Bern

Alec von Graffenried in Bombenstimmung

BernAuf dem Jubelbild der Gegnerinnen und Gegner der USR-III-Vorlage posierte auch Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried. Die Reaktionen darauf fielen zwischen erstaunt und empört aus.

Jubel: Alec von Graffenried (hinten rechts) posierte mit den Gegnern der USR-III-Vorlage.

Jubel: Alec von Graffenried (hinten rechts) posierte mit den Gegnern der USR-III-Vorlage. Bild: Keystone

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Der junge Mann wird das Bild wohl zeitlebens in seiner Wohnung auf­gehängt lassen: Nachdem er letztes Jahr an der Fussball-EM an der Zeremonie vor dem Halbfinal zwischen Portugal und Wales teilgenommen hatte, stellte er sich frech neben Superstar Cristiano Ronaldo, als sich dessen Team kurz vor dem Anpfiff für das Mannschaftsfoto formierte. Das Gleiche machte 2001 vor einem Spiel zwischen Bayern München und Manchester United ein Mann namens Karl Power, er sogar im offiziellen Manchester-Dress und lange unbemerkt.

Die beiden Fussballfans betrieben Photobombing der gehobenen Art, ähnlich wie jene Spassvögel, die sich bei Politgipfeln als falsche Minister aufs Gruppenbild mogeln oder in TV-Berichten im Rücken der Korrespondentin herumhampeln. In der Alltags­variante ist die bekannteste Fotobombe, jemandem mit zwei Fingern «Hasenohren» aufzusetzen.

Wie eine Fotobombe mutete am vergangenen Sonntag auch der Auftritt Alec von Graffenrieds (GFL) auf dem Siegerbild der USR-III-Gegner im Berner Kulturzentrum Progr an. SP-Generalsekretärin Flavia Wasserfallen hatte das Kampagnenteam und weitere engagierte Vorkämpferinnen und Vorkämpfer gegen die Unternehmenssteuerreform auf die Bühne gebeten, und so prangten am Montag auf der Front des «Tages-Anzeigers» jene Köpfe fast in Postergrösse, die zuvor monatelang dem Kampf gegen die Vorlage ein Gesicht gegeben hatten.

Nie als USRIII-Gegner aufgetreten

Die Vorkämpfer – und von Graffenried. Ihm war lange kein klares Votum zur USR III ab­zuringen gewesen. Im letzten Sommer brauchte er zunächst mehr Zeit für den Entscheid und gab sich dann «gespalten», im Herbst gab er auf Smartvote an, «eher dagegen» zu sein. Dass sich von Graffenried jemals dezidiert gegen die Vorlage geäussert hätte, ist nicht aktenkundig.

Entsprechend erstaunt – und mitunter empört – reagierten am Sonntag viele, die ebenfalls beim Nein-Komitee im Progr weilten. Mehrere Quellen bestätigen dies gegenüber dieser Zeitung, wollen sich aber nicht namentlich zitieren lassen. Jemand spricht von «mangelndem Fingerspitzen­gefühl ge­ge­nüber jenen, die unermüdlich gegen die Vorlage gekämpft hatten», jemand anderes sagt, er sei «extrem genervt» gewesen angesichts von Graffenrieds Auftritt.

Kritisch – wenn auch moderat – zitieren lässt sich SP-Kantonalpräsidentin Ursula Marti. «Alec von Graffenrieds Auftritt auf der Progr-Bühne hat erstaunt, das ist so», sagt sie. «Schliesslich war es im Vorfeld schon ein bisschen schade, dass er sich so lange um eine Position zur USR III drückte. Aber es freut mich, dass er sich am Ende doch noch auf die richtige Seite geschlagen hat.»

Von Graffenried selber sagt, es seien auch die Vertreterinnen und Vertreter der Städte aufgerufen worden, auf die Bühne zu kommen, die gegen die USR III gekämpft hatten. Der Berner Gemeinderat habe letztes Jahr entschieden, sich aktiv und öffentlich gegen die USR III zu enga­gieren, und als neu­ gewählter Gemeinde­rat und Stadtpräsident habe er diesen Entscheid «mit Überzeugung» mit­getragen. «Das war der Grund, weshalb es mir sinnvoll erschien, dass ich mit meiner Person deutlich mache, dass die Stadtregierung mitbeteiligt war am Widerstand gegen die USR III.»

Es sei keineswegs seine Absicht gewesen, negative Gefühle hervorzurufen, so von Graffenried. Man darf denn auch getrost davon aus­gehen, dass die Freude im Progr am Sonntag überwog – auch wenn sich die Bombenstimmung nicht bei allen gleich ausdrückte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.02.2017, 09:03 Uhr

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