Amateur-Eishockeyspielerin wegen Check vor Gericht

Vor zwei Jahren blieb eine Hockeyspielerin nach einem Zusammenprall auf dem Eis liegen. Seither leidet sie an den Folgen. Nun ist der Check ein Fall für die Justiz.

Das Regionalgericht Bern-Mittelland befindet dieser Tage über ein Foul einer Hockeyspielerin.

Das Regionalgericht Bern-Mittelland befindet dieser Tage über ein Foul einer Hockeyspielerin.

(Bild: Keystone)

Die Gegnerin sei «mit Vollgas» und mit erhobenem Ellbogen auf seine Spielerin zugefahren. «Dann hat es geknallt. Sie fiel um und blieb einige Zeit liegen.» So schilderte der Trainer einer 36-jährigen Eishockeyspielerin dem Re­gionalgericht Bern-Mittelland das Geschehen jenes Oktoberabends 2015.

Heftiger Zusammenprall

Ganz anders hatte es der Freund der Beschuldigten gesehen. Er schaute von der Tribüne der Ka-We-De zu. Seine Freundin sei nach einem fliegenden Wechsel auf die andere Spielerin zugefahren, um sie unter Druck zu setzen. Als die Spie­lerin den Puck gespielt hatte, wollte seine Freundin links an ihr vorbeifahren. Diese habe abrupt gestoppt und sich gedreht. Die beiden seien zusammengeprallt. «Einen erhobenen Ellbogen habe ich definitiv nicht gesehen», versicherte er und fügte an: «Hätte sie die Gegnerin vorsätzlich mit dem Ellbogen niedergestreckt, hätte es von den Zuschauern und vom Trainer laute Reaktionen gegeben.»

Im Frauenhockey sind Checks ver­boten. Die betroffene Spielerin beschuldigt ihre Gegnerin deshalb der Körperverletzung. Beim Zusammenprall mit der etwa gleich grossen, 28-jährigen Gegnerin hatte die Klägerin eine schwere Hirnerschütterung und ein schweres Schleudertrauma erlitten. Mit Folgen: Sie war zwei Monate ganz und dann teilweise arbeitsunfähig. Noch heute, zweieinhalb Jahre später, klagt sie über Kopfschmerzen und Schwindelanfälle.

Weder Schiedsrichter noch eine Teamkollegin konnten vor Gericht mit Sicherheit sagen, ob die Spielerin absichtlich und mit erhobenem Ellbogen agierte. Dazu kommt, dass die Verletzte nach dem Zusammenprall weiterspielte. Der Schiedsrichter unterbrach zwar kurz die Partie, verhängte aber keine Strafe. «Ich bin nicht von einem Check ausgegangen», sagte er.

Ihre Anzeige machte die Spielerin erst rund drei Monate nach dem Vorfall. «Ich hatte den Unfall falsch eingeschätzt», gab sie zu Protokoll. Deswegen sei sie erst mehrere Tage später zum Arzt. Ihre Gegnerin hätte bremsen können, wenn sie gewollt hätte, ist die Betroffene überzeugt. Sie spielt seit 22 Jahren Eishockey. «Selbst in Matchs mit Männern ist es nie so hart zugegangen.» Ihr Anwalt doppelte nach: «Hier wurde eine Linie überschritten, wo man sagen kann: Das ist nicht mehr Sport.» Auch der Staatsanwalt befand, dass die an­geklagte Spielerin eine krasse Regel­verletzung begangen habe. Er fordert eine bedingte Strafe von 14 Monaten.

Verteidiger spricht von Unfall

Für einen Freispruch sprach sich der Verteidiger aus. Als Fachmann auf diesem Gebiet nahm er die Situation minutiös unter die Lupe und zerpflückte die Aussagen der Klägerin und ihrer Zeugen. Sogar einen Stock hatte er zur Veranschaulichung mitgebracht. «Glaubt man den Schilderungen, müsste meine Klientin die Klägerin mit dem linken Ellbogen von rechts getroffen haben», sagte er. Er verwies auf die Statistik der 28-Jährigen: Sie weise kaum Strafen und schon gar keine wegen verbotener Checks auf. Er kam zum Schluss: «Ja, die Spielerin ist ein Opfer, aber ein Unfallopfer». Das Gericht wird das Urteil heute verkünden.

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