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Anti-Ecopop-Tag in Bern blieb ruhig

Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag auf dem Bundesplatz gegen die Ecopop-Initiative demonstriert. Nur eine von zwei unbewilligten Demonstrationen wurde durchgeführt.

Mehrere Hundert Autonome zogen am Samstagnachmittag gegen 15.45 Uhr durch die Marktgasse...
Mehrere Hundert Autonome zogen am Samstagnachmittag gegen 15.45 Uhr durch die Marktgasse...
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Claudia Salzmann
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Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in Bern gegen die Ecopop-Initiative demonstriert. Vier Wochen vor der Abstimmung warnten sie auf dem Bundesplatz vor der Initiative, die keine Umweltprobleme löse und Migranten zu Menschen zweiter Klasse mache.

Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf 8000. Zur Kundgebung aufgerufen hatten Gewerkschaften, Migrantenorganisationen, Hilfswerke und Parteien aus dem links-grünen Lager.

«Ecopop wird keine Wohnungen bauen, keine Jobs schaffen und keine Fachkräfte ausbilden», rief SP-Präsident Christian Levrat den Demonstrierenden zu. «Ecopop schafft nur neue Probleme.»

Die Initianten schürten Fremdenfeindlichkeit und Chauvinismus mit dem Ziel, den bilateralen Weg abzubrechen und die Schweiz in die Isolation zu führen. Dagegen müsse die Stimme erhoben werden, sagte Levrat - «die Stimme einer offenen, sozialen und solidarischen Schweiz.»

«Ecopop nur scheinbar grün»

Auch die Grünen-Chefin Regula Rytz warnte eindringlich vor den Folgen der Initiative, die nur scheinbar «grün» sei. In Tat und Wahrheit leide die Welt nicht an zu vielen Menschen, sondern an einer Wirtschaft, die zu viel Natur zerstöre.

Werde Ecopop angenommen, seien alle Arbeitnehmenden auf der Verliererseite, betonte Vania Alleva als Co-Präsidentin der Gewerkschaft Unia. Skrupellose Arbeitgeber würden mehr Kurzaufenthalter anstellen, denen sie tiefe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen diktieren könnten. Dadurch würde sich auch der Druck auf Schweizer Arbeitnehmer erhöhen.

Emine Sariaslan, Präsidentin der Migranten-Organisation FIMM, rief die Stimmbevölkerung auf, die Initiative am 30. November wuchtig abzulehnen. Ein klares Nein sei auch nötig, «um diejenigen zu entmutigen, die schon neue fremdenfeindliche Initiativen planen».

Bunte Ballone und Gewerkschaftsfahnen prägten das Bild auf dem Bundesplatz. Auch Künstler riefen zu einem Nein am 30. November auf, darunter der Westschweizer Autor Antoine Jaccoud.

Mehrere Hundert Autonome, aber keine «Patrioten»

Mehrere Hundert Linksautonome zogen gegen 15.30 Uhr durch die Berner Innenstadt zur Schützenmatte. Laut der Kantonspolizei setzte sich die Gruppe von der offiziellen Kundgebung auf dem Bundesplatz ab. Ihre Kritik richtete sich gegen Ecopop, aber auch gegen die offizielle Kundgebung: Das links-grüne Bündnis lasse sich auf die nationalistische, rassistische und kapitalistische Argumentation der Initianten herunter.

Aus dem Umzug heraus wurden gemäss Polizeiangaben vereinzelt Handlichtfackeln gezündet. Bei der Schützenmatte löste sich der Zug auf. Sachbeschädigungen wurden keine festgestellt. Der unbewilligte Demonstrationszug brachte jedoch den öffentlichen Verkehr für rund eine Stunde zum Erliegen. Bernmobil meldete auf den Linien 6, 7, 8, 9, 10, 12 und 19 unregelmässigen Betrieb und Verspätungen. Erst gegen 17.30 Uhr entspannte sich die Lage.

Bereits für 13 Uhr hatten rechtsnational «Patrioten» eine Kundgebung auf dem Bundesplatz angekündigt. Auf Facebook hatten sie alle «Schweizer» dazu aufgerufen ein Zeichen zu setzen. Von einem Aufmarsch war am aber nichts zu sehen. Am frühen Samstagabend war der Demo-Aufruf auf der entsprechenden Facebook-Seite verschwunden.

Wie die Kantonspolizei am Samstagabend mitteilte, verlief die Kundgebung auf dem Bundesplatz aus polizeilicher Sicht ruhig und ohne grössere Zwischenfälle. Im Verlauf des Nachmittags seien mehrere Personen kontrolliert worden. Fünf wurden für eine nähere Kontrolle auf eine Wache geführt. Sie trugen Pfeffersprays mit sich oder Utensilien, die nach Ansicht der Polizei mutmasslich zum Zweck von Sachbeschädigungen dienten.

SDA/tag/tma

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