rät vom Marsch ab

Nun wollen die Organisatoren des «Marsch fürs Läbe» die 7. Ausgabe am kommenden 17. September in Bern durchführen. Ein entsprechendes Gesuch haben sie letzten November eingereicht. Kurz vor Weihnachten ist es sogar zu einem ersten Sondierungsgespräch mit den Berner Behörden gekommen. In einem Bericht bezieht sich der «Bund» auf eine Mitteilung des Vereins «Marsch fürs Läbe», derzufolge die Polizei eine Kundgebung auf dem Bundesplatz vorschlage, ohne Marsch durchs Stadtzentrum.

Diese Lösung kommt für die Abtreibungsgegner freilich nicht infrage: «Auch die Zürcher Polizei hat die Veranstalter des ‹Marsch fürs Läbe› mehrmals davon zu überzeugen versucht, auf den Demonstrationsumzug zu verzichten», heisst es in der Mitteilung weiter. «Das OK hat dem Ansinnen jedes Mal entschieden widersprochen.»

Die Organisatoren sehen das Prinzip der Gleichberechtigung gefährdet: «Es dürfe nicht hingenommen werden, dass Linksautonome es zunehmend verunmöglichen, konservatives Gedankengut in der Öffentlichkeit zu vertreten. Linke Aktivisten ihrerseits dürften ihre Forderungen jederzeit im Rahmen von bewilligten und unbewilligten Demos in die Städte tragen.»

Schlechte Erfahrungen mit Krawallen

Die Haltung der Berner Behörden ist insofern nachvollziehbar, als es im letzten Jahr an etlichen Kundgebungen zu Ausschreitungen gekommen ist: Im Frühjahr artete ein Protest gegen die Mediamarkt-Eröffnung in der Markthalle aus. Im September kesselte die Polizei fast an derselben Stelle eine Gruppe Demonstranten ein, die für Kurden sympathisierten, nachdem Tage zuvor bei einer Kurdendemo ein Auto durch eine Menschenmenge gerast war. Und nicht zuletzt musste die Polizei gleich zweimal mit einem Grossaufgebot gegen Antifa-Demos vorgehen.

Die Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern wolle sich wegen des laufenden Bewilligungsverfahren nicht zu dem Anliegen äussern. Angeblich hätten die Behörden am Gespräch mit den Abtreibungsgegnern aber geäussert, «dass Bern ein noch viel grösseres linkes Potenzial habe als Zürich.» Eine Aussage, die Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, nicht kommentieren will: «Ich kann das gar nicht beurteilen.»

Beurteilen kann Cortesi aber den Aufwand, den die bisherigen «Märsche fürs Läbe» verursacht haben: «Es ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Zwei Standpunkte, die jeweils recht heftig aufeinander prallen.» Das erforderliche Grossaufgebot an Einsatzkräften habe jeweils eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich verschlungen, «je nach dem, wie lange die Leute im Einsatz standen oder ob es im Nachfeld des Demonstrationszuges noch zu Zwischenfällen gekommen ist.»

Ob er froh wäre, wenn sich die Demonstranten künftig in Bern versammeln würden? «Es ist nicht an mir, so etwas zu bewerten», antwortet Marco Cortesi. «Wir hätten in dem Fall weniger zu tun, ja. Aber letztlich haben wir einen öffentlichen Auftrag und erfüllen diesen in professioneller Manier.»

Geografische Lage spricht für Bern

Nicht zur Sicherheitslage äussern will sich Marc Jost, seines Zeichens Grossratspräsident und zugleich Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA). Letztere ist Trägerin des «Marschs fürs Läbe». Jost setze sich zwar für den Standort Bern ein, womit er seine Aussage im «Bund» bestätigt, man wolle den SEA-Mitgliedern aus der Westschweiz entgegenkommen. Die Einschätzung der Risiken und letztlich die Bewilligung überlasse er aber den Experten.

Die Organisatoren wollen jedenfalls am Marsch festhalten: «Das OK ist überzeugt, dass die Polizei der Bundeshauptstadt ihre Arbeit ebenso gut erledigen kann wie die Zürcher Kollegen.» Noch sei unklar, wann denn die Stadt Bern über das Gesuch entscheide.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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