Altersheime werben um Bewohner

Bern

Wer in der Stadt Bern einen Platz im Alters- oder Pflegeheim sucht, muss nicht mehr Angst haben, auf einer langen Warteliste zu landen. Die Betagten und ihre Angehörigen können sogar auswählen.

Altersheime werben bei Betagten mit dem Hinweis auf wohnliche Pflegezimmer und gemeinsame Aktivitäten.

Altersheime werben bei Betagten mit dem Hinweis auf wohnliche Pflegezimmer und gemeinsame Aktivitäten.

(Bild: Keystone)

Die Zeiten, als sich ältere Menschen in der Stadt Bern Jahre im Voraus für einen Platz im Altersheim anmelden mussten und dann auf einer langen Warteliste landeten, sind vorbei. Ein Blick auf die Bettenbörse der Pro Senectute auf www.wohnen60plus.ch zeigt: Domicil, Senevita und Tilia haben alle Platz in ihren Stadtberner Heimen. Auch die Seniorenvilla Grüneck preist eine schöne Wohnung an, und im Alters- und Pflegeheim Engeried sind gleich vier neue Bewohner willkommen.

Noch vor fünf Jahren machten die Heime kurzzeitige Schwankungen, etwa während des «Sommerlochs», dafür verantwortlich, dass sie immer mehr freie Betten hatten. Letzte Woche hat nun aber Michael Lüthi vom Senevita-Heim Multengut in Muri an einer Veranstaltung zum Thema Heimeintritt unumwunden zugegeben: «Es gibt eine grosse Konkurrenz unter den Anbietern. Es hat so viele freie Pflegebetten, dass Sie auswählen können.»

«Anders als früher»

Kein Wunder, umwerben die Alters- und Pflegeheime die Betagten. Doch das Problem ist: In der Regel wollen alte Menschen gar nicht ins Heim ziehen, sondern am liebsten in ihrem vertrauten Zuhause bleiben. Michael Lüthi klärte deshalb darüber auf, dass die heutigen Heime anders seien als früher. Er rühmte die «wohnlichen Pflegezimmer» und die Waschküche, «wo die Bewohner tratschen können». Gerne erzählte er auch, wie die Bewohner selber einen Fondueabend organisieren oder ihre Gartenbeete pflegen können. Und die Altersheimrestaurants seien heute so gut und günstig, dass immer häufiger auch Auswärtige, zum Beispiel Studenten, zu Gast seien.

Nicht nur die Heime kümmern sich um neue Kunden. Die Informationsveranstaltung zum Thema Heimeintritt hatte der Verein Profawo organisiert. Ursprünglich sorgte Profawo dafür, dass Firmen ihren Angestellten genügend Krippenplätze für ihre Kinder anbieten können. Neu setzt sich der Verein auch dafür ein, dass Berufstätige einen Betreuungsplatz für die betagten Eltern finden. Das ist eine Herausforderung, obwohl es genug freie Plätze gibt. Denn viele Söhne und Töchter hören von ihren Eltern das Gleiche wie die Frau, die sich an der Veranstaltung zu Wort meldete: «Meine Mutter will lieber sterben, als in ein Heim zu gehen.»

Steinhart, aber auch schön

Die 94-jährige Maria Aebischer, Bewohnerin des Domicils Schwabgut, hat Verständnis für diese Meinung: «Es ist steinhart, wenn man ins Heim muss», sagte sie. Und steinhart sei es manchmal immer noch. «Dann gehe ich auf mein Balkönli raus und bin wieder zufrieden»: So lautet Maria Aebischers Rezept. Und auch sonst rühmte sie die Bemühungen ihrer Angehörigen und der Domicil-Angestellten: «Es war alles eingerichtet und bereit, als ich einzog. Ich musste keinen Finger rühren», erzählte sie.

Und: «Man wird hier so lieb behandelt. Ich bin glücklich hier.» Am liebsten, sagt die 94-Jährige, hätte sie auch ihre Freundin hier. Doch diese sei vier Jahre jünger und bei so guter Gesundheit, dass sie im Schwabgut nicht aufgenommen würde. «Ich habe ihr geraten: Wechsle den Doktor», sagte Aebischer schelmisch. Und liess damit keinen Zweifel daran, dass es ihr im Heim wirklich gut geht – obwohl es manchmal auch steinhart sein kann.

Berner Zeitung

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